Die Stolpersteine auf dem Weg zum eigenen Traumberuf

Der Traumberuf ist bei jedem Menschen ein anderer. Manchmal scheitert der Weg dorthin daran, dass man nicht alle Möglichkeiten kennt.
Der Traumberuf ist bei jedem Menschen ein anderer. Manchmal scheitert der Weg dorthin daran, dass man nicht alle Möglichkeiten kennt.
Foto: imago stock&people
Coach Johannes Wilbert aus Wetter berät Menschen auf der Suche nach dem Beruf ihrer Träume. Und wie sie mitten im Berufsleben wieder anfangen zu träumen.

Wetter.. Ein kleiner Junge möchte vielleicht Feuerwehrmann werden. Als Teenager wünscht er sich ein Leben als Rockstar. Und wenn die ersten Rechnungen bezahlt werden müssen, heißt sein Ziel: Manager. Ein Gespräch mit Johannes Wilbert, der in seinem „Institut zur Berufswahl“ Menschen im Ruhrgebiet berät – auf der Suche nach ihrem Traumjob.

Wenn jemand zu Ihnen kommt und sagt, er möchte Schauspieler werden. Was antworten Sie ihm?

Wilbert: Wenn jemand so etwas benennt, ist das schon toll. Die meisten, die zu mir kommen, haben gar keine Ahnung, wo die Reise hingehen könnte. Ich versuche, hinter den „Vorhang“ zu schauen. Wenn jemand Schauspieler werden möchte, hat er ein gewisses Bild von diesem Beruf. In der Psychologie spricht man von Motivbildern. Es ist zunächst wichtig herauszufinden, was treibt diesen Menschen da an, warum möchte er Schauspieler werden.

Welcher Antrieb könnte das sein?

Beim Schauspieler könnte das Motivbild „Status und Anerkennung“ sein. Aber auch „Kommunikation“. Oder das Motivbild, sich verstärkt kreativ auszudrücken.

Das kann man als Schauspieler, aber auch in anderen Berufen.

Exakt. Es kann sein, dass er nur sieben Berufe kennt und deshalb den des Schauspielers wählt. Anfangs frage ich immer nach Hobbys. Die eigenen Interessen sind so immanent wichtig. Vielen ist gar nicht bewusst, was sie alles für Interessen haben.

Und wie finden Sie dann den wahren Traumberuf für diesen Menschen?

Wir durchlaufen mehrere Phasen. Die erste Stufe heißt: Was habe ich für Bedürfnisse? In diesem Wort steckt das Wort „dürfen“. Woran darf ich Spaß haben? Auf der nächsten Stufe geht es um das „Können“. In den Bedürfnissen stecken nämlich nicht nur die Motivbilder, sondern auch die Fähigkeiten. Ich habe festgestellt, dass jeder Mensch den Wunsch hat, sich und etwas auszudrücken. Und jeder Mensch möchte gebraucht werden. Und aus diesen beiden Elementen, wenn sie sich vereinen, entsteht wirklich ein Traumberuf. Aber nur, wenn ich das gebe, was ich wirklich kann, und wenn ich merke, es wird gebraucht. Nur dann kann das Glück entstehen.

Bis es aber soweit ist, kann der Weg lang und verwirrend sein. Wie zeigen Sie Perspektiven auf?

Ich versuche im Gespräch herauszufinden, wofür sein Herz schlägt. Ihm wird nach und nach viel über sich selbst bewusst, was seine Interessen sind, was er kann. So entsteht Selbstbewusstsein. Das ist die Voraussetzung für die nächste Stufe: das Wollen. Und das Wollen ist nur möglich in der Kombination von Können und Gebrauchtsein. Wo könnte das gebraucht werden, was dieser Mensch mitbringt? Und dann ergibt sich das Feld der Möglichkeiten.

Am Ende kann ja trotzdem noch der Wunsch stehen, Schauspieler zu werden. Und die Eltern sagen: „Lern’ doch erst mal ‘was Anständiges!“

Somit kommen wir zum vierten Aspekt, dem Gegenteil vom Wollen: das Sollen. Die Fremdbestimmtheit. Was ist wirklich meins? Und was nur der Wunsch anderer? Eltern neigen dazu, von Wegen abzuraten, die sie nicht kennen. Es gibt 320 Ausbildungsberufe, aber wie viele davon kennt jeder? Gleichzeitig möchten Jugendliche in solchen Momenten, obwohl sie eigentlich selbst eine Entscheidung treffen müssen, auf ihre Eltern zurückgreifen, die mehr Lebenserfahrung haben. Aber die haben in diesem Bereich eigentlich auch wenig kennen gelernt. Sie kommen aus einer Zeit, in der die Leute selten ihren Beruf gewechselt haben. Das ist heute anders. Und so greift man zurück, auf das, was man kennt. Der Vater ist Arzt, der Sohn wird Arzt. Die Mutter ist Lehrerin, die Tochter wird Lehrerin. Das sind aber eigentlich nur Reflexe.

Wo stehen sich die Menschen noch selbst im Wege?

Ein allzu großes Sicherheitsbedürfnis steht an oberster Stelle der Stolpersteine. Oder auch „Status und Anerkennung“. Wenn jemand nur deshalb auf die Bühne will, wird er abhängig von der Anerkennung anderer. Leute werden Manager, weil sie denken, da habe ich Status und Geld. Geld ist auch ein wichtiges Motiv. Die Leute sagen dann zum Beispiel, ich werde Ingenieur, die werden gebraucht und damit kann man gut verdienen. Sie beschäftigen sich nicht mit dem Inhalt, der da gefordert wird. Sie fangen an und merken, sie können das gar nicht. Und dann werden sie auch nicht gebraucht.

Es gibt Menschen, die dürfen, können und wollen ihren Traumberuf ausüben und erleben im Alltag einen Alptraum . . .

Sagen wir mal, ich habe ein Theaterprojekt in der Schule gemacht und fand das toll. Ich mache weiter und merke später, ich bin ganz anderen Dingen ausgesetzt. Ich habe vielleicht einen Regisseur, mit dem ich überhaupt nicht klarkomme. Dabei war das Beziehungsverhältnis zum Lehrer in diesem Theaterprojekt doch so toll, die emotionale Bindung so stark und förderlich. Aber wir haben alle Stärken und Schwächen. Auch ein Regisseur, der etwa ungeduldig ist. Der Pädagoge vorher war vielleicht sehr geduldig. Und plötzlich wird es anders und der Traumberuf entwickelt sich zu einem Alptraum.

Wie können solche Menschen wieder in ihrem Berufsleben träumen?

Indem sie mutig sind, über ihre Gewohnheiten springen, mit anderen sprechen. Vielleicht nehme ich den falschen Platz im Unternehmen ein, vielleicht wäre eine andere Stelle in der Firma für mich besser? Aber der Personalleiter weiß es gar nicht, weil er mich nicht so gut kennt. Manchmal ist es gut, in eine andere Umgebung zu kommen, weil ich mich dort viel besser entfalten kann. Aber manchmal kann man auch etwas an seinem Arbeitsplatz verändern, ohne dass man ihn verlassen muss.

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