So holt man sich mit Kirschen den Frühling ins Haus

Frühlingsgruß im Januar: Kirschblüte.
Frühlingsgruß im Januar: Kirschblüte.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wer vergessen hat, den Barbarazweig zeitig ins Warme zu holen, kann dies jetzt noch nachholen. Auch im Januar kann uns so etwas Schönes blühen.

Es wird nicht allein an den Einkäufen für einen unvergesslichen Nikolausmorgen gelegen haben, aber rund um den 4. Dezember war’s bei uns zu Haus wieder mal viel zu hektisch. Denn ich hab die Barbarazweige vergessen. Sie kennen das wahrscheinlich: „Knospen an St. Barbara, sind zum Christfest Blüten da“. Wenn man am Tag der heiligen Barbara, die ja auch Schutzpatronin der Bergleute ist, von den Kirschbäumen Zweige abschneidet und in die wassergefüllte Vase stellt, dann hat man am Heiligabend einen Strauß von Kirschblüten im Zimmer. Was besonders schön aussieht, weil bei den Kirschen ja zuerst die Blüten kommen und dann die Blätter.

Das klappt aber soweit nur theoretisch.

Praktisch klappt es nämlich erst, wenn man dran denkt. Und wenn man es richtig macht. Einmal, schon etliche Jahre her, habe ich nämlich dran gedacht – und es hat doch nichts genutzt. Denn ich habe die Zweige von der schneidenden Kälte draußen gleich in die bullerwarme Stube drinnen geholt. Die Folge: Während sich die schlotternden Hasen und schnatternden Meisen über eine solche Heimholung in tropische Temperaturen einen Ast gefreut hätten, machten die Äste schlapp. Genauer: Die Blüten an den Ästen machten schlapp. Sie vertrockneten, noch bevor sie sich öffnen konnten. Im Jahr darauf habe ich sie dann erst mal in ein unbeheiztes Zimmer geholt, ins Wasser gesetzt – und prompt schwollen dann die Knospen immer dicker an. Und erst als sie anfingen, sich zu öffnen, durften sie rein in die gute Stube. Die Folge war eine rosa Pracht zum Fest.

Aber es muss ja nicht unbedingt zu Heiligabend sein. Selbstverständlich kann man auch jetzt noch Kirschzweige reinholen – in drei, vier Wochen wird man dann belohnt, was ja ein guter Trost dafür ist, dass sich im Garten eigentlich nur was tut, wenn man ein Mikroskop mit rausnimmt.

Aber nicht, dass Sie auf die Idee kommen, bei der Gelegenheit auch gleich den fälligen Rückschnitt am Kirschbaum vorzunehmen: Vergessen Sie’s bitte sofort wieder. Kirschen müssen nach der Ernte geschnitten werden. Alles andere rächt sich im Sommer drauf.