Rätselräume – Neue Abenteuerspielplätze für Erwachsene

Der Rätselmacher: Sebastian Hinkel lässt Journalisten verschwinden und brave Bürger von der Mafia gefangen nehmen
Der Rätselmacher: Sebastian Hinkel lässt Journalisten verschwinden und brave Bürger von der Mafia gefangen nehmen
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
„Live Escape Games“ gibt es nun auch im Ruhrgebiet: Ein Team muss sich in 60 Minuten aus einem Rätselraum befreien. Wir haben uns einsperren lassen.

Bochum..  Ein Journalist ist verschwunden. Seine Recherchen könnten Schlimmes im Ruhrgebiet verhindern. Aber wo hat er seine Unterlagen versteckt? An der Schublade seines Schreibtisches hängt ein Vorhängeschloss. Sind dort die geheimen Notizen? Wo fangen wir nur an zu suchen? Wir haben doch nur 60 Minuten Zeit!

Dieser Krimi ist der Fantasie entsprungen. Im Gegensatz zu einem Film sind wir jedoch mit Haut und Haaren dabei – und der Kopf ist noch mehr gefordert. Ich besuche mit Freunden – Lilly und Christian – einen Rätselraum. Ein Freizeitvergnügen, das in Asien verbreitet ist und immer mehr Städte in Europa erobert. Nun auch das Ruhrgebiet.

„Alleine ist das kaum zu schaffen“, sagt der Spielemacher Sebastian Hinkel. Der Maschinenbaustudent kam aus seinem Auslandssemester in Indonesien mit der Idee zurück, seine eigenen Rätselräume zu eröffnen. Der erste heißt: „Der verschwundene Journalist“. Nun lässt der 28-Jährige uns ebenfalls verschwinden. Er drückt Christian eine Uhr in die Hand, öffnet den Raum, und kaum haben wir ihn betreten, fällt die Tür hinter uns ins Schloss.

Wir sehen einen Stuhl, einen Schreibtisch, einen Eckschrank . . . „Ihr braucht keine Schränke zu verrücken“, hatte Hinkel zuvor gesagt. Aber: Reicht es, wenn wir nur oberflächlich in die Regale schauen? Oder müssen wir alle Bücher umdrehen? Wir öffnen Schubladen und Schränke, schauen unter Skulpturen und auf Bilder. Wie bekommen wir nur das Schloss am Schreibtisch auf? Wir suchen, diskutieren, kombinieren – und kommen kaum weiter.

Das grüne Telefon klingelt. Hinkel meldet sich: „Ihr solltet jetzt mal einen Joker einsetzen, Euch läuft die Zeit davon.“ Wir haben zwei Joker. Ziehen wir einen und halten ihn vor die Kamera, bekommen wir einen Tipp. Allerdings nicht umsonst. Der Hinweis kostet Zeit. Bei dem einen werden uns zwei Minuten abgezogen, beim anderen fünf. Aber wir sind in einer Sackgasse. Also ziehen wir den ersten Joker . . .

Mist, die Lösung war zum Greifen nahe! Anstatt den ersten Gedanken weiter zu verfolgen, haben wir ihn zu früh fallen gelassen. Das passiert uns nicht noch einmal! Also dranbleiben: Haben die Zahlen auf dem Foto an der Wand etwas zu bedeuten? Das führt zu nichts. Oder doch? Wir finden eine Zeitung vom 4. Oktober 1975. Ist das Datum ein versteckter Code? Nein, das kann nicht sein. Auf dem Blatt in der alten Schreibmaschine steht geschrieben: „Es braucht nicht immer Zahlen für ein Zahlenschloss“. Was braucht es dann?

So findet ein Team zusammen

Wir beratschlagen uns. (Lilly, die im wahren Leben mit Gruppen arbeitet, schwärmt später, wie das Spiel uns als Team arbeiten lässt.) Ist es sinnvoll, dass wir gleichzeitig den Schreibtisch absuchen oder sollten wir uns im Raum verteilen? Wie viel Zeit geben wir jeder neuen kleinen Entdeckung? Man ist es ja nicht mehr gewohnt, Frust auszuhalten, wo Antworten sekundenschnell ergoogelt sind.

Wir spielen zusammen und nicht gegeneinander, wie meist am Computer. Die Zeit ist der Gegner. Ich schaue auf die Uhr und rufe überrascht: „Oh, nein, wir haben nur noch 20 Minuten!“ Konzentriere dich, sagt meine innere Stimme. Ein Adrenalinschub schärft meine Sinne.

Und wieder hatte ich die Lösung – fast. Christian findet einen Schlüssel, den ich zuvor schon berührt hatte. Dann macht Lilly eine höchst überraschende Entdeckung, auf die wir zuvor niemals gekommen wären. . .

