Als Frau im Männervollzug der JVA Gelsenkirchen

Marisa Besser arbeitet als eine von wenigen Frauen in der JVA Gelsenkirchen im Männervollzug.
Marisa Besser arbeitet als eine von wenigen Frauen in der JVA Gelsenkirchen im Männervollzug.
Foto: Anna Katharina Wrobel
Was wir bereits wissen
Marisa Besser arbeitet als Justizvollzugsbeamtin im Gelsenkirchener Gefängnis. Sie ist (fast) allein unter Männern.

Gelsenkirchen.. Wenn Marisa Besser neuen Bekanntschaften von ihrer Arbeit erzählt, „dann sind die immer schwer beeindruckt. Ich persönlich finde das mittlerweile eher unangenehm, man steht sofort im Mittelpunkt.“ Und muss erzählen. Immer und immer wieder. „Mein Freund kann es schon nicht mehr hören“, lacht die 38-Jährige. Sie wiegele dann ab. „So spannend ist das nicht.“

Dabei ist Marisa Besser Justizvollzugsbeamtin. „Mit Leib und Seele“, wie sie sagt. Sie ist eine von wenigen Frauen, die im Männervollzug in der JVA Gelsenkirchen arbeitet. Davon gebe es nicht mal eine Handvoll.

Der Start war holprig

Seit 1999 arbeitet sie in Gelsenkirchen, ihr Start aber war holprig. Nicht, weil sie eine Frau (fast) alleine unter Männern ist, sondern vielmehr, weil die Anstalt neu war und vieles noch nicht reibungslos verlief.

„Da war Kämpfen angesagt.“ Geschadet hat das der Oberhausenerin nicht. Im Gegenteil, sie ist sogar überzeugt davon, dass sie ihren männlichen Kollegen gegenüber auch Vorteile hat. „Da wo Frauen arbeiten, läuft einiges anders als da, wo keine sind.“ Die Zellen seien ordentlicher, deren Bewohner oftmals gepflegter, wenn ab und zu auch mal eine Frau vorbeischaue. Kollegen wie Gefangene wüssten außerdem allesamt ihr „Kümmer-Gen“ zu schätzen. „Die freuen sich, wenn man da ist und zuhört. Wenn ich mal längere Zeit nicht da war, dann stürzen die sich richtig auf mich.“

Distanz zu den Häftlingen muss gewahrt werden

Wobei das natürlich nicht wörtlich zu verstehen ist: Marisa Besser achtet genau darauf, Distanz zu den Häftlingen zu wahren, lässt sich ausschließlich Siezen und führt Gespräche in den meisten Fällen in ihrem gläsernen Büro. „Damit Gefangene und auch Kollegen keinen falschen Eindruck bekommen.“ Es sei ja nicht so, als hätte es das noch nie gegeben, dass Inhaftierte Signale falsch verstünden, vielleicht gar eine zu enge Vertrautheit aufbauten. „Aber so geht es den Männern im Frauenvollzug ja auch, die müssen da genauso drauf achten.“

Aufpassen müssen die Beamten im Abteilungsdienst – so nennen sie im Amtsdeutsch diejenigen, die die Gefangenen versorgen und betreuen – vor allem bei denjenigen, die psychisch labil sind. Die öffentliche Aufregung über den Fall Middelhoff kann Marisa Besser deshalb nicht ganz nachvollziehen. Die intensive Kontrolle in der Haft sei „eine übliche Maßnahme, um Suizide zu verhindern.“

Wenn ein Mensch so plötzlich und vielleicht gar unerwartet aus seinem Alltag gerissen werde und unter Selbstmordverdacht stehe, dann „sind wir verpflichtet, ihn regelmäßig zu überprüfen. Zu seinem eigenen Schutz.“

Teilzeit ist schlecht vereinbar mit dem Schichtdienst

Neben der Arbeit im Abteilungsdienst ist Marisa Besser außerdem Bereichsleiterin – also Chefin in einem der drei Männer-Hafthäuser. Und Gleichstellungsbeauftragte. Dabei sieht sie noch Nachbesserungsbedarf: Bislang gebe es „eher so einen bestimmten Schlag Frauen im Männervollzug“, die kinderlosen, flexiblen. Teilzeit sei immer noch schlecht vereinbar mit dem Schichtdienst. „Da ist der Vollzug noch meilenweit hinterher.“