Drohnen - Was die fliegenden Augen am Himmel alles können

Christian Langenkamp bereitet seinen Octocopter für den Flug vor
Christian Langenkamp bereitet seinen Octocopter für den Flug vor
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Heiß diskutiert, immer alltäglicher: Flugdrohnen. Wir waren unterwegs mit Profi Christian Langenkamp, der Filme dreht und sogar Waldflächen vermisst.

Duisburg.. Wenn das schwarze Fluggerät mit seinen acht, teils blau und rot beleuchteten Armen und den rasend rotierenden Propellern plötzlich auf Augenhöhe vor einem schwebt, wenn man ihm tief in die Linse schaut, und wenn es summt wie ein ganzer Bienenschwarm, dann darf man sich ein bisschen fühlen wie bei einer Invasion der Außerirdischen.

Aber keine Angst, das Ding will nur gucken! Und wir schauten ihm dabei zu.

Unfall Der Duisburger Innenhafen. Der Wind weht beinahe stürmisch mit mehr als 60 Stundenkilometern über die Wasserfläche. Christian Langenkamp, Chefpilot beim einheimischen Unternehmen videodrohne.tv, steht auf einer Brücke an der Wasserseite der Küppersmühle. Er hat seine Drohne mit der Funkfernsteuerung fast perfekt im Griff. Nur fast, weil die heftigen Sommerböen sie heute ganz leicht schwanken lassen. Der Mann an den empfindlichen Hebelchen hat an dieser Stelle schon unter einfacheren Bedingungen gearbeitet, etwa als er für ein Videoprojekt von Studenten der TU Dortmund einem Schauspieler auf seinem eiligen Weg zur Arbeit über die Promenade des Innenhafens folgte. Doch auch so ein bisschen Wetter kann Langenkamp nicht aus der Ruhe bringen. Fix rast der Octocopter, der wegen seiner acht Rotorarme so heißt, durch die Luft, über die aufgewühlte Wasserfläche.

Ein Multitool am Himmel

Flugdrohnen werden heißt diskutiert, und sind im militärischen wie privaten Einsatz umstritten. Zudem vergehen kaum ein paar Tage, ohne dass man verrückte Drohnen-Meldungen liest: Pizza, Bier oder Bücher sollen irgendwann per Luftfracht ins Heim kommen. In China setzen sie Drohnen zur Überwachung von Studenten bei Uni-Prüfungen ein. Langenkamp kennt die Debatten. „Ich würde mir wünschen, dass man Drohnen ganz ohne Vorbehalt als Multitool am Himmel ansieht“, sagt er.

Er selbst ist über die Immobilienbranche ans fliegende Auge gekommen. Seine Ehefrau Heike Langenkamp, die heute Geschäftsinhaberin von videodrohne.tv ist, kommt aus der Branche und brauchte Luftaufnahmen von Gebäuden. Er hingegen hat sich schon immer für Modellbau interessiert, bastelte auch an Modellhubschraubern – und machte folgerichtig 2011 den Schritt zum professionellen Drohnenflieger. Daraus ergab sich schnell ein viel weiteres Feld an Aufgaben: Um etwa Schäden an hohen Bauwerken wie der Ruhrtalbrücke zu dokumentieren, lassen sich die Drohnen ideal einsetzen – und machen damit überflüssig, dass ein Gutachter sich selbst in luftige Höhen begibt. „Wir stellen damit die Steiger in den Schatten“, sagt Langenkamp. Das Bildmaterial wird von Vollformat-Kameras aufgenommen, die auch noch die letzten Details erkennen lassen. Langenkamp hat jederzeit die Kontrolle über das Auge der Kamera, er sieht die Bilder an seinem sogenannten First-Person-View-Monitor, der die Aufnahmen live an seinen Standort übermittelt.

Über den Wipfeln surrt es

Wer kreativ mit seinen Drohnen umzugehen weiß, kann heute noch viele neue Geschäftsfelder auftun. Als vor einem Jahr der Pfingststurm Ela wütete, waren die Folgen für alle sichtbar: Entwurzelte Bäume, Kahlschlag auf gewaltigen Waldflächen, ein Desaster. Aber wie groß war der Schaden genau? Und was tut ein Waldbesitzer wie der Regionalverband Ruhr, um seine Schäden zu beziffern und zu lokalisieren? Soll er Heere von Vermessern in die Wälder schicken und Wochen und Monate warten, bis die Meldungen vollständig eingesammelt sind? Da rief man lieber bei Langenkamp an. Er konnte mit seiner Drohne über die Wipfel steigen, immer auf derselben Höhe, und durch Luftaufnahmen genau belegen, an welchen Stellen wie viel Schaden entstanden war. „Wir haben auf diese Weise mehrere hundert Hektar Wald vermessen“, sagt Langenkamp. Tausende einzelner Fotoaufnahmen konnten am Rechner zu einem aussagekräftigen Gesamtbild montiert werden.

Viele denken heute an Drohneneinsätze

Solche Einsätze können natürlich nicht von einem einzigen Piloten absolviert werden. Mittlerweile hat videodrohne.tv vier Piloten im Einsatz, die zu ihren Aufträgen auch einen Techniker dabei haben – so dass die Flüge schnell absolviert werden können.

Noch staunt oder fremdelt mancher Passant, wenn die Drohne neben ihm schwebt. Man sieht dem Gerät, für dessen Einsatz es eine Litanei von Regeln und Vorschriften zu beachten gilt, seine Absichten ja nicht an. Auch der private Einsatz der Drohnen führt dazu, dass sich immer mehr Menschen daran gewöhnen, die surrenden Flieger im Stadtbild zu entdecken. „Mittlerweile denken viele Menschen in den Firmen an Drohneneinsätze, die vor Jahren keinen Gedanken daran verschwendet hätten“, sagt Langenkamp.

Einer der nächsten Aufträge könnte den Duisburger nach Ägypten bringen. Dort wären dann 17 Hotels für einen Werbefilm abzufliegen. Was im ersten Moment nach Abenteuerurlaub klingt. Aber jeder, der schon einmal Filme geschnitten hat, weiß genau: Das ist richtige Arbeit. In einer Branche, die immer weiter wächst.