Agrippina zwischen Machtgier und Kamelle

Die Kölner Jungfrau (l.) steht für die Schutzpatronin der Stadt.
Die Kölner Jungfrau (l.) steht für die Schutzpatronin der Stadt.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Sie war die Schwester von Caligula und die Mutter von Nero: Agrippina ist im Kölner Karneval unsterblich. Aber lieblich war sie wirklich nicht.

Köln..  Ihr Leben taugt als Stoff für einen echten Hollywood-Blockbuster: Der Aufstieg von Agrippina der Jüngeren zur mächtigsten Frau des Römischen Reiches war berauschend, ihr Niedergang unerwartet und von Verrat und Machtgier geprägt. Sie war eine der ersten bekannten emanzipierten Frauen Roms, eine Intrigantin und Mörderin. Dass eben diese Frau im Kölner Karneval als „Ihre Lieblichkeit“ verehrt und gefeiert wird, verwundert schon ein wenig.

Wer war Agrippina die Jüngere?

Agrippina die Jüngere wurde vermutlich 15 n.Chr. als Tochter von Germanicus Iulius Caesar und Agrippina der Älteren in Oppidum Uborium, einer Siedlung der Ubier, am Rhein geboren. Ihre Familie gehörte zum Kreis der Mächtigen in Rom, der Vater war von Augustus entsandt worden, militärische Strafaktionen östlich des Rheins durchzuführen. Kurz nach Agrippinas Geburt kehrte die Familie nach Rom zurück. Im Alter von 13 Jahren wurde das Mädchen mit dem römischen Politiker Gnaeus Domitius Ahenobarbus verheiratet, dem sie neun Jahre später einen Sohn gebar, den späteren Kaiser Nero. So beschaulich, wie es scheint, war ihre Jugend jedoch nicht. Ihr Vater war, wie man vermutete, einem Giftanschlag zum Opfer gefallen, die Mutter wurde auf eine Insel verbannt und wählte den Hungertod. Erst als der amtierende Kaiser starb und ihr Bruder Caligula den Thron bestieg, wendete sich das Blatt für Agrippina. Doch zwei Jahre später beteiligte sie sich an einer Verschwörung gegen ihren Bruder, die aufgedeckt wurde und für sie Verbannung und Enteignung bedeutete. Zudem starb zur der Zeit ihr Mann.

Wie kam Agrippina zu Macht?

Im Jahr 41 wurde Kaiser Caligula umgebracht und Claudius, Agrippinas Onkel, bestieg den Thron. Er ließ seine Nichte zurückholen und stattete sie mit ihrem Vermögen aus. In dem Vorhaben, ihre Stellung zu verbessern, heiratete Agrippina einen Senator, der wenig später starb. Es wurde gemunkelt, seine Frau habe ihn ermordet. Jetzt war Agrippina eine reiche Witwe, für die sich der Kaiser interessierte. Agrippina, hungrig nach Macht, stach die Konkurrenz aus und heiratete 49 n.Chr. Kaiser Claudius. Ein Gesetz, das die Heirat von Onkel und Nichte verbot, wurde kurzerhand geändert. Sie wurde zu einer emanzipierten Kaisergattin und prägte die deutsche Geschichte. Wie bei der Geburtsstadt ihres Gatten geschehen, wurde der Ort ihrer Geburt zur „Colonia“ erhoben, einer Stadt, die nach dem Abbild Roms verwaltet wurde. Deswegen wird Agrippina als Gründerin Kölns gefeiert.

Wie kam es zum Fall der Agrippina?

Die machthungrige Frau hatte es geschafft, dass der Kaiser ihren Sohn adoptierte. Nero war älter als dessen leibliche Söhne und somit der Thronfolger, dessen Stunde geschlagen hatte, nachdem Agrippina im Jahre 54 ihren Mann vergiftet hatte. Ein Jahr später kam es zum Bruch. Nero wollte nicht die Marionette seiner Mutter sein. Er gab den Mord an ihr in Auftrag, ein Schiffsunglück. Agrippina konnte sich retten. Nero befahl offen den Mord an seiner Mutter, die der Überlieferung nach die Soldaten gebeten haben soll, ihr ein Schwert in den Bauch zu stoßen, wo einst ihr eigener Mörder heranwuchs.

Wie wird an Agrippina erinnert?

Agrippina ist in der Figur der Jungfrau seit 1883 fester Bestandteil des Kölner Dreigestirns, seit 1823 war sie in unregelmäßigen Abständen beim Zug dabei. Sie wird „Ihre Lieblichkeit“ genannt und symbolisiert die beschützende Mutter Colonia. Traditionell wird sie von einem Mann dargestellt, da damals der organisierte Karneval als Männersache galt. Jungfrau und Bauer fahren beim Rosenmontagszug auf dem letzten Wagen mit. In früheren Zeiten war das Dreigestirn wenige Tage im Amt. Da aber, durch die vielen Gesellschaften, Veranstaltungen und Sitzungen, die Nachfrage immer größer wurde, findet die Proklamation nun im Januar statt. Dann endet für die Zeit der Session das „normale“ Leben der drei, sie ziehen ins Hotel und leben für die fünfte Jahreszeit.