So lacht das Revier – Mit Ari Plikat im Western

Vorne Ari, hinten Lucky Luke: Der Humor der Cowboy-Serie hat in frühen Jahren auf Plikats Pointen abgefärbt.
Vorne Ari, hinten Lucky Luke: Der Humor der Cowboy-Serie hat in frühen Jahren auf Plikats Pointen abgefärbt.
Foto: FUNKE Foto Services

So lacht das Revier - Ari Plikat

Cartoonist Ari Plikat und Redakteur Georg Howahl besuchen zusammen die Ausstellung "Going West" im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund.
Fr, 19.06.2015, 16.25 Uhr

Cartoonist Ari Plikat und Redakteur Georg Howahl besuchen zusammen die Ausstellung "Going West" im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund.

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Was wir bereits wissen
Cartoonist Ari Plikat beherrscht eine Bandbreite von Polit-Spott bis Kannibalenwitz. In der Comic-Schau „Going West!“ fand er Humor mit blauen Bohnen.

Dortmund.. Ein Stift kann eine Waffe sein, erst recht, wenn man damit so treffsicher umgehen kann wie Ari Plikat. Der Dortmunder trägt keinenğ Cowboyhut. Auch Sporenstiefel hat er keine mitgebracht. Dennoch schlägt sein Herz für raubeinige Halunken, heroische Sheriffs und rauchende Colts. Zumindest, wenn sie gut gezeichnet sind. Wir trafen den Cartoonisten in der Dortmunder Comic-Ausstellung „Going West!“, die sich im Museum für Kunst und Kulturgeschichte ganz dem Wilden Western widmet. „Die beiden wichtigsten Helden aus diesem Genre waren damals für mich Lucky Luke und Leutnant Blueberry. Das waren die beiden Eckpunkte, der komische Teil und der ernsthafte Teil“, erzählt der Zeichner. „Lucky Luke war so lustig und vor allem waren die Zeichnungen so detailliert und es sah richtig nach Western aus. Zeichner Morris hat auch richtige Schauspieler reingezeichnet, da saß Sean Connery im Saloon, außerdem stand mal Hitchcock hinter der Theke.“

Der Western im Comic – ein Feld, so weit wie die Prärie zwischen Manitoba und Texas. Wer in die Fülle der Ausstellung eintaucht, entdeckt amerikanische Präsidenten im Cowboy-Dress, heldenhafte Enten zwischen blauen Bohnen – und selbst Prinz Eisenherz hat sich zu den Indianern verirrt. Sogar Superhelden reiten gegen schurkische Revolverschwinger.

Eine Vorliebe für die Beknackten

Nicht überall findet man in diesen Comics Humor, so wie Ari Plikat ihn schätzt. Den aber liefert Lucky Luke, dem ein Teil der Ausstellung gewidmet ist, umso mehr, gerade bei seinen liebsten Charakteren: „Ich habe eine Vorliebe für die etwas Beknackten. Ich mag die Daltons, Averell und seine Brüder, und auch den Hund Rantanplan – ein Gegenentwurf zum damals beliebten Rin Tin Tin, doof, aber liebenswert. Und die Daltons wollen böse sein, aber so richtig kriegen sie das nicht gebacken. Das fand ich lustig.“

Es muss eine gute Schule gewesen sein, die Lucky und Konsorten dem Cartoonisten geboten haben, dessen Bandbreite ungeheuer ist. Sie reicht vom klug abgefälschten Kalauer bis zum politischen Querschläger, vom gesellschaftlichen Kommentar bis zum kurzen, trockenen Kannibalenwitz. Nicht selten zielen seine Cartoons auch unter die Gürtellinie.

Du bist immer nur so gut, wie du auf dem Papier bist.

