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Zu viel Essen im Müll - "FoodLoop"-App will Händlern helfen

29.09.2014 | 07:04 Uhr
Zu viel Essen im Müll - "FoodLoop"-App will Händlern helfen
Noch genießbar, aber nicht mehr zu verkaufen: Supermärkte entsorgen täglich Tausende Tonnen Lebensmittel.Foto: Archiv/Hendrik Schulz

Essen/Köln.   Zu viele Lebensmittel landen im Müll. Eine Gruppe um einen Kölner Studenten entwickelt eine App, die Verschwendung eindämmen will. Sie soll Kunden Produkte melden, für die es Rabatt gibt, weil sie nah am Haltbarkeitsdatum sind. Der Handel sieht das Problem jedoch bei Kunden: Sie kaufen falsch ein.

Mal ist es ein zweiter Barcode. Mal ein Kürzel aus einer Ziffer und einem Buchstaben: Preistafeln in Supermärkten tragen mehr Informationen, als man glaubt, sagen Experten. Sie zeigen etwa auch an, wann Waren aus dem Regal verschwinden müssen. Bei Schokolade zum Beispiel mitunter schon Monate bevor das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) tatsächlich abläuft.

"Das ist pure Verschwendung von Lebensmitteln“, findet Christoph Müller-Dechent. Pro Tag und Filiale würden in Deutschland zwei Einkaufswagen an Lebensmitteln vernichtet. Pro Jahr kämen so bundesweit 550.000 Tonnen Lebensmittel zusammen, die alle noch genießbar wären, sagt Müller-Dechent. Die Organisation Greenpeace verweist auf noch höhere Zahlen. Um das einzudämmen, hat der 28-Jährige „FoodLoop“ gegründet: Ein Startup in Köln, das eine App entwickelt, die Kunden Infos über Rabatte liefern und dem Handel helfen will, MHD-kritische Ware besser abzuverkaufen, statt sie zu vernichten.

Handelsketten verweisen auf die Tafeln als Abnehmer

Um das möglich zu machen, müssten Lebensmittelhändler ihre Warenwirtschaftssysteme mit der App verbinden; zudem ist auf den Produkten ein neuer Barcode nötig, den laut Müller-Dechent einige wenige Händler bereits verwendeten, weil er zum Beispiel auch über das Haltbarkeitsdatum informiert und diese Daten ins Kassensystem überträgt. Am Ende würden Kunden mit der App automatisch von Preissenkungen erfahren und Händler müssten nicht mehr umständlich Produkte mit Rabattaufdruck kennzeichnen – denn das "FoodLoop"-Prinzip beruht darauf, MHD-nahe Lebensmittel zu Schnäppchen zu machen und so Kunden einen Anreiz zu liefern, dass sie in deren Magen landen und nicht auf dem Müll. 

„Die Technik ist da, die App so gut wie entwickelt“, sagt Müller-Dechent. Ein Pilotprojekt bei zwei Biosupermärkten und einer Bio-Bäckerei in Bonn soll Anfang 2015 starten. Doch der Lebensmittelhandel reagiert reserviert. Lebensmittel via App als Schnäppchen auspreisen? Bei Rewe, Netto und Real verweist man jeweils auf die Tafeln, denen man Überschüssiges spende, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum fast überschritten sei.

Verbraucher kaufen falsch ein

Bei Aldi-Nord sieht eine Sprecherin ebenfalls keinen Bedarf für eine „FoodLoop“-App: „Als verantwortungsbewusster Einzelhändler pflegen wir einen sehr sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln“, teilt Aldi mit. Um so wenig Lebensmittel wie nötig vernichten zu müssen, betreibe man eine „bedarfsgerechte Warendisposition“ und eine „ausgefeilte Logistik“. Auch bei der Kette „Real“ heißt es auf Anfrage: „Grundsätzlich versucht jeder Geschäftsleiter seine Bestellung möglichst optimal zu gestalten, so dass die Ware noch mehrere Tage vor dem Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums komplett abverkauft werden kann“.

Ob das wirklich so reibungslos läuft? Im Lebensmittelhandel mag man sich im übrigen nicht den ‚schwarzen Peter’ zuschieben lassen: „Auch Verbraucher können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Lebensmittelabfälle zu vermeiden“, sagt etwa Raimund Esser, Sprecher der Rewe-Gruppe in Köln. „So kann ein gut geplanter Einkauf dazu beitragen, die Wegwerfquote von Lebensmitteln zu verringern“. Schließlich sind Supermärkte vielerorts bis in den späten Abend geöffnet. Kunden müssten sich heute nicht mehr für Tage oder Wochen bevorraten.

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Kommentare
01.10.2014
01:21
Zu viel Essen im Müll - "FoodLoop"-App will Händlern helfen
von SaraHud | #7

ob dafür nun eine App was bringt halte ich für fraglich. Ich meine eine Facebook App oder eine a...
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2014-09-29 07:04
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