Die rostige Rebellion der wackeren Verbene

Mit Freude entdeckt: zarter Verbenensproß
Mit Freude entdeckt: zarter Verbenensproß
Foto: Jens Dirksen
Was wir bereits wissen
„Meist nicht winterhart“, hatte mich meine Gärtnerbibel gewarnt, aber ich wollte es mal selbst ausprobiert haben, ob das stimmt, bei der Verbene.

Niederrhein..  Normalerweise versuche ich ja, so weit wie möglich ohne einjährige Pflanzen auszukommen. Oder eben Einjährige über den Winter zu bringen. Damit man nicht jedes Frühjahr aufs Neue sein halbes Bankkonto zur Gärtnerei tragen muss.

Und im letzten Jahr war die geschenkte Verbene (1000 Dank noch mal, Marion!) tiptop übern Winter gekommen, sie wurde nicht mal braun, sondern schwang ihre langen Vierkant-Stängel fast noch grasgrün durch den Februarwind. Aber in diesem Winter hat es sie erwischt, ab Dezember wurde das Eisenkraut rostig und vertrocknete. Ausgerechnet! In diesem Winter, der doch nur eine Schrumpfversion der gärtnerischen Temperaturmassaker der Jahre 2012 und 2013 war! Und der nicht mal mit bösen Spätfrösten überraschte wie noch das Vorjahr!

Das Grün nimmt sich die ein oder andere Freiheit

Ist das nicht verrückt? Unlogisch, widersinnig, völlig unzuverlässig? Ja, ist es. Aber wenn wir ehrlich sind, suchen wir auch das im Garten. Er ist eben kein Maschinenpark im Grünen! Wenn da stets alles nach Plan ginge, bräuchte man keine Gärtner, sondern botanische Brigadeführer, ergänzt um eine Stängel-Stasi. Nein, dass sich das Grün hin und wieder die ein oder andere Freiheit nimmt, ist ein überaus belebendes Moment in unser aller Heckenhausen. Gerade in Barockgärten würde man den einen Buchsbaum-Ast, der sich beim Wachsen mal so richtig Zwischengas gegeben hat, am liebsten küssen für seine leise Rebellion – wenn Buchs nur nicht diesen schrecklichen Mundgeruch hätte!

In der Wurzel überlebt

Tja, Widerstandsromantik schön und gut, aber das brachte mir mein Eisenkraut ja auch nicht wieder zurück. Vielleicht sollte man es gegen ein Edelstahlkraut eintauschen, dachte ich noch und beschloss, das Rostkraut stehen zu lassen, bis ich einen Ersatz mit deutlich höherer Lebenserwartung gefunden haben würde.

Und siehe da: Irgendwann Mitte Mai erspähte ich einen ersten grünen Punkt am Stängelgraubraun! Aus dem Punkt wurde ein Blattansatz, aus dem Ansatz ein Blatt und aus dem Blatt ein Spross! Die Verbene hatte überlebt! In der Wurzel.

Vielleicht sollte man nicht nur im Garten vor allem Geduld haben mit Rebellionen.