Diese Vielseitigkeit könnte man heute vielleicht als „mittelalte Schule“ bezeichnen, denn Plikat (Jahrgang 1958) lernte sein Handwerk in einer Zeit, in denen sich Zeichner zwar längst einen Weg abseits von politischen Karikaturen oder Witzeseiten-Illustration gebahnt hatten, in der das Berufsbild des Cartoonisten aber noch nicht durch zwei, drei Themenfelder abgesteckt war, an denen man sich immer wieder abarbeitet, wie es heute viele jüngere Zeichnerkollegen praktizieren. Sein Stil ist zwar unverkennbar, aber nicht auf die immer selben Regeln festgelegt. „Ich habe lange gebraucht, bis ich meinen Stil gefunden hatte. Man kann sich nicht einfach hinsetzen und sagen: Ich mach jetzt einen eigenen Stil. Das ist wie bei der Musik: Wenn einer nicht spielen kann, dann kann er eben einfach nicht spielen. Beim Zeichnen ist das genauso: Du kannst nicht so tun, als könntest du zeichnen. Du bist immer nur so gut, wie du auf dem Papier bist. Und das ist das Schreckliche und das Schöne daran.“

Plikats Pointen erscheinen oft in Satire-Magazinen wie Titanic oder Eulenspiegel, in der taz oder dem Stern. Dass es heute so ist, gehört zu einer Entwicklung. „An sich war ich sowieso ein Spätzünder, denn in der Schule wusste ich nicht, was ich jetzt machen sollte. Ich hatte diese Vorliebe für Zeichner, aber das hätte ich nie gedacht, dass das ein Beruf von mir werden könnte. Es gab auch kein Material, wo man so etwas hätte nachgucken können.“ Anders als in tausenden Anleitungen und Infos, die man heute bei einfacher Google-Suche findet. Plikat lernte bei einer Werbeagentur den Beruf des Grafischen Zeichners, zog von Lüdenscheid nach Dortmund, um an der FH zu studieren, immer noch mit dem Fokus, einmal als Illustrator zu arbeiten. Jedoch konnte er während der Studienzeit so viele Cartoons veröffentlichen, dass sich eine Marschrichtung abzeichnete.

Kann man davon leben?

Plikat ist in gewisser Weise ein kompromissloser Cartoonist, ihm geht es nicht darum, Masse zu produzieren, sondern mit der Qualität seiner Pointen die Menschen zu erwischen. „Man muss ja versuchen, so viele gute Cartoons wie möglich hinzukriegen. Und dann kommt manchmal der Effekt dazu, dass Leute ankommen und die gar nicht so gut finden. Manchmal denkst du, ich habe einen Superwitz – und dann fragt jemand: Was ist daran witzig? Wenn du es erklären musst, ist es Mist.“

Das passiert nicht oft, aber es passiert eben. Was uns zu einer Frage führt, der immer mal wieder in Plikats Cartoons auftaucht: Kann man davon leben? Worauf Plikat eine ganz einfache Antwort hat: „Man muss immer dahin gehen, wo jemand deine Sachen lustig findet und auch dafür bezahlt. Das ist der Plan.“

Vielleicht so wie bei den alten MAD-Heften, von denen wir einige am Ende unseres „Going West!“-Rundgangs finden und die Humor und Western vermählen. So geschehen in den Westernfilmparodien von Mort Drucker. „An ihm habe ich immer bewundert, dass seine Zeichnungen wirklich so aussahen wie die Schauspieler“, sagt Plikat bewundernd, während wir unseren Rundgang durch den Wilden Comic-Westen beenden. Gern würde man jetzt hinausgehen, die Pferde losbinden und singend in den Sonnenuntergang reiten.

  • Die Cartoons von Ari Plikat sind unter anderem gesammelt im Band „Ich rieche Angstschweiß“ (Lappan, 192 S., 9,95). Er hat außerdem die Illustrationen gezeichnet für die Reihe „Das böse Buch für...“, das sich an Juristen, Lehrer, Ärzte, Zahnärzte und Männer richtet (Lappan, ca. 100 S., je 9,95 €).
  • Mit seiner Lebensgefährtin Lotte Wagner hat er das „Grusel-Monster-Rätselbuch“ mit Zeichnungen versehen (Arena, 96 S., 6,99 €). Neue Cartoons regelmäßig auf www.ariplikat.de