Exklusive Zirkel, die ungefährlich sind

Berühmter Duide und mächtiger Mann: Winston Churchill während des Zweiten Weltkriegs.
Berühmter Duide und mächtiger Mann: Winston Churchill während des Zweiten Weltkriegs.
Foto: imago/United Archives International
Was wir bereits wissen
Frank Jacob ist Historiker und Autor eines Buches über Geheimgesellschaften. Angst muss man vor diesen Zirkeln nicht haben, sagt der Experte im Interview.

Essen.. Herr Jacob, warum machen Menschen bei Geheimgesellschaften mit?

Frank Jacob: Zum einen fühlen sich die Aspiranten von der Exklusivität des Geheimnisses angezogen, nicht selten bieten Geheimgesellschaften aber auch eine Parallelwelt an, in der sich ungezwungener, abseits von Standes- oder Religionsgrenzen, ausgetauscht werden kann. Sicher gibt es auch die, die sich einen persönlichen Vorteil von einer Mitgliedschaft – zum Beispiel ein Netzwerk – erhoffen.

Muss man Angst vor Geheimgesellschaften haben?

Jacob: Die meisten Gesellschaften, von denen wir wissen, waren nie wirklich gefährlich oder so einflussreich, dass sie den Lauf der Geschichte hätten verändern können. Oft werden aus Koinzidenzen, zum Beispiel Mitgliedschaften von Politikern, Verschwörungstheorien konstruiert. Dabei gilt: Je größer die Lüge, umso wahrscheinlicher, dass Menschen sie glauben. Geheimgesellschaften sind sicherlich keine Gruppen, die auf einen gewaltsamen Systemwandel hinarbeiten, wobei man jedoch zwischen der Geheimgesellschaft als solcher und zum Beispiel dem Terrorismus, dessen Vertreter ebenfalls im Geheimen agieren, unterscheiden muss.

Gibt es Parallelen zur Religion?

Jacob: Dass die Freimaurer eng mit christlichen Werten verbunden sind und mit dem „Großen Baumeister“ ebenfalls eine transzendente Vorstellung vertreten, ist mit deren Entstehungsgeschichte verbunden, die mit der Forderung religiöser Toleranz verbunden war. Die Riten der Maurerei bieten aber ebenfalls eine Liturgie, eine Art religiöse Ersatzhandlung an, durch die dem Mitglied ein gewisses Ordnungs-, Gemeinschafts- bzw. Vertrautheitsgefühl vermittelt wird.

Wie werden Geheimgesellschaften in der Gesellschaft wahrgenommen und bewertet?

Jacob: Da eine Geheimgesellschaft geheim ist, kennen wir nur „relative Geheimgesellschaften“, also solche, über die Wissen bekannt wurde. Ob es aktuell Gesellschaften gibt, von denen wir nicht wissen? Vermutlich, da diese Organisationsform ein Teil der menschlichen Geschichte ist.

  • Weiterlesen: Frank Jacob – Geheimgesellschaften. Kohlhammer, 260 S., 30 Euro