Das Werkzeug des Gärtners und sein allzu großer Tatendurst

Unkrautstecher, abgebrochen.
Unkrautstecher, abgebrochen.
Foto: Jens Dirksen
Was wir bereits wissen
Draußen sieht es so trübe aus, dass man sich lieber dem zuwendet, was aus dem Garten eingewandert ist, in den Keller, die Garage, den Abstellraum.

Dort hat der gärtnerische Triebstau Folgen, die so manche Geranie, so mancher Zitronenbusch gar nicht lustig finden kann. Denn der zur Untätigkeit verurteilte Gärtner, der so gar nichts zu zupfen, zu schneiden, zu gießen hat, sucht Opfer. Generationen von Lorbeerbüschen sind schon im winterlichen Vollbad ertrunken, bloß weil der gärtnerische Tatendurst größer ist als alle Vernunft, die ja weiß, dass die Pflanzen höchstens einmal in der Woche Wasser brauchen, ist ja Ruhezeit.

Erfahrene Gärtner haben selbstverständlich schon andere Blitzableiter gefunden: die Gartengeräte. Ja, es mag sein, dass eine Kartoffelgabel nicht sehr viel besser gabelt, wenn man ihre Zinken von den Krümeln des letzten Erntetag befreit. Aber wenigstens sieht sie dann besser aus, da an der Wand, in der Ecke oder im Schrank. Mir geht bei solchen Gelegenheiten auch immer durch den Kopf, dass es im Garten mit den Geräten genauso ist wie sonst mit Werkzeug: Es hat keinen Sinn, schlechtes Werkzeug zu kaufen, weil es überhaupt keine Freude macht, damit zu arbeiten. Im Gegenteil, schlechtes Gerät – Spaten, die sich verbiegen, Scheren, deren Schneiden so weit ausein­anderklaffen, dass ganze Äste dazwischen passen, Rasenmäher, deren Grasfangkorb schon voll ist, bevor man sie fünf Meter weit geschoben hat – derart nutzlose Gartengeräte kann einem jede noch so große Gartenfreude vermiesen.

Das Problem liegt allerdings darin, gutes Gartengerät zu erkennen. Der Preis ist ein Indikator, möchte man meinen. Weil gutes Gerät selten billig ist. Aber manchmal ist eben auch teures Gerät schlecht. Deshalb kommt mir bei der alljährlichen Gerätemusterung im Januar immer wieder der ehemalige Unkrautstecher einer überaus edlen englischen Gartengerätefirma in den Blick. Ein Unkrautstecher war er nämlich nur bis zu dem Moment, in dem ich versucht habe, damit eine Löwenzahnwurzel auszugraben. „Knack“ machte es – und der Stecher war ein Zerbrecher. Seinen Überrest lasse ich an der Wand hängen. Als Mahnmal.