Wie Unternehmen es schaffen, grüner zu werden

Marcus Noack berät Unternehmen und hilft Jobsuchenden, denen es ernst ist mit der Nachhaltigkeit.
Marcus Noack berät Unternehmen und hilft Jobsuchenden, denen es ernst ist mit der Nachhaltigkeit.
Foto: HO
Was wir bereits wissen
Marcus Noack hilft Firmen dabei, verantwortungsvoll übers Geldverdienen hinaus zu denken und sich nebenher ein besseres Image zu erarbeiten.

Essen.. Als „Ökofundi“ möchte sich Marcus Noack nicht bezeichnet wissen. Das würde dem 33-jährigen Unternehmer auch nicht gerecht. Er ist kein naiver Weltverbesserer, kein Moralapostel, der anderen sagen will, wie sie leben sollten. „Mein Geschäftspartner und ich sind vom Antrieb her eher Kaufleute“, sagt Noack. Kaufleute, die sich viele Gedanken über den Wirtschaftskreislauf gemacht haben, die glauben, dass „Geld verdienen nicht alles sein“ kann, die verstehen, dass Menschen sich selbst verwirklichen wollen, privat und im Job. Und die deshalb Ende 2010 ein Internetportal gründeten, auf dem sich Unternehmen registrieren können, die „Ökonomie mit Öko- und Soziologie in Einklang zu bringen“ versuchen, wie es in der Beschreibung heißt.

Die Liste der Konzerne, die sich auf „Umwelthauptstadt.de“ präsentieren, ist lang. Manches Logo erkennt man auf Anhieb wieder, von anderen Firmen hat man noch nie gehört. Vom traditionellen Familienbetrieb bis zum Global- Player ist alles dabei. Ein Klick aufs jeweilige Geschäftsprofil und man kann zum Beispiel nachlesen, welche Maßnahmen zum Umweltschutz ein Unternehmen ergriffen hat oder noch ergreifen möchte und wie es im Arbeitsalltag unternehmerische Gesellschaftsverantwortung, die sogenannte „corporate social responsibility“, umsetzt.

Grün, sozial und verantwortungsbewusst

Die Firmen werden zu Bewerbern um ein ganz bestimmtes Image. Sie wetteifern darum, vom Konsumenten als grün, sozial und verantwortungsbewusst wahrgenommen zu werden. So schreibt etwa „Henkel“ über sich: „Henkel hatte schon immer den Anspruch, eine Balance zwischen Mensch, Umwelt und Gewinnstreben zu schaffen. (…) Unser Beitrag (...) liegt in der Entwicklung von innovativen Produkten und Prozessen, die bei gleicher oder besserer Leistung immer weniger Ressourcen verbrauchen.“

Und Panasonic verspricht: „Bis zum 100sten Geburtstag des Unternehmens – im Jahr 2018 – wollen wir weltweit führend für grüne Innovationen in der Elektronikindustrie sein.“

Es beginnt oft schon im Kleinen

Nachhaltiges Papier im Kopierer, Fairtrade Einkaufstaschen, Unterstützung gemeinnütziger Vereine, Ökostrom in den Büroräumen, oder schlicht Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit – den Firmen fallen viele Dinge ein, die sie als nachhaltig auszeichnen.

Ja, vieles klingt etwas aufgebauscht. Aus manchen Texten trieft die billige Kundenmanipulation, andere sind knochentrocken vor lauter Lieblosigkeit. Doch auch das vermittelt dem, der sich informieren will, einen Eindruck.

Marcus Noack ist Realist: Er weiß, dass Unternehmen heute auch „greenwashing“ betreiben, also nur am Firmen-Image polieren. Auf seiner Plattform will er das nicht dulden. „Nachhaltigkeit ist schwer abzubilden“, sagt er. Unternehmen, die auf der Plattform gelistet werden wollen, schicken Nachhaltigkeitsberichte. Start-ups werden in Zusammenarbeit mit „Borderstep“, einem Forschungsinstitut mit dem Schwerpunkt nachhaltiges Wirtschaften, unter die Lupe genommen. Einen festen Kriterienkatalog gibt es bisher nicht, der sei aktuell in Arbeit, sagt Noack, was nicht heißt, dass sie niemanden ablehnen. Oder sogar rausschmeißen. So wie die Firma, die dreist behauptete, sich in Sachen Nachhaltigkeit zu bemühen, ohne das etwas passierte. Mit dem Vorwurf konfrontiert, zeigte das Unternehmen keine Bereitschaft, etwas zu ändern – und musste die Plattform verlassen.

Eine grüne Stellenbörse

Noch sei die Entscheidung, sich mit Umweltthemen zu befassen, meist eine strategische, sagt Noack. Doch es gebe auch Authentizität. Dass diese im Regelfall eher ein regionaler Biobäcker als ein multinationaler Konzern liefert, geschenkt. Es geht ja darum, dass die Firmen überhaupt anfangen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. „Dass man in dieser Richtung etwas machen muss, weiß fast jeder.“

Die Umwelthauptstadt ist nicht Noacks einziges Nachhaltigkeitsprojekt. „Schnell war klar, dass da noch mehr möglich sein müsste“, sagt er. Irgendwas mit grünen Jobs. „Jobverde.de“ wurde geboren – eine grüne Stellenbörse. Am Anfang sei es schwierig gewesen, erzählt Noack, doch mittlerweile funktioniert das Konzept: zwischen 100 und 200 unterschiedliche Konzerne, 30 bis 40 Prozent wiederkehrende Kunden, also Unternehmen, die mehrfach Stellenanzeigen schalten, steigende Nutzerzahlen. Dazu die Kooperationen, unter anderem mit dem Magazin „forum Nachhaltig Wirtschaften“.

„Noch ist Nachhaltigkeit ein Nischenthema“, sagt Noack. Aber die Job-Bewerber seien anspruchsvoller geworden: Sie suchten nach der idealen Work-Life-Balance und nach einem sauberen Arbeitgeber, der zu ihren Idealen passt. „Die Unternehmen können das nicht unbedingt erfüllen.“ Noch nicht.