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Zu hohe Renditen machen Staatsschulden unbezahlbar

05.09.2012 | 11:56 Uhr
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Die Ankäufe von Staatsanleihen sollen auf der Agenda stehen, wenn der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am (morgigen) Donnerstag über die Bewältigung der Eurokrise berät. EZB-Präsident Mario Draghi hatte Ende Juli die Bereitschaft der Bank deutlich gemacht, Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben. Zuvor waren die Renditen spanischer Anleihen auf über sieben Prozent geklettert.

Berlin (dapd). Die Ankäufe von Staatsanleihen sollen auf der Agenda stehen, wenn der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am (morgigen) Donnerstag über die Bewältigung der Eurokrise berät. EZB-Präsident Mario Draghi hatte Ende Juli die Bereitschaft der Bank deutlich gemacht, Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben. Zuvor waren die Renditen spanischer Anleihen auf über sieben Prozent geklettert. Seither liegen sie zwischen sechs und sieben Prozent. Auch Finanzexperten halten zu hohe Anleihezinsen für untragbar.

Frank Engels, Leiter des Renten-Portfolio-Managements bei Union Investment, hält Warnungen vor Zinsen über sieben Prozent auf zehnjährige Staatsanleihen für berechtigt. Engels verweist auf Schulden-Tragfähigkeits-Analysen, die für Länder wie Spanien oder Italien leicht zu erstellen sind. Wegen ihrer industriellen Basis und der Altersstruktur der Bevölkerung könnten beide Länder Produktivität und Wachstum nur begrenzt steigern. "Aus dem möglichen Wachstum, der zu erwartenden Inflationsrate und dem staatlichen Haushaltsdefizit oder -überschuss lässt sich leicht errechnen, bis zu welchem Durchschnitts-Zinssatz von Anleihen die Verschuldung mittel- bis langfristig noch tragbar ist", sagt Engels.

Gerade für Spanien und Italien sei die Sieben-Prozent-Grenze sehr real. "Eine durchschnittliche Verzinsung der Staatsanleihen von sieben Prozent oder mehr ist für Spanien mittelfristig nicht mehr tragbar", sagt Engels. Italien sei auf die Wirtschaftsleistung bezogen noch höher verschuldet, habe aber bereits kräftig sparen müssen. Aber auch die Renditen italienischer Anleihen hätten schon ein mittelfristig nicht tragfähiges Niveau erreicht.

Dann drohe stets eine Abwärtsspirale. "Investoren flüchten aus den Anleihen, die Renditen klettern weiter, und der Schuldendienst wird mittel- bis langfristig noch unbezahlbarer", sagt der Stratege der Volks- und Raiffeisenbanken. "Die Sieben-Prozent-Grenze ist ein guter Indikator für die Schwelle."

Von einer festen Zinsmarke als Grenze der Belastbarkeit hält Christian Dreger dagegen wenig. Der Abteilungsleiter für Makroökonomie bei Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt, die Solvenz von Staaten hänge stets von verschiedenen Umständen ab. "Länder mit sieben Prozent Wachstum können mit sieben Prozent Anleihezinsen bestens leben", sagt er. In Krisenstaaten mit schrumpfender Wirtschaftsleistung führten dagegen schon Zinsen unter sieben Prozent zur weiteren Anhäufung des Schuldenberges.

Derzeit würden Banken zudem die Zinsen italienischer und spanischer Anleihen mit den Renditen deutscher Staatspapiere vergleichen. Eine Sieben-Prozent-Rendite bei zehnjährigen Papieren entspreche derzeit einem Risikoaufschlag gegenüber deutschen Anleihen von gut fünf Prozent. "Ein so hoher Aufschlag wird kritisch gesehen und kann dazu führen, dass die Banken spanische Anleihen nur noch unvollständig als Sicherheiten akzeptieren", warnt Dreger. Er hat Verständnis dafür, dass "die Europäische Zentralbank eingreift, wenn die Zinsen kritische Höhen erreichen".

Auch der Geldfachmann Adalbert Winkler von der Frankfurt School of Finance glaubt an keine allgemeine Zinsgrenze. Die Beherrschbarkeit von Schulden hänge von Wachstum, vom angehäuften Schuldenstand und von Zinsniveau gleichermaßen ab. Vor allem eine negative wirtschaftliche Entwicklung mache Schulden langfristig untragbar. "Die sieben Prozent sind einfach eine Warnmarke, auf die man sich geeinigt hat", sagt Winkler. "Ab sieben Prozent ist es angesichts der Wirtschaftsentwicklung in den Krisenstaