So lacht das Revier: Jens Claassen und die Mettbrötchen

Schwärmt für Mettbrötchen: Komiker Jens Claassen.
Schwärmt für Mettbrötchen: Komiker Jens Claassen.
Foto: Thomas Gödde

So lacht das Revier mit Mett-Liebhaber Jens Heinrich Claassen

Düsseldorf, 15.04.2015: Jens Heinrich Claassen ist ein waschechter Nerd. Und obendrein noch Comedian. In seinem Programm gibt er Einblicke in sein "nerdiges" Leben, immer mit einem Schmunzeln auf den Lippen und einem Mettbrötchen in der Hand.
Fr, 17.04.2015, 19.28 Uhr

Düsseldorf, 15.04.2015: Jens Heinrich Claassen ist ein waschechter Nerd. Und obendrein noch Comedian. In seinem Programm gibt er Einblicke in sein "nerdiges" Leben, immer mit einem Schmunzeln auf den Lippen und einem Mettbrötchen in der Hand.

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Was wir bereits wissen
Jens Heinrich Claassen macht Späße über sein Leben als Nerd, über die Leiden eines Singles - und seine heiße Leidenschaft für rohes Hack mit Zwiebeln.

Essen.. Es ist nicht leicht, ein Nerd zu sein. Allzu viele Hornbrillen-Träger können davon ein Liedchen singen. Aber nur die wenigsten können dazu auch noch Klavier spielen. Zu denen gehört Jens Heinrich Claassen, der aus Leben und Leiden eines, nun ja, nicht mehr ganz blutjungen Computerfreaks (38) ein paar komische Programme geschrieben hat! Jetzt denkt natürlich jeder: Ach, das ist ja wie die „Big Bang Theory“ als Solo-Programm, aber wir verraten hier mal ein Geheimnis: Das in der Fernsehserie sind nur Schauspieler. Claassen ist echt. Wir haben uns davon überzeugt. In seiner Wahlheimat. In Düsseldorf. Mit ihm auf der Jagd nach einem richtig guten Mettbrötchen.

Hm, was haben Mettbrötchen denn nun mit dem Nerdsein zu tun? Na, von irgendetwas muss man sich ja ernähren, wenn die leeren Pizzakartons sich wie der schiefe Turm von Pisa bedrohlich über den Computermonitor neigen. Und Claassen wird auch in seinem Programm nicht müde, ein Loblied aufs Mettbrötchen zu singen.

Ein Nerd ohne Herd

Treffpunkt Schadow-Arkaden, ein nobles Einkaufszentrum im Herzen der Landeshauptstadt. Es gilt zwar nicht mehr gerade als Geheimtipp, aber in der Metzgerei Ludwig soll es sie geben, die 1a-Mettbrötchen, schön mit rohen Zwiebeln drauf natürlich. Und schon auf dem Weg dahin beginnen Claassens Augen zu leuchten. „Ich hätte gerne Mettbrötchen – und zwar möglichste viele“, sagt er und strahlt die Verkäuferin hinter der Theke an. Doch, oh Schreck, vor uns waren schon andere Kenner hier, das Mett reicht noch für drei gut belegte Brötchen aus. Eine volle Mittagsmahlzeit für die meisten, ein köstlicher Happs für Claassen.

„Hier, schöner geht’s doch nicht, dieser Schnee aus Zwiebeln, die Konsistenz des Fleisches – für mich ist das ein Traum, sowohl ästhetisch als auch vom Geschmack her“, sagt der Komiker und schwenkt den Teller unter der eigenen Nase. An seinem Gesicht kann man ablesen, dass er kurz davor ist, im siebten Himmel zu schweben. Aber Momentchen: Erst wollen wir ja noch ein bisschen übers Mett reden. Wie ist er auf das gehackte Fleisch als kabarettfähige Delikatesse gekommen? „Na, weil es spaltet. Man ist entweder Mettbrötchen-Hasser oder Mettbrötchen-Liebhaber. Ich glaube nicht, dass es etwas dazwischen gibt. Genau wie Schalke und Dortmund“, sagt er – und beißt herzhaft zu, wobei ihm ein Wonneseufzer entfährt.

