Von hundsgemeinen Hühnern und der „Geflügelschweiz“

Kann gemein sein, so ein Huhn...
Kann gemein sein, so ein Huhn...
Foto: WAZ FotoPool
Man wird so alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu, auch wenn’s dabei um eine so horn- und hirnlose Spezies wie das gemeine Haushuhn geht.

Wobei man an unseren Hühnern lernen kann, dass beide Bedeutungen des Wortes „gemein“ manchmal gleich zutreffen. Als erstes sind es ganz normale, also „gemeine“ Hühner, im Sinne von „allgemein“. Klar, jedes Huhn ist ein besonderes: die beiden Grünleger wegen ihrer grünen Eier, die „Druffeler Haube“ wegen ihres tantenhaften Kopfschmucks, der „Sperber“ wegen seines „karierten“ Gefieders, wie sich der Hühnerbetreuer unter unseren Kindern ausdrückt. Und in dieser bunten Truppe ist auch der braune „Italiener“ besonders, der aussieht wie ein gewöhnliches Legehuhn. Lauter Hennen, mit denen ein Hühnerzüchter nicht strunzen könnte – so normal.

Aber! Die Biester können auch hundsgemein sein. Dazu müssen sie sich gar nicht groß verstellen. Früher habe ich das Wort Hackordung so verstanden, dass sie regelt, wer als erster ans Futter darf. Nach einigen Jahren mit einem halben Dutzend Hühner weiß ich, dass man das mit dem Hacken wörtlich nehmen muss.

Fast immer gibt es ein Huhn, das von allen anderen mit dem Schnabel zurechtgewiesen wird, sozusagen das unterste Ende der Hühnerleiter auf zwei Beinen. Und wenn wieder einmal der Habicht bei uns zu Besuch war und sich ein halbes Hähnchen gegönnt hat (ich glaube, mehr passt in den Habicht gar nicht rein), fahren wir wieder zum Hühnerzüchter und holen ein neues. Das ist naturgemäß jünger als die anderen, und deshalb ist es gut, wenn es sich in sein Schicksal am unteren Ende der Hühnerleiter fügen kann. Wir hatten mal eines, das sich da offenbar nicht einsortieren lassen wollte – das wurde von den anderen so gepiesackt, dass ich über eine „Hühnerschweiz“ gespottet habe, weil die Eidgenossen gerade per Volksentscheid beschlossen hatten, so wenig Ausländer wie möglich ins Land zu lassen. Nach wenigen Wochen war aber Schluss mit lustig. Das Huhn ist regelrecht eingegangen vor lauter Ausgrenzung; seitdem weiß ich, dass auch Hühner Depressionen entwickeln können.

Dabei wollte ich Ihnen eigentlich von der Heizung im Hühnerstall erzählen. Aber nächste Woche ist ja auch noch ein Wochenende.