Ein alter Baum hält durch

Winterrambour Veteran an zwei Krücken
Winterrambour Veteran an zwei Krücken
Foto: Jens Dirksen
Was wir bereits wissen
Sie werden sich vielleicht nicht mehr daran erinnern, aber wollte ja dem alten Apfelbaum-Veteran auf unserer Obstwiese endgültig den Garaus machen.

Gepflanzt von Uropa Fritz, Jahrzehnte gewachsen, geblüht und getragen, hatte ihn der heute schon legendäre Kyrill-Sturm vor fast genau acht Jahren zum ersten Mal flachgelegt. Nun, damals haben wir ihn wieder aufgerichtet und mit drei extradicken Zaundrähten an drei Kollegen festgebunden, die in dem Sturm standhaft geblieben waren. Durch die kreuz und quer verspannten Drähte hatte unser durchaus dörflicher Garten etliche Monate lang ein gewisses großstädtisches Flair, weil man glatt an Straßenbahn-Oberleitungen glaubte.

Alte Standfestigkeit wiedergewonnen

Irgendwann aber hatte der Baum, der bis auf den heutigen Tag fantastische Äpfel der Sorte Rheinischer Winterrambour liefert, seine alte Standfestigkeit wiedergewonnen, auch wenn eine der drei Hauptwurzeln so gut wie hinüber war. Doch in diesem Jahr war es endgültig vorbei mit der Winterrambour-Herrlichkeit, der Baum kippte erneut unter windigen Umständen auf die Seite. Und diesmal hatte ich beschlossen: Keine Oberleitungen mehr im Garten! Manchmal mag ein gewisses Ausmaß an Gebrechlichkeit vielleicht auch bedeuten, dass es an der Zeit ist. So hatte ich beschlossen, den Apfel-Veteran in einer letzten Mission darauf vorzubereiten, noch einmal für uns durchs Feuer zu gehen, nach dreijähriger Lagerungszeit – im Ofen.

Leben lassen – solange die Krücken halten

Nun, mein Vater hatte mehr Mitleid mit dem alten Gesellen und verpasste ihm zwei Krücken, wobei ich nicht sicher bin, ob die beiden dicken Äste, die dazu dienten, von der ersten Havarie des Baums übriggeblieben waren oder von einem Kollegen stammten. Jedenfalls hat der Baum in diesem Jahr tatsächlich noch einmal getragen – und solange die Krücken halten, soll er sein Leben haben. Um ganz ehrlich zu sein habe ich aber ganz in der Nähe schon einen neuen Baum gepflanzt, klein und zart, aber er soll früh genug anfangen, ein würdiger Nachfolger zu werden.