Ein Blick in die Logen der Druiden und Freimaurer

Mit Schwert, Winkel und Zylinder: Detlev Lachmann steht der Dortmunder Johannisloge Reinoldus zur Pfingsttreue der Freimaurer vor.
Mit Schwert, Winkel und Zylinder: Detlev Lachmann steht der Dortmunder Johannisloge Reinoldus zur Pfingsttreue der Freimaurer vor.
Foto: Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Seit Jahrhunderten bleiben geheime Gesellschaften wie Druiden und Freimaurer unter sich. Wir sprachen mit ein paar ihrer Mitglieder.

Dortmund/Essen.. „Die namenlosen Werkleute, deren Meißel diese Formen geschaffen hatten, mussten schöpferische Männer mit umfassendem Weitblick gewesen sein.“
(C.S. Forester: „Lord Hornblower“ beim Betrachten einer Kathedrale)

Der Logenmeister lässt sich in einen tiefen, braunen Ledersessel fallen, der mit weiteren Sesseln einen Sitzkreis bildet. Mitten in diesem Rund steht ein Tisch, und in der Mitte des Tisches steckt – ein Schwert. Der glänzende Griff der Waffe ragt heraus und ein Teil der Klinge. Warum steckt hier ein Schwert im Tisch? Diese Frage führt schon tief hinein in die Symbolik der Freimaurer. „Erstens, weil der Griff die Form des Kreuzes hat“, sagt Detlev Lachmann, Vorsitzender Meister der christlich geprägten Loge „Reinoldus zur Pflichttreue“ in Dortmund. „Zweitens, weil Freimaurer danach streben, Ritter zu sein.“ Das allerdings nur im übertragenen Sinne. Der Freimaurer will keine Waffe schwingen, sondern ein ritterlicher Mensch sein.

Mitten im Ruhrgebiet gibt es Männer, die sich in „Logen“ organisieren. Die – zumindest beizeiten in ihren „Tempeln“ und „Innenräumen“ – abseits der Öffentlichkeit alte Rituale pflegen; die sich helfen und verschwiegen sind; die Brüder sein wollen ein Leben lang.

Man nennt sie „Geheimgesellschaften“: die Freimauer- oder die Druiden-Logen. Herrscher wie Cromwell oder Bonaparte, Diktatoren wie Hitler, Stalin oder Franco oder auch Erich Honecker haben solche Gesellschaften verboten. Selbst Demokraten sind sie nicht geheuer. Man munkelt, Geheimnis und Gefahr seien enge Verwandte. Welt-Bestseller wie Dan Browns „Sakrileg“ rund um Bruderschaften und Tempelritter befeuern die Vorstellung von mächtigen geheimen Zirkeln. Aber wie sind sie wirklich, die Geheimnisvollen? Wie haben sie besucht.

Worum geht es den Logen?

Ganz schlicht gesagt: um eine Vertrauens-Gemeinschaft. Das alte Dumas’sche Musketier-Motto „Einer für alle, alle für einen“ trifft es ganz gut. „Wir sind Brüder“, sagt Heinz Dörendahl (64), Vorsitzender des Druidenordens „Schwarzer Diamant“ in Essen, über seine 25 Mitstreiter. „Bruder“, das ist mehr als „Freund“. Vielleicht – in diesen Kreisen – sogar mehr als ein leiblicher Bruder. „Vertrauliches bleibt unter uns“, so Dörendahl. Das ist bei den Freimaurern im Prinzip genauso. „Menschen brauchen einen Raum, in dem sie angstfrei mit Gleichgesinnten an sich arbeiten und Sorgen außen vor lassen können“, sagt Detlev Lachmann.

Geheimlogen „Die ,Brüder’, bauen untereinander ein tiefes Vertrauensverhältnis auf. Was in der Loge besprochen wird, das bleibt auch dort. Die Mitgliedschaft bei den Freimaurern ist auf Lebenszeit ausgerichtet, bietet Rückhalt und Orientierung.“ (Matthias Pöhlmann, Experte für Weltanschauungsfragen der Ev. Kirche)

Über die Brüderlichkeit hinaus gibt es weitere Ziele. Die Freimaurer kommen aus der Tradition der mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften. „Lodge“ (Loge) heißt Bauhütte. Und viele Symbole der „Maurer“ wie Winkelmaß und Zirkel erinnern an diese Ursprünge. „Der Mensch ist wie ein rauer Stein, den es zu bearbeiten gilt“, meint Lachmann.

Die Druiden berufen sich auf Merlin

Die Druiden sehen sich hingegen in der Tradition keltischer Naturgelehrter. „Unsere Ideale sind wie die Sterne: unerreichbar, aber hilfreich bei der Orientierung.“ Regelmäßig zitiert werden die sieben Lehren des sagenhaften Druidens Merlin. Sie sind kein Zauber-Kult, sondern eher eine „Gebrauchsanweisung“ für ein anständiges Leben: Bilde dich, meide das Laster, ertrage des Lebens Übel . . .

„Die Freimaurer glauben an ein höheres Wesen, die Rede ist vom ,großen Baumeister aller Welten’. Ob dieser Schöpfer Einfluss auf das aktuelle Weltgeschehen nimmt, lassen sie offen. Christliche Symbole wie die Bibel treten an verschiedenen Stellen in Erscheinung. Es heißt, wer stirbt, geht ,in den ewigen Osten’, dem Licht entgegen. Ansonsten halten sich die Freimaurer in religiösen Themen sehr bedeckt.“ (Matthias Pöhlmann)

Was geht gar nicht?

