Warum das Ohr ein echtes Wunderorgan ist

Drehbare Ohren: Hasen können ihre Gehörorgane nach dem Schall ausrichten
Drehbare Ohren: Hasen können ihre Gehörorgane nach dem Schall ausrichten
Foto: Getty Images/iStockphoto
Was wir bereits wissen
Warum hat der Osterhase eigentlich so lange Ohren. Kann er damit besonders gut hören oder was fängt er damit an? Wissenwertes über ein Wunderorgan.

Meister Langohr ist an diesem Wochenende fast überall zu sehen. Die mächtigen Löffel sind seine auffälligsten Attribute. Aber warum sind die eigentlich so lang? Und kann er damit besonders gut hören?

Kommt es auf die Größe an?

„Großmutter, was hast du für große Ohren?“ – „Damit ich dich besser hören kann.“ Diese Worte sind wohlbekannt und sie scheinen plausibel. Doch ganz so ist es nicht. Wie so oft im Leben ist die Größe nicht alles. Sicher gibt es im Tierreich gute Beispiele für die Leistungsstärke großer Ohren. Das braune Langohr, keineswegs ein Hase, sondern eine Fledermaus, hat bei einer Körpergröße von fünf Zentimetern ganze vier Zentimeter lange Ohren. Setzt man dieses Verhältnis beim Menschen an, wären unsere Lauscher rund 1,4 Meter lang. Es gibt jedoch viele Arten, deren Ohren klein sind, fast nicht zu sehen, die trotzdem gut hören. Und einige Tiere hören sogar ohne Ohren.

Wie hört man überhaupt?

Um Hören zu können, müssen die Schallwellen durch ein spezielles Organ aufgenommen werden. Beim Menschen und den meisten Tieren ist dies das Ohr. Durch die Ohrmuschel gelangen die Wellen in den Gehörgang und zum Trommelfell, das daraufhin zu schwingen beginnt. Dahinter sitzen die drei kleinsten Knochen des Menschen, Hammer, Amboss und Steigbügel. Der Hammer tastet die Schwingung ab, der Amboss leitet sie weiter und der Steigbügel überträgt sie ins Innenohr, wo in der Gehörschnecke die Signale der durch die Schwingung bewegten Härchen in Nervenimpulse umwandelt werden. Das Gehirn wertet diese Signale aus und verschafft uns den Eindruck von Tönen. Kein Lebewesen auf der Welt kann alle Töne wahrnehmen. Wir Menschen hören einen Frequenzbereich von 16 bis 20 000 Hertz. Ein Elefant etwa ist auf niedrige Frequenzen spezialisiert aber dafür für hohe Töne taub, mit denen sich zum Beispiel Wale verständigen. Nun ist es unwahrscheinlich, dass beide einander treffen. Wenn es jedoch so wäre, könnten sie einander nicht hören.

Wie unterschiedlich können Ohren sein?

Eine weithin sichtbare Ohrmuschel, wie wir Menschen sie haben, ist nicht sehr verbreitet. Sie ist übrigens von Person zu Person einzigartig und markant, wie es ein Fingerabdruck ist und kann sogar in der Kriminalistik Anwendung finden. Ohren können ganz unterschiedlich aussehen und platziert sein. Bei der Eule liegt ein Ohr etwas höher als das andere. Das eine hört nach unten, das andere nach oben. Dadurch kann das nachtaktive Tier „3D-Hören“. Fledermäuse und Delfine nutzen den Gehörsinn zur Orientierung. Sie stoßen hochfrequente Geräusche aus und orientieren sich am Echo. Bei der Fledermaus hat das Gehör so die Augen weitgehend ersetzt.

Einige Frösche haben kein Außenohr. Bei ihnen sitzt das Mittelohr am Kopf. Das Prinzip jedoch ist gleich: Ankommende Geräusche lassen das Trommelfell vibrieren. Andere Froscharten, wie der Gardiner-Seyschellenfrosch, haben auch kein Mittelohr. Forscher fanden heraus, dass sie mit Hilfe ihrer Mundhöhle hören, welche die Geräusche verstärkt. Würmer und Schlangen haben ebenfalls keine Ohren. Sie nehmen über andere Organe dennoch Geräusche wahr und wandeln Wellen in Informationen um. Das ist ein bisschen so, als würde unser Telefon in der Tasche vibrieren.

Eine besondere und lebenswichtige Fähigkeit ist es, die Ohren einzeln zu bewegen, wie es Hasen und Kaninchen tun können. Sie drehen das Ohr in die Richtung des Geräusches. Das lange Ohr funktioniert wie ein Trichter, der die Schallwellen einfängt und bündelt. So hört der Hase auch das leiseste Geräusch rechtzeitig. Für ihn ist das besonders wichtig, denn er lebt unter freiem Himmel, anders als das Kaninchen, das sich unter die Erde verkrümeln kann. Weil für den Hasen das Hören noch wichtiger ist, sind seine Ohren länger, also noch bessere Trichter.

Was können Ohren noch?

Ohren sind nicht nur zum Hören da. Bei vielen Tieren fungieren sie auch als Klimaanlage. Wenn dem Hasen heiß ist, kann er über die Ohren Hitze ableiten. Die Haut an dieser Stelle ist sehr dünn und innen fast unbehaart. Durch das Gewebe ziehen sich viele Blutgefäße. Das Blut, das hier durch strömt, kann an einem schattigen Plätzchen somit etwas abkühlen. Vergleichen kann man dies mit der Erfrischung die es uns Menschen bereitet, die Handgelenke unter kaltes Wasser zu halten. Viele Tiere nutzen diesen Effekt. Der afrikanische Elefant wedelt zudem mit seinen Riesenohren und verstärkt damit die Abkühlung noch.

Das Ohr ist ein echtes Superorgan, das praktisch ist und manchmal lebensrettend. Und wie das bei Superhelden so ist, sie schlafen nie. Das Ohr ist, auch beim Menschen, 24 Stunden am Tag aktiv. Sogar im Schlaf nimmt es potenzielle Gefahren wahr. Jeder weiß, das kann auch ein Fluch sein. Wie gut hat es da der Goldfisch: Er mag keine lauten Geräusche, ist schnell gestresst. Wenn es ihm zuviel wird, verschließt er einfach seine Ohren.