Die Hahnenkämpfe unter Seidenhühnern

Roy II., Hahn von Beruf.
Roy II., Hahn von Beruf.
Foto: Jens Dirksen
Mit den brutfreudigen Seidenhuhnhennen hatte unser Lorenz also eine zuverlässige Grundlage für Seidenhuhnnachwuchs geschaffen.

Niederrhein..  Allerdings war ihm dank der Biologie-Lehrpläne schon seit seiner Grundschul-Zeit klar, dass mit den Hennen nur die eine Hälfte der Seidenhuhnvermehrung gesichert war. Also musste ein Seidenhuhnhahn her. Nun hatten die Seidenhühner schon 20 Euro pro Stück gekostet, und wenn er gleich zwei davon kauft, muss ein Zwölfjähriger ganz schön lange sein Taschengeld zurücklegen, selbst bei einem so üppigen Wochensatz, wie er bei uns zur Auszahlung kommt. Also habe ich Lorenz versprochen, dass ich den Hahn besorge. Und bei dieser Gelegenheit eine Lektion in Sachen Wertvorstellungen bekommen. Denn im Gegensatz zu den Hennen war der Hahn nicht nur preiswert, er war – umsonst! Ich hätte sogar vier oder fünf Hähne geschenkt haben können.

„Ausschuss“ von der Zucht

Denn es handelte sich nämlich um „Ausschuss“ von Seidenhuhnzüchtern – Tierfreunde hatten die Hähne, die unter Züchtern als farblich ungeeignet gelten, bei sich aufgenommen. Nun hatte es sich aber bald herausgestellt, dass mehr als ein Hahn für eine Hühnerschar zu viel Hahnenkampf und zu sehr abgelenkte Hennen bedeutet, die vor lauter Vervielfältigungsbemühungen gar nicht mehr zum Eierlegen kommen. Deshalb sollten die überzähligen Hähne nun den unersättlichen Appetit der Berglöwen im nächstgelegenen Zoo stillen.

Lustiges Gefieder

Nein, mehr als einen Hahn haben wir nicht retten können. Aber der, den wir jetzt haben, zeichnet sich durch ein derart lustiges Gefiedermuster aus, dass sich die Berglöwen wahrscheinlich totgelacht hätten, wenn er auf sie losgelassen worden wäre. Da lachen ja die Hühner? Eben nicht! Unsere Hennen finden die wilde Mischung aus Schlangen- und Pop-Art-Muster von Roy II. sehr anziehend. „Hihi“, kicherte Lorenz eines Tages, „das mit den Küken könnte jetzt bald klappen.“ Zwei Tage blieb das erste Huhn auf seinem Nest hocken. Zehn Tage lang kam fast jeden Tag eines dazu. Die Brutzeit würde 20 Tage betragen, das wussten wir. Was wir aber nicht wussten und viel zu spät bedacht hatten: Was machen wir bloß, wenn da lauter Hähne aus den Eiern schlüpfen?

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE