So lacht das Revier – Hans Werner Olm will nur spielen

Gibt nicht so schnell Pfötchen: Hans Werner Olm stimmte im Bochumer Stadtpark das ein oder andere Hundelied an. Und erntete großes Gebell.
Gibt nicht so schnell Pfötchen: Hans Werner Olm stimmte im Bochumer Stadtpark das ein oder andere Hundelied an. Und erntete großes Gebell.
Foto: Thomas Goedde

So lacht das Revier - Hans-Werner Olm

Bochum, 01.06.15: Zum "Tag des Hundes" flaniert Kabarettist und Sänger Hans-Werner-Olm durch den Bochumer Stadtpark und singt den Vierbeinern ganz besondere Ständchen.
Fr, 05.06.2015, 00.00 Uhr

Bochum, 01.06.15: Zum "Tag des Hundes" flaniert Kabarettist und Sänger Hans-Werner-Olm durch den Bochumer Stadtpark und singt den Vierbeinern ganz besondere Ständchen.

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Was wir bereits wissen
Zum „Tag des Hundes“ besuchte der Komiker Hans Werner Olm den Stadtpark in seiner alten Heimat Bochum, um dort den Vierbeinern ein Ständchen zu bringen.

Bochum.. Hans Werner Olm tritt voll rein. „Alle reden ja über Hundekot. Und was ist mit dem der Gans?“, fragt der Komiker, während er seine Schuhsohle betrachtet. Im Bochumer Stadtpark häufen sich die Häufchen der wilden Gänse. Und nirgends ist ein Schild zu sehen, das dem Vogel das verbietet. Auf diese ungleiche Behandlung von Federvieh und Vierbeiner muss doch mal aufmerksam gemacht werden. Zumindest einmal im Jahr – denn 6. und 7. Juni begeht der „Verband des deutschen Hundewesens“ den „Tag des Hundes“. (Also eigentlich sind es zwei Tage, aber wer nimmt es schon so genau?)

Da lässt sich Hans Werner Olm nicht lumpen und spielt Lumpi & Co. ein Ständchen. „Hunde, eckige und runde, gibt es immer wieder, wie kann das geschehen?“, singt Olm nach der Melodie von „Wunder gibt es immer wieder“ mit viel „Schmalz“ in der Stimme. „Bleiben Sie stehen“, ruft der 60-Jährige einer Familie hinterher. „Ich singe ihrem Hund ein Liedelein.“ Gitarre vor den Bauch und losgeklampft. „Wau, wau, wau“, meint Hund Vicki. „Du singst die zweite Stimme, das ist wunderbar“, ermuntert Olm den Hund mit den kurzen Beinen und hält sogleich inne. So freundlich klingt das Wau auch wieder nicht. „Der ist auf Kehle dressiert?“, erkundigt sich Olm bei Frauchen. „Auf Kniekehle?“

Man braucht Olm nur einen gedanklichen Knochen hinzuwerfen, und schon rennt er los. Da sprudelt der Blödsinn nur so aus ihm heraus, dass es eine Freude ist. Vorausgesetzt, man mag seinen derben-satirischen Humor. Olm lässt sich keinen Maulkorb verpassen.

Auch wenn er von seinem eigenen Leben erzählt, kommt er von Hölzchen auf Stöckchen. Nicht verwunderlich, wo er doch in so viele Bereiche geschnuppert hat. Beim VfL Bochum hat er in seiner Jugend mal ein Probetraining gemacht. „Da war so eine Erwartungshaltung von der Familie und anderen: Der könnte, der würde, und wir würden fördern. Da hatte ich keinen Bock drauf.“ Trotzdem blieb er dem Verein treu, schrieb ihm vor ein paar Jahren vier Hymnen. „Gewinnerlieder – und danach sind sie abgestiegen.“

Von Wattenscheid ging er nach Berlin. Mitte der 70er. „Damals, war in Bochum nichts los. Das Bermudadreieck, die ganzen kulturellen Einrichtungen, das war gerade erst im Begriff zu entstehen.“ Es gab noch einen Grund für seinen Weggang: In Berlin musste er nicht zum Bund. Er zog durch die Kneipen, machte Musik „für ein Bier und fünf Mark“ – und wunderte sich, dass die Leute lachten, wenn ihm mal ein Glas umkippte.

Olm zählt zu den Gründungsmitgliedern der Gebrüder Blattschuss. Doch bevor sie die „Kreuzberger Nächte“ spielten, hatte die Gruppe den Grünschnabel schon wieder rausgeworfen. Nachgetragen hat er es ihnen nicht. Noch heute spielt er einmal im Jahr mit Jürgen von der Lippe Schach. Und einmal Tennis. „Beim Tennis schlägt er mich, und beim Schach ich ihn. Naja, knapp.“

Die schönste Zeit seines Lebens

Mit der Gitarre fuhr er ins Ausland, lebte in der Schweiz und Österreich, Italien und Spanien als Straßenmusiker. „Das war meine schönste Zeit, die schönste Zeit meines Lebens. Schöner als jede Fernsehsendung, Radiosendung. Ich fühlte mich frei, absolut frei.“

Wann hat er gemerkt, dass er die Menschen zum Lachen bringt? „Ich kann auch Menschen zum Weinen bringen, du musst beides draufhaben. Wie heißt es so schön: Lach doch, wenn es zum Weinen nicht ganz reicht.“ Diese Sicht hat ihm wohl auch in seiner Jugend geholfen. „Hier in Bochum haben sie gesagt, guck ma’, der Bekloppte kommt da wieder. Weil man anders war.“ Doch auch das sagt er nicht anklagend. Denn die Zeit habe ihm Selbstvertrauen gegeben. „Wenn du das schwarze Schaf bist, entwickelst du unglaubliche Kräfte.“

Mit der Fernsehsendung „OLM“ auf RTL wurde er 2002 berühmt. Aber nicht nur als Olm, sondern auch in so mancher Proleten-Rolle. Luise Koschinsky ist bis heute sein zweites Gesicht: die Frau mit der extrem tiefen Stimme, die durchs Leben poltert. „Sie kann sich das herausnehmen, weil sie so hässlich ist.“ Dabei sei auch sie nur auf der Suche nach Liebe.

Olm genießt die Freiheit

Heute genießt Olm wieder die Freiheit, vieles machen zu können, aber nichts zu müssen. „Früher bin ich zehn Kilometer auf der Bühne hin und her gelaufen, mittlerweile bin ich froh, wenn ich sitzen kann.“ In Bonn möchte er sich nun als singender Zahnarzt versuchen, in dem Musical „Der kleine Horrorladen“. Und dann plant er nach einer Bühnenpause im Herbst ein „Vorspiel“. Er will Geschichten zu Songs erzählen. Wie die von dem Mädchen aus Düsseldorf, mit dem er einst auf einem Bärenfell lag, während Cat Stevens sang. „Es sollte zum Äußersten kommen. Doch sie las mir Hesse vor.“

Im Bochumer Park läuft Olm einem Mischling hinterher. „Wau“ findet der das. Aber Olm hat noch ein gesangliches Leckerli dabei: „AUS – das war sein letztes Wort, da trug sein Dobermann ihn fort...“

Hans Werner Olm Live