Zwangsarbeiter in der DDR fertigten Möbel für Ikea
16.11.2012 | 20:06 Uhr 2012-11-16T20:06:00+0100
Berlin. Auch politische Häftlinge mussten im Osten für West-Firmen wie Möbel- und Versandhäuser produzieren. Im Gegensatz zu anderen Konzernen stellt sich der schwedische Konzern Ikea nun seiner Verantwortung und entschuldigte sich bei den Betroffenen.
Das schwedische Möbelhaus Ikea hat in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Häftlinge und auch politische Gefangene in der DDR zur Produktion ihrer Stühle und Regale eingesetzt. Das ergab eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young im Auftrag des Unternehmens.
„Ich drücke im Namen unseres Unternehmens unser tiefstes Bedauern darüber aus“, entschuldigte sich der Geschäftsführer von Ikea Deutschland, Peter Betzel, gestern vor ehemaligen Gefangenen in der Berliner Stasi-Behörde. Der Konzern will nun die wissenschaftliche Aufarbeitung der Zwangsarbeit in Ostdeutschland finanzieren.
Wer nicht spurte, bekam Dunkelarrest
Ikea hat damals mit den der Stasi unterstellten Außenhandelsbetrieben zusammengearbeitet. Diese wiederum gaben die Aufträge an einzelne Betriebe weiter, die dann auch Sträflinge zur Fertigung zwangen. Nach der Auswertung von Tausenden Unterlagen aus den Archiven von Ikea, der Stasi-Unterlagenbehörde sowie öffentlicher Archive stand für die Gutachter fest, dass am Ende der Produktionskette wohl auch zu Unrecht festgehaltene politische Gegner des Regimes mitarbeiten mussten.
Wie massiv dabei Zwang ausgeübt wurde, schildert der frühere Häftling Alexander Arnold, der als Friedensaktivist 1983 elf Monate in Naumburg inhaftiert war. „Es gab Mumpe, also Dunkelarrest“, erinnert er sich mit stockender Stimme an die Strafe für zu geringe Leistungen an der Stanzmaschine, mit der Stühle für die Schweden produziert wurden.
Höhere Arbeitsnorm für Häftlinge
Die Arbeitsnorm lag seiner Aussage nach bei 250 Prozent der üblichen Leistung. „Das haben die Maschinen gar nicht geschafft“, berichtet er. Eine komplette Arbeitsverweigerung wurde demnach noch härter betraft. Bis zu sechs Wochen lang wurden aufsässige Gefangene in Einzelhaft an Händen und Füßen ans Bett gefesselt.
Ikea hat sich zwar vergewissert, dass keine politischen Häftlinge für die Fertigung eingespannt wurden. Doch spätestens 1981 wusste die Einkaufsabteilung des Konzerns davon, zog sich aber nicht sofort zurück, sondern vereinbarte mit dem Partnerunternehmen, dass „nicht in geschlossenen Anstalten für Ikea produziert werden“ dürfe. Die Kontrollen hätten nicht ausgereicht, gesteht Betzel nun ein.
Ikea führt unangemeldete Kontrollen bei den Betrieben durch
Das Möbelhaus hat nach eigenen Angaben inzwischen strenge Richtlinien für die Zusammenarbeit mit den weltweiten Zulieferern erlassen. Rund 1000 meist unangemeldete Kontrollen der Betriebe würden jährlich durchgeführt.
Bei den Opferorganisationen kam die Offenheit des Konzerns im Umgang mit der Vergangenheit gut an. Sie fordern auch weitere Unternehmen auf, sich zur Beschäftigung von Zwangsarbeitern zu bekennen. „Die meisten anderen Unternehmen haben auf Durchzug geschaltet“, kritisiert Rainer Wagner von der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Insbesondere die Versand- und Warenhäuser hätten auch in Gefängnissen Waren anfertigen lassen.

09:15
@wohlzufrieden
Das war das erste, was ich bei der Meldung dachte.
In der Bundesrepublik gab es bis 1969 Zuchthäuser, in denen tatsächlich Zwangsarbeit stattfand. Heute wird Zwangsarbeit verniedlichend als Rehabilitationsmaßnahme bezeichnet und großzügig mit 1,50 Euro die Stunde vergütet.
Was wären wir nur für Menschen ohne unsere Scheinheiligkeit?
Wobei CDU, CSU, FDP, SPD und Grüne auch noch so begeisterte Fans unseres großen Wirtschaftspartners China sind.
Da sind wir alle einer Meinung! Schönen Sonntag noch!
13:57
Soll noch weitere Länder geben, wo dies geschieht.
Übrigens Länder, die auch von der derzeitigen Bundesregierung anerkannt sind.
13:32
Was ist denn mit den Produkten, die in Westdeutschen Gefängnissen hergestellt werden? Werden die verschenkt oder weg geworfen? Die gleichen Leute, die sich hier und öffentlich mehr als künstlich aufregen, würden jetzt sagen: "Richtig so, das die "Knackis" arbeiten müssen, wenn sie schon uns Steuerzahlern auf der Tasche liegen." Ich weiß nicht was dabei schlimmer ist, bei den Empörten, ihre Scheinheiligkeit, oder ihre schiere Dummheit.
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11:14
In der DDR musste jeder Bürger arbeiten, nicht nur Strafgefangene. Der Arbeitszwang war im Strafgesetzbuch der DDR festgelegt. "[Entfernt von Moderation]" konnten bis zu fünf Jahre in Haft kommen, und Jugendliche in Jugendwerkhöfe. Es kam sogar vor das Kinder von "arbeitsscheuen" zwangsadoptiert wurden bzw. in ein Kinderheim kamen.
10:49
Warum macht man daraus eigentlich jetzt so einen Hype?
Karstadt, Quelle, Neckermann und co haben alle!! in der DDR zu zweifelhaften Bedingungen produzieren lassen und billig eingekauft. Und selbst Möbelhäuser wie Hardeck und Rück haben "Ostdeutsche" Produkte verkauft!
Also alles halb so wild. Ändern kann es eh keiner mehr
09:51
Viel schlimmer ist, daß SPD und die Grünen kurz davor standen diesen Unrechtsstaat offiziell anzuerkennen. Gott sei Dank kam Gorbatschow rechtzeitig auf die Bühne und die als ewig Gestrige titulierte CDU zerschlug zum Leidwesen der Linken ihre Spielwiese.
Haha, da ist ja jemand in der Broncezeit stehen geblieben. Die "CDU zerschlug..."
Kohl und Komplizen haben erst mal zugesehen, was werden wird, und sind dann auf den fahrenden Zug aufgesprungen um Lokführer zu spielen...
09:13
Es ist doch bekannt,daß deutsche Gefängnisse Werkstätten unterhalten in denen auch Lohnarbeiten für Unternehmen ausgeführt werden. Dem Vernehmen nach sollen die Knackis sogar froh sein arbeiten zu können statt in der Zelle gammeln zu müssen.
Werden die jetzt auch zu Zwangsarbeitern hochstilisiert,genau wie damals bei Krupp,Bayer,BASF,etc,etc ??