Wo Karneval am Herzen liegt – ein Museum voller Orden

Orden über Orden – alle schön aufgereiht im Karnevalsmuseum in Hilden.
Orden über Orden – alle schön aufgereiht im Karnevalsmuseum in Hilden.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Im Hildener Karnevalsmuseum sind rund 40 000 Orden zu sehen. Die Sammlung hat es bereits zweimal ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft.

Hilden.. „Nee“, sagt Eddy Blum (69), „mit Karneval hatte der Heinrich eigentlich gar nix am Hut.“ Dass der am 16. Juni 1937 geborene Heinrich Wimmer dann trotzdem zum Namensgeber eines Karnevalsmuseums wurde, hatte viel mit Zufall, mit Begeisterung für schön gemachte Dinge und mit rheinischem Einfallsreichtum zu tun.

Als sich Blum und Wimmer Ende der 1990er zum ersten Mal in einem Hildener Stehcafé trafen, erzählte der Ältere dem Jüngeren: „Ich hab’ 20 000 Karnevalsorden im Keller.“ „Jaja, erzähl du mal!“, lautete Blums ungläubige Reaktion, „aber als ich dann bei ihm im Keller war – da hingen die wirklich alle da. Alle fein säuberlich auf hölzernen Stängelchen aufgereiht.“

Wimmer, seines Zeichens hoch dekorierter Schütze, dem Zeit seines Lebens diverse Auszeichnungen zuteil geworden waren, hatte die ersten Karnevalsorden geschenkt bekommen: „Mit denen ist er dann nach Düsseldorf gefahren und wollte die dem Karnevalskommittee vermachen. Die haben ihm gesagt: ,Die ham wir alle schon, die kannste alle wieder mitnehmen.’“ Zurück im heimischen Hilden, breitete Wimmer die verschmähten Gaben auf dem Boden aus: „Is ja doch ganz schön, dachte er sich – und so hat er dann angefangen, zu sammeln.“ Mit seinen Karnevalsorden ist Wimmer zweimal im Guinness-Buch der Rekorde gelandet. Und es wurden immer mehr. „Was wird denn aus dem Schrott, wenn ich mal tot bin?“, fragte er, viel, viel später, seinen Kumpel Eddy. Und der antwortete scherzhaft: „Dann kommt der Schrotthändler!“

Karnevalsmuseum ohne Eintritt

Der Schrotthändler ist nicht gekommen. Stattdessen haben die beiden Hildener ein Karnevalsmuseum aufgemacht. An Heinrich Wimmers 70. Geburtstag, am 16. Juni 2007, wurde es eröffnet. Ende 2008 starb Wimmer an Krebs. Seitdem haben die Hildener nicht nachgelassen. Sie haben einen Förderverein gegründet, das Museum mit viel Eigeninitiative aufgestockt, und jeden Samstag, jeweils von 12 bis 14 Uhr, hat es geöffnet. Ohne Eintritt („Aber jede Spende für unser Schweinchen ist willkommen!“) wird es allein von Ehrenamtlern betrieben. Unter denen Blum einer der eifrigsten ist: gebürtiger Kölner („Ich bin auf der Aachener Straße, neben dem Millowitsch-Theater aufgewachsen!“), bekennender Karnevalist und Hildener Karnevalsprinz von 1990.

Im Haus Neustraße 15 – mit der karnevalistischen Fassade zum Hof hin, die eigens von einem Graffitikünstler gestaltet wurde – ist alles liebevoll und handgemacht. „Wir haben hier gepinselt, gehämmert und Laminat verlegt“, erinnert sich Blum. Die Prunkstücke sind hinter Glas auf rotem Samt dekoriert, die Sonderausstellung im Erdgeschoss ist derzeit der Düsseldorfer Prinzengarde gewidmet. In den Unterschränken, „auf Stängelchen“ wie weiland bei Wimmer, aber auch in Kistchen, Kästen und Boxen, lagern Schätze und Kuriositäten. Etwa der älteste Karnevalsorden der Sammlung – die inzwischen rund 40 000 Exemplare umfasst –, und der im Jahr 1808 in Mannheim verliehen wurde.

In heimlichen Nachtschichten in den 1950er und 1960er Jahren von Mitarbeitern der Hildener „Rheinstahl“ gebrannte Unikate. Orden, die mit Hilfe von Birnchen leuchten, die singen können, diamanten silbrig glitzern, aus Porzellan, Messing, Gusseisen oder Blech gefertigt wurden oder Kenntnis von der Prüderie der Kölner ablegen.

Ein 1987 von Manets „Frühstück im Grünen“ inspiriertes Kunstwerk musste, auf Geheiß des Festkomitees, im Nachherein entschärft werden: Die ehemals nackte Frau auf der linken Seite präsentiert sich in der überarbeiteten Fassung züchtig mit kölscher Krone und im weißen Kleid. Neben Orden sind im Hildener Museum auch Kostüme ausgestellt, Programme, Pokale und Präsidentenketten, Fotografien, Urkunden und Liederbücher, Zepter, Pritschen und Kappen, Wimpel, gravierte Gläser und bestickte Tschakos. Einen besonders kostbaren Orden sucht man im Heinrich-Wimmer-Karnevalsmuseum übrigens vergebens: „Uns ist jeder Orden gleich wertvoll.“ Denn das, um was es den Hildenern geht, ist eine ganz simple Sache: „Denen, die nach uns kommen, zu zeigen, was Karneval früher mal war. Wir sind angetreten, um zu erhalten, was uns am Herzen liegt.“ Dafür hätten sie, allesamt, einen Orden verdient.

Heinrich-Wimmer-Karnevalsmuseum, Neustraße 15, Hilden (Eingang über Itterstraße, am Ende rechts über den Hof), Besichtigungen samstags 12-14 Uhr oder nach Vereinbarung. Termine für Gruppen: 0172 / 5425377 (Eddy Blum).

www.rheinisches-karnevalsmuseum.de