Der Kölner Karneval lachte sich zunächst in Dortmund warm

„Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia“:Die „Lachende“ 1974 mit Höhner-Sänger Peter Werner auf der Bühne.
„Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia“:Die „Lachende“ 1974 mit Höhner-Sänger Peter Werner auf der Bühne.
Foto: Hofner
Was wir bereits wissen
Kölns größte Sitzung startete einst in Dortmunds Westfalenhalle - und geht nun in die 50. Session. Man darf sein Schnittchen selbst mitbringen.

Köln.. „Mach doch mal in Köln Karneval!“ Als Otto Hofner diesen Satz Anfang der ‘60er Jahre hört, antwortet er spontan: „Das ist doch Blödsinn!“ Dem Mann, der zehn Jahre zuvor von München ins Rheinland gezogen ist, wo er Konzerte und Tourneen mit Stars wie Marika Rökk, Zarah Leander und Johannes Heesters veranstaltet, kommt das vor, als hätte man ihm vorgeschlagen, Eulen nach Athen zu tragen.

Hängen bleibt die Idee trotzdem. 1963/64 testet Hofner in der Dortmunder Westfalenhalle ein Konzept aus, das sich von allem bisher Dagewesenen unterscheidet. Eine Sitzung mit zwei Orchestern, damit zwischen den Beiträgen keine musikalischen Pausen entstehen, und ohne das ganze Gehabe der etablierten Gesellschaften, das mit seinen Gala-Uniformen, festgelegten Ritualen und Ordensverleihungen an eine militärische Übung erinnert. Damals schlug die Geburtsstunde der „Lachenden“. Die 1965 erstmals in der Kölner Sporthalle als „Die große Kölner und Dortmunder Prunksitzung“ stattfand. Was ab da die „Lachende Kölner Sporthalle“ hieß und ab 1999 die „Lachende Kölnarena“, geht jetzt in die 50. Session.

Bis heute ist das, was Hofner einst als „Sitzung für Arbeiter und Akademiker“ im Sinn hatte, erfrischend volksnah geblieben. Besucher wie Marita Simonis (58), die seit über 20 Jahren auf keiner „Lachenden“ gefehlt hat, schätzen die Riesenkarnevalsparty für Selbstversorger: „Das ist wie eine große Familie!“ Session für Session schart Simonis Jecke aus Zülpich, Euskirchen und Düren um sich – mitunter über 100 – die dafür einen Bus chartern und mitsamt Nachwuchs, belegten Brötchen, Frikadellen, „Salätchen“, Bier, Sekt und selbst gekochtem Eierlikör anreisen. Denn auch, dass man Essen und Getränke mitbringen darf, unterscheidet die „Lachende“ von allen anderen Karnevalsveranstaltungen.

„Am Anfang sind die etablierten Gesellschaften Sturm gelaufen“, sagt Eberhard Bauer-Hofner (71), der Adoptivsohn von Otto Hofner, der dessen Lebenswerk, die „Theater-, Konzert- und Gastspieldirektion Otto Hofner GmbH“ fortsetzt, „das war ein großer Kampf. Otto Hofner macht den Sitzungskarneval kaputt, hieß es, der schnappt uns die Spitzenkräfte weg, das, was der macht, ist total kommerziell!“ Tatsächlich fanden Hofners „Volkssitzungen“ bis in die 1970er-Jahre hinein parallel in Köln, Dortmund, Essen, Bochum und Duisburg statt: „Und die Tanzgruppen der Karnevalsgesellschaften durften hier auf Geheiß der Präsidenten nicht auftreten.“ Inzwischen hat man sich auf eine friedliche Koexistenz geeinigt, wofür die Gastspieldirektion einen Obolus ans Festkomitee Kölner Karneval entrichtet.

Einer der Künstler der ersten Stunde ist Ludwig Sebus (89), heute ein Urgestein des kölschen Karnevals: „Die ganze Breite des Karnevals unter einem Dach, wo sich jeder so entfalten konnte, wie er wollte, das war damals etwas ganz Neues“. „Und es war unglaublich spannend, da in der großen Sporthalle aufzutreten“, erinnert sich Jutta Gersten (83), die 1965 zu den Premierenkünstlern zählte. Ursprünglich aus Wuppertal stammend, war die kesse Brünette, die ihre flotten, humoristischen Chansons auf dem Akkordeon begleitete, in Köln eine Exotin: „Ich konnte ja noch nicht mal richtig Kölsch!“ Aber ihre Art, Männer durch den Kakao zu ziehen, sehr charmant, sehr liebenswürdig, aber nie ehrverletzend, kam an. Nicht nur in Köln. Auch im Goldsaal der Dortmunder Westfalenhalle und in der Essener Grugahalle war die Künstlerin gern gesehen.

In 50 Jahren hat sich viel verändert. Die Gage wird längst nicht mehr „cash en de täsch“ hinter den zugezogenen Gardinen des „Beichtstuhl“ genannten Kontors ausgezahlt. Und die Tontechnik – „Früher gab es ja noch keine Verstärker, wir hatten nur unser Mikrofon“, so Gersten – ist auf Höhe der digitalen Zeit. Anderes hingegen wird immer gleich bleiben. „Wenn du da vor 10 000 Menschen stehst, merkst du schon, wie der Puls geht“, sagt Micky Nauber (44), Sänger der Band „Die Domstürmer“ und Vertreter der neuen Generation, „bei der Lachenden dabei zu sein, das ist ,Champions League’, die Königsklasse.“

Ein „Best Of“ der guten Laune

Nach wie vor dauert die „Lachende“ satte sechs Stunden, sie garantiert mit Künstlern wie den Bläck Fööss, Brings, den Höhnern, den Räubern und den Paveiern, Bernd Stelter oder Marc Metzger (Dä Blötschkopp) ein „Best Of“ der guten Laune, und Marita Simonis kocht noch immer ihren berühmten Eierlikör. Eberhard Bauer-Hofner sieht der ersten Jubiläums-„Lachenden“ am 23. Januar mit Freude entgegen. Aber auch mit Herzklopfen. Denn erstmals wird der Chef als Sänger auf der Bühne stehen. Sein Lied „50 Johr för Kölle do“ haben Micky Nauber (Musik) und Christa Drmota (Text) von der Gastspieldirektion geschrieben. Hier schließt sich, einmal mehr, der Kreis der Generationen.