Jedes zweite Produkt im Supermarkt enthält Palmöl

In Haltern wird auch ein Schulkraftwerk mit Palmöl betrieben - Verschwendung?
In Haltern wird auch ein Schulkraftwerk mit Palmöl betrieben - Verschwendung?
Foto: Lutz von Staegman/WAZ
Was wir bereits wissen
Warum für Margarine und Shampoo, Zahn- und Schokocreme der Regenwald weichen muss und wie man Waren mit Palmöl im Supermarkt erkennt.

Ein ganz normaler Morgen: Zähneputzen, duschen, Haare waschen. Beim Frühstück Margarine auf das Brot geschmiert und obendrauf Schokoladencreme – und schon hat man fünf Mal Produkte benutzt, die Palmöl enthalten können. Mindestens. Das Palmöl, dessen weltweiter Boom eine Erscheinung der letzten Jahrzehnte ist, kann nämlich viel. Problematisch ist nur, dass die Welt unglaubliche Mengen davon benötigt und den Anbauflächen immer mehr Regenwälder zum Opfer fallen.

Was ist Palmöl?

Die Ölpalme stammt ursprünglich aus den Regenwäldern Westafrikas. Sie wird dort seit Jahrhunderten als Nahrungs- und Heilmittel geschätzt. Erst vor 200 Jahren brachten Seefahrer erste Samen nach Mittelamerika, etwas später auch nach Indonesien. Die Ölpalme braucht viel Licht, eine lockere Erde und ausreichend Wasser sowie eine Temperatur von rund 25 Grad. Die Pflanze kann bis zu 120 Jahre alt werden. Nach etwa drei Jahren trägt eine junge Palme die ersten Früchte. Rund 15 Fruchtstände bildet sie dann jährlich aus, an denen die Früchte dicht an dicht hängen.

Lebensmittel Wenn die ersten Früchte herunterfallen, ist das ein Zeichen für die Reife. Die Fruchtstände werden geerntet und müssen binnen 24 Stunden verarbeitet werden. Das Palmöl wird aus den Früchten gewonnen, indem diese ausgepresst werden. Wegen seines hohen Karotin-Gehaltes ist das Rohöl orangefarben. Erst die Raffination macht das Öl klar und hell. Das Besondere: Palmöl schmilzt erst ab 27 Grad. Ähnlich verhält es sich mit dem Palmkernöl, das aus den Kernen der Ölfrüchte gewonnen wird. Es gehört zu den festen Pflanzenfetten, schmilzt ab 23 Grad.

Wofür wird Palmöl genutzt?

Die größte Menge des weltweit produzierten Palmöls gelangt noch immer in die Lebensmittelproduktion. Seines Kühleffektes wegen ist Palmkernöl ein guter Rohstoff für Kakaoglasuren oder Eiskonfekt. Palmöl selbst ist in unzähligen Lebensmitteln vorhanden, allen voran in der Margarine. Da es ein festes Öl ist, spart sich die Industrie die Härtung des verwendeten Pflanzenöls – ein Prozess, der zu schädlichen Substanzen führt. Aber auch in Schokocremes, Weingummis, salzigen Snacks, Tütensuppen, löslichen Cappuccini und Frühstücksflocken ist Palmöl enthalten. Neuesten Schätzungen nach enthält rund die Hälfte aller Supermarktprodukte Palmöl. Zudem findet es in der Kosmetikindustrie Verwendung, in Hygieneartikeln, in Plastik, Kerzen, industriellen Prozessen und nicht zuletzt ist es der „ökologische“ Bestandteil im Bio-Diesel.

Wo wird Palmöl produziert?

In dieser Frage steckt des Pudels Kern. Die weltweite Nachfrage an Palmöl steigt. Viele Länder wittern hier das große Geld. Da die Ölpalme jedoch in tropischen Regionen wächst, tritt sie mehr und mehr in Flächenkonkurrenz zum Regenwald. Hektar und Hektar wurden bereits in Indonesien abgeholzt, oftmals sogar durch Brandrodung vernichtet. Ein Vorgang, der die Ökobilanz der Pflanze nachhaltig beeinflusst.

Bakterien Denn nicht nur, dass der Plantagen wegen die grüne Lunge der Erde zerstört wird und damit die Lebensräume einzigartiger Tiere und Pflanzen, nicht selten stehen Regenwälder auf Torfböden. Hier sind große Mengen Kohlenstoff gespeichert, der beim schnellen Trocknen der Torfböden als Kohlendioxid freigesetzt wird und den Klimawandel „befeuert“. Zudem entweichen aus einem Absetzbecken einer normalen Palmölplantage pro Jahr über 3000 Tonnen Methan, ein noch schlimmeres Treibhausgas. Das alles hat aus dem früher beschaulichen Indonesien einen der größten Klimaschädlinge gemacht. Die immer noch verbreitete Brandrodung tut ihr Übriges. Dabei ist es geradezu unvorstellbar, was hier geschieht. Erinnert man sich an die Kampagnen gegen den Einsatz von Tropenholz zum Schutz des Regenwaldes, scheint es absurd, dass diese Hölzer nun gar verbrannt werden, während sich heute die internationale Empörung in Grenzen hält.

Gibt es „gutes“ Palmöl?

Palmöl ist ein wertvolles Lebensmittel. Schon ein Esslöffel hiervon deckt den Tagesbedarf an Vitamin A, Betakarotin und Vitamin E. Insofern gilt es nicht, das Produkt zu verteufeln. Sicher muss die Frage erlaubt sein, ob ein solch hochwertiges Lebensmittel geeignet ist, es im Motor eines schicken Stadtflitzers zu verbrennen, wichtig aber ist in jedem Fall die Art des Anbaus. Durch eine Initiative des WWF gibt es mittlerweile ein Siegel für Palmöl. Darauf jedoch ist kein Verlass, denn nahezu gleichzeitig entstand die Möglichkeit, über einen Zertifikathandel, ähnlich dem Emissionenhandel, nicht nachhaltig produziertes Öl später doch noch zu zertifizieren.

Was kann man als Verbraucher tun?

Das politische Engagement ist hier das mit der größten Strahlkraft. Umweltorganisationen wie „Greenpeace“ oder „Rettet den Regenwald“ wenden sich immer wieder mit Petitionen gegen die Abholzung des Regenwaldes. Diese kann man selbst unterschreiben und auch Unterschriften sammeln. Zudem versuchen viele Organisationen, Regenwälder durch Flächenankauf zu schützen. Der Verzicht auf Palmöl ist eine Gewissensfrage. Wer Palmöl meiden will, sollte um Bio-Diesel einen Bogen machen. Im Dezember vergangenen Jahres ist ein Erlass der EU in Kraft getreten, der die Kennzeichnung von Produkten vorschreibt. Vorher war es zulässig, Palmöl als Pflanzenfett zu deklarieren. Heute muss tatsächlich „Palmöl“ auf dem Etikett stehen.