„Ich könnte kochen, wenn ich wirklich wollte“

Claassens aktuelles Programm heißt übrigens „Frauen an den Nerd“. Woraus sich dreierlei schließen lässt: 1. Er ist ein Nerd; 2. Er hat keine Frau; 3. Er hat keinen Herd, obwohl... „Nein, das stimmt, tatsächlich habe ich wirklich keinen Herd. Ich glaube, ich könnte kochen, wenn ich wirklich wollte. Aber ich mache es einfach nicht gerne. Und ich suche natürlich keine Frau, nur weil sie für mich kochen soll – ich bin ja mit Mettbrötchen gut bedient!“ Während er’s noch spricht, verschluckt er sich fast selbst vor Lachen. Man merkt: Eine volle Breitseite Selbstironie feuert der gebürtige Münsteraner und Wahl-Düsseldorfer mal eben so ab.

Tatsächlich steht das Leben und das manchmal trübe Single-Dasein als Nerd stärker im Blickpunkt seines Programms als tatsächliche Technik-Themen. Wobei diese im echten Leben für ihn eine große Rolle spielen. „Früher sagte man ja auch Computerfreak oder Einzelgänger statt Nerd. Und was mich zum Nerd macht? Dass ich alte Computer sammele. Ich habe 36 alte Computer. Der älteste ist ein Sinclair ZX81 und es geht dann bis in die Atari ST und Amiga 500 Generation. Die werden liebevoll gepflegt und zwischendurch auch aufgebaut. Dann wird ,Summer Games’ gespielt auf dem C64. Das ist mein Hobby. Ansonsten: Ich gehe nicht gern raus, ich schwitze, bin nachtaktiv, tagsüber schlafe ich eher.“

Mit Klavier sinkt die Erfolgsquote bei Frauen

Das klingt, zugegeben, nicht für jedermann nach einem Traumleben. Aber was sagt denn das Publikum dazu? Ist das seine Art von Humor etwas von Nerds für Nerds? „Ich glaube nicht, dass in mein Programm viele Nerds kommen. Wenn welche kommen, freue ich mich. Ich weiß aber, dass da auch jeder Nicht-Nerd was mit anfangen kann.“

Claassen scherzt oft über die Verzweiflung in den Single-Börsen, singt über eine Geliebte, die ihn immer die Zahl Pi aufsagen lässt (auf 115 Nachkommastellen) oder über die Vergeblichkeit des Liebeswerbens mit dem Klavier.

Dabei erhöht die Beherrschung eines Instruments doch die Attraktivität. „Nein, es senkt sie eminent. In dem Augenblick, als ich angefangen habe, Klavier zu spielen, ging es runter mit meiner Erfolgsquote bei Frauen. Wir Klavierspieler, wir sind die besten Freunde. Aber sexuell neigt sich die Anziehungskraft da gegen Null.“

Eindeutige Zeichen von weiblicher Seite

Das klingt, als ob im lustigen Abendprogramm ein tragikomischer Kern steckt. „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Ich bin bei allen Singlebörsen angemeldet, die es so gibt. Es kann ja sogar sein, dass sich mal eine Frau für mich interessiert. Aber selbst wenn... Also ich kann Zeichen von Frauen auch nicht deuten.“

Claassen rät jenem Teil des weiblichen Geschlechts, der wirklich Interesse zeigen möchte, ruhig auch sehr, sehr deutlich zu werden, sonst werde es schwierig. Aber wie deutlich ist sehr deutlich? „Also, sie müsste schon nackt vor mir stehen, ich glaube, dann würde ich’s verstehen! Oder fragen: ,Jens Heinrich, möchtest Du mein Freund sein?’ Wobei selbst das ja wieder eine Definitionssache ist.“

Dabei würde man doch denken, dass eine einfache Geste als Zeichen ausreichte, um einen intelligenten jungen Mann aufmerken zu lassen. Etwas wie... sagen wir: Wie das Servieren von drei richtig schön geschmierten Mettbrötchen! „Nein“, bestreitet der Komiker, „aber es würde dazu reichen, dass ich mich augenblicklich in sie verliebe.“

  • Jens Heinrich Claassen live: 23.4. Essen, Zeche Carl („Damals war ich schlanker“), 8.5. Düsseldorf, Savoy (Auszüge), 10.5. Dinslaken, Alte Apotheke („Nerd“), 26.5. Düsseldorf, Zakk („Frischfleischcomedy“), 13.6. Düsseldorf, Takelgarn („Nerd“), 26.6. Krefeld, Lachblütenfest (Auszüge)