Bei Freimaurern und bei den Druiden gilt: Religion und Politik sind absolut tabu. Weltanschauung und Glauben bleiben Privatsache. Allerdings: „Scientology-Leute und Zeugen Jehovas dürfen bei uns grundsätzlich nicht mitmachen“, sagt Lachmann.

Titel, Ämter, Auszeichnungen aus dem Leben „draußen“ zählen in der Loge nicht einen Cent. Eine Rangordnung (Grade) gibt es bei den Freimaurern dennoch.

Wer es sich mit den Druiden nachhaltig verscherzen möchte, der fragt sie nach „Miraculix“ und Zaubertrankmischereien. „Beim dem Vergleich mit Asterix und Obelix sträuben sich uns die Nackenhaare“, sagen sie. Gelehrsamkeit und Naturverbundenheit streben die Druiden an. Sie sehen sich in der Tradition der Aufklärung, nicht als Verkünder einer heidnischen Religion.

Wie kommt man in diese Gesellschaften herein?

Bei den Druiden ist das recht unkompliziert. „Entweder man passt zueinander oder nicht“, sagt Dörendahl. Die Essener Gesellschaft ist klein geworden, sie wirbt daher aktiv um Mitglieder. „Basisdemokratisch“ seien sie, mit flacher Hierarchie.

Verschlossener geht es bei den Freimaurern zu. „Das ist nicht so einfach wie in einem Sportverein“, erklärt der Dortmunder Logen-Meister. Der Erstkontakt erfolgt auf Antrag außerhalb des Logenhauses, jeder Neue bekommt zwei „Paten“ als Begleiter, die Kennenlernphase dauert mindestens ein Jahr. Die hohen Hürden kann man auch damit erklären, dass ein Freimaurer sich auf seine Brüder verlassen können muss. Auch und gerade in Krisenzeiten. „Wer strandet, dem wird geholfen.“

Wie geheim sind die Gesellschaften?

Nicht annähernd so geheim, wie man vermuten könnte. Lachmann: „Alle meine Freunde wissen, dass ich Freimaurer bin. Aber es gibt auch Brüder, die das nicht offen sagen. Sie sind vorsichtig wegen der schmerzlichen Erfahrungen aus der Nazi- und SED-Zeit.“ Bei den meisten Aktivitäten von Freimaurern und Druiden – Vorträge, Diskussionen, Feste – sind Gäste und natürlich auch die Partnerinnen willkommen.

Männer, die unter sich bleiben wollen

Dennoch gibt es in jeder Loge einen Raum, der eben bei manchen Treffen nicht für Außenstehende geöffnet ist. Einen „Tempel“ (Freimaurer) oder „Logenhain“ (Druiden), der an einen kirchlichen Altarraum erinnert. Heinz Dörendahl, Heinz Vogel und Bernd Gutte aus der Loge „Schwarzer Diamant“ in Essen gewähren einen Einblick in diesen Innenraum voller Symbole. Eine Sichel liegt dort, ein Mistelzweig, und der Siebenstern ist zu sehen. An einer Wand hängen die Fotos verstorbener Brüder. „Hier wird, nach einem kurzen Ritual (zu den Lehren Merlins), Persönliches besprochen und zum Beispiel ein Vortrag gehalten.“

Wieso sind die Männer unter sich?

Man kann es drehen und wenden, aber diese Gesellschaften sind und bleiben vorwiegend männlich. Frauen, so heißt es, dürfen an den meisten Veranstaltungen teilnehmen. Sie dürften sogar eigene Logen und Orden gründen. Aber sie sind noch nicht „auf Augenhöhe“. Ein Freimaurer gibt sich alle Mühe, diese Haltung philosophisch und historisch zu begründen. Schon in den „Alten Pflichten“ der Ersten Großloge von 1723 steht, dass Frauen nicht zu den Mitgliedern zählen können. Für Freimaurer Lachmann ist diese Trennung in Stein gemeißelt: „Wir sind 300 Jahren ohne Frauen ausgekommen, und wir werden noch 300 Jahre ohne sie auskommen.“

Dass Männer hier lieber unter sich bleiben, hat, so versichern sie, noch einen Grund: „Wenn auch nur eine Frau dabei ist, benehmen sich Männer gleich anders. Sie sind dann nicht mehr unbefangen“, versichern Freimaurer und Druiden.

Die Männerbastion Loge scheint indes leicht ins Wanken zu geraten: „Frauen dürfen eigene Logen gründen. Die Nachfrage von Frauen wird größer, ihnen bietet sich hier eine neue Form von Geselligkeit und Diskussion. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 500 weibliche Freimaurer.“ (Matthias Pöhlmann)

Wie zeitgemäß sind diese Gesellschaften?

Wenn man sie selbst fragt: voll auf der Höhe der Zeit. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit kommen ja nicht aus der Mode.

„Reifer könnte die Zeit für uns nicht sein“, sagen die Essener Druiden und meinen ihre alten Tugenden: Nächstenliebe, Toleranz, Schutz der Menschenrechte. Die Dortmunder Freimaurer erinnern daran, dass nach den Anschlägen von Paris ihr berühmter Bruder Voltaire zitiert wurde: „Ich bin zwar nicht eurer Meinung – aber ich werde darum kämpfen, dass ihr sie äußern dürft.“

„Die Freimaurerei entstand in der frühen Neuzeit und fühlt sich den Werten der Aufklärung verbunden. Damit waren sie damals im Denken gewiss fortschrittlich. Im Laufe der Jahrhunderte haben die Logen sich an die modernen Zeiten angepasst, ohne ihre grundlegenden Werte zu vergessen. Der Historiker Dieter A. Binder spricht bei den zeitgenössischen Freimaurern von einer ,Erziehung zum Gentleman’. Das trifft es ganz gut.“ (Matthias Pöhlmann)