Skandinavien macht Mütter glücklich

Welches Land bietet Müttern die besten Lebensbedingungen? Der Mütter-Index der Kinderrechtsorganisation „Save the Children“ zeigt es.
Welches Land bietet Müttern die besten Lebensbedingungen? Der Mütter-Index der Kinderrechtsorganisation „Save the Children“ zeigt es.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Zum 16. Mal hat eine Kinderrechtsorganisation weltweit das Leben der Mütter betrachtet. Dabei werden beispielsweise Gesundheit, Schulbildung und Einkommen verglichen. Das Ergebnis: Besonders gut geht es Müttern in Norwegen.

Norwegen bietet Müttern die besten Lebensbedingungen weltweit, Somalia die schlechtesten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Kinderrechtsorganisation „Save the Children“. Mütter in Norwegen sind demnach im Durchschnitt sehr gesund, verlieren selten Kinder und genießen viele Jahre Bildung. Das Land verdrängte den Favoriten des vergangenen Jahres vom ersten auf den zweiten Platz des Mütter-Index’: Finnland. Deutschland liegt bei diesem Ranking wie ein Jahr zuvor unverändert auf dem achten Platz. 2013 war es noch Platz neun.

Nach welchen Kriterien wird die Lebenssituation der Frauen mit Kindern untersucht?

Die Hilfsorganisation betrachtet nun zum 16. Mal das Leben der Mütter auf der ganzen Welt. 179 Länder sind Grundlage der Untersuchung. Dabei werden die Gesundheit der Mütter und die Kindersterblichkeit eines Landes, die Schulbildung, das Pro-Kopf-Einkommen und die Beteiligung von Frauen an der Regierung miteinander verglichen. In Norwegen liegt die Sterblichkeitsrate für Mütter beispielsweise bei 1 zu 14 900, während in Somalia bei einer von 18 Frauen die Todesursache mit der Mutterschaft zusammenhängt. Dort sterben laut des Berichtes auch 15 Prozent aller Kinder vor ihrem fünften Geburtstag, während dies in Norwegen nur bei 0,3 Prozent der Fall ist. Fast jede somalische Mutter hat also bereits ein Kind unter fünf Jahren verloren. Außerdem gehen Kinder in Somalia nur 2,2 Jahre zur Schule. Dagegen profitieren norwegische Kinder im Durchschnitt von 17,5 Jahren Bildung. Vor allem aber auch wegen des im Vergleich sehr hohen Einkommens der Frauen liegt Norwegen so weit vorn. Und natürlich belegt Norwegen nicht in jeder Kategorie den ersten Platz. So ist zum Beispiel die Sterblichkeitsrate bei Säuglingen in Schweden noch geringer.

Wie sieht im Vergleich die politische Einflussmöglichkeit von Frauen aus?

Obwohl Deutschland eine Bundeskanzlerin hat, ist die politische Mitbestimmung von Frauen in anderen Ländern durchaus höher. Das Parlament in Bolivien oder Ruanda besteht zum Beispiel zu mehr als 50 Prozent aus Frauen. In Deutschland sind es nur knapp 37 Prozent – von denen natürlich nicht alle Mütter sind. Der Unterschied zu Norwegen wiederum ist da nicht allzu groß: 39,6 Prozent. Im Parlament in Oslo sitzen prozentual gesehen etwa dreimal so viele Frauen wie in dem Somalias.

In anderen Ländern sitzen überhaupt keine Frauen im Parlament: in Katar, dem Land der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, sowie in den Inselstaaten Tonga, Vanuatu und in den Föderierten Staaten von Mikronesien im Pazifischen Ozean. Noch ein überraschender Vergleich: In Norwegen ist der Anteil der Frauen im Parlament doppelt so hoch wie im US-Kongress.

Warum schneiden die USA so schlecht ab?

Die Vereinigten Staaten belegen bei diesem Mütter-Ranking nur den Platz 33, vor Litauen, Polen oder Kroatien. Im Vergleich zu anderen Industrieländern ist die Müttersterblichkeit in den USA zum Beispiel besonders hoch: Bei einer von 1800 Frauen hängt die Mutterschaft mit der Todesursache zusammen. (In China ist der Wert übrigens genauso hoch). Zum Vergleich: In Deutschland stirbt eine von 11 000 Müttern. In Österreich liegt die Sterblichkeitsrate bei 1 zu 19 200, in Israel bei 1 zu 17 400 und in Finnland sowie in Spanien: 1 zu 15 100. Spitzenplatz in dieser Kategorie belegt Weißrussland: Dort stirbt laut Rangliste lediglich eine von 45 200 Müttern.

In welchem Bereich ist die Kluft zwischen Arm und Reich besonders groß?

Drastisch sind die Unterschiede wiederum im Hinblick auf die Müttersterblichkeit: In Zentral- und Westafrika sterben 1:30 Frauen während der Geburt oder Schwangerschaft, in Südasien 1:90. In Industriestaaten liegt diese Quote 130-mal niedriger, nämlich bei 1:4000. „Die Kluft zwischen den Ländern ist enorm. Dies gilt besonders für die Slums der Metropolen. Das Überleben von Millionen von Kindern in den Städten darf nicht länger ein Privileg der Reichen sein, sondern muss ausnahmslos für alle Mädchen und Jungen weltweit gelten“, betont Kathrin Wieland, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland. In den Entwicklungsländern gibt es aber auch Positivbeispiele: Ländern wie Eritrea, Äthiopien, Malawi oder Tansania ist es gelungen, die Unter-5-Sterblichkeit drastisch zu reduzieren. In Eritrea liegt diese heute bei 5 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sterben 0,4 Prozent aller Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. Luxemburg hat diesbezüglich eine sehr niedrige Rate: 0,2 Prozent. Im Gesamt-Ranking liegt das Land jedoch auf Platz 21. Die skandinavischen Länder belegen zusammen die Spitzenplätze.