Um die Ecke denken

Nun geht alles ganz schnell. Wir haben verstanden, wie wir denken müssen. Um die Ecke. Nur so finden wir zusammen die Lösung des nächsten Rätsels. Wir stoßen auf ein Schloss, das wir in der Form – ohne Zahlen, nur mit Pfeilen – noch nie gesehen haben. Auch diesen Code finden wir heraus. Doch das Schloss lässt sich einfach nicht bewegen. „Lass mich mal!“ Und endlich, das nächste Versteck liegt vor uns.

Die Uhr schrillt. Die Tür öffnet sich von außen. Mist, wir haben es nicht geschafft. . . Zwei, drei Minuten – höchstens! Mehr haben uns zum Ziel nicht gefehlt. Das wurmt uns. Doch jetzt wollen wir es auch zu Ende bringen. Wir ermitteln die letzte Zahlenkombination – und die brisanten Unterlagen liegen in unseren Händen, samt Schlüssel für die Tür.

Bald ist die Mafia dran

In ein paar Wochen will Sebastian Hinkel einen weiteren Raum öffnen, der nicht so familientauglich ist wie der erste: Dann führt er in die Welt einer Mafia-Bande. Die Besucher sind deren Gefangene, die in 60 Minuten ihren Verfolgern entkommen müssen. Wir schlucken, als uns der Spielemacher die Startbedingungen verrät. Aber einmal angefangen zu rätseln, möchten wir am liebsten sogleich das nächste Abenteuer beginnen. Und so sind wir uns einig: „Wir lassen uns an die Heizung der Mafia ketten!“

Der Spielemacher plant weitere Rätsel – das Interview

Immer mehr Menschen lassen sich freiwillig in einen Raum einsperren. Was verrückt klingt, erfordert schlaue Köpfe: Denn sie versuchen, in 60 Minuten versteckte Botschaften zu entschlüsseln, um sich aus dem selbst gewählten Gefängnis zu befreien. Auch in Bochum gibt es nun die ersten interaktiven Spiele dieser Art. Ein Gespräch mit Sebastian Hinkel (28), dem Spielemacher von Rätselraum Ruhrpott.

Was erwartet die Besucher in Ihrem ersten Rätselraum?

Sie kommen in das Büro eines Journalisten, der verschwunden ist. Sie sollen seine Notizen finden, um Schlimmes zu verhindern. Dabei müssen sie querdenken, um das Geheimnis unter Zeitdruck zu lüften.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich war während eines Auslandssemesters in Indonesien. In Asien gibt es Rätselräume in jeder größeren Stadt. Den ersten Besuch habe ich geschenkt bekommen. Ich dachte, das mag ja was werden. Nach fünf Minuten war ich vom Rätselfieber angesteckt.

Sie studieren in Köln Maschinenbau, warum haben Sie Ihren Rätselraum in Bochum eröffnet?

Als ich das geplant habe, gab es im Ruhrgebiet noch keinen. Und Bochum ist ideal, mitten im Pott und das Bermudadreieck liegt direkt vor meiner Haustür. Die Leute treffen sich sonst im Kino oder in der Bar, der Rätselraum ist etwas ganz anderes.

Der Raum des Journalisten führt in eine Zeit, als man noch auf der Schreibmaschine getippt hat. Woher haben Sie die Einrichtungsgegenstände?

Mir ist es wichtig, dass die Räume authentisch aussehen, aber auch für das Rätsel passen. Ich achte darauf, alles nachhaltig und sozial zu betreiben, dabei wird 10 Prozent meines Gewinns gespendet. Den größten Teil der Einrichtung habe ich deshalb gebraucht über Kleinanzeigen gekauft.

Über eine Kamera beobachten Sie die Menschen in dem Raum, um ihnen Hinweise zu geben, wenn sie den Joker ziehen. Ist das nicht langweilig? Sie kennen die Lösung ja bereits.

Nein, ich fiebere ja mit. Wenn sie so kurz vor der Lösung sind, sie aber nicht finden, dann weiß man nicht, ob man weinen oder lachen soll.

Wie viele Menschen schaffen das denn in 60 Minuten?

Das wird sich zeigen. Bisher hält es sich ungefähr die Waage. Dabei finde ich es interessant, dass 4er-Teams nicht automatisch besser sind als 2er-Teams.

Planen Sie noch weitere Rätselräume?

Ja, Ende Juli will ich den nächsten eröffnen und ab Mitte August noch einen weiteren für die Hartgesottenen unter uns. Außerdem ist mit dem „Bochum-Bomber“ ein Rätsel draußen in Planung, wobei der erste Hinweis in eine Kneipe führt. Mehr will ich da noch gar nicht verraten.

Neben dem Rätselraum Ruhrpott gibt es in Bochum noch den Anbieter Locked

Der Rätselspaß in Essen: Artikel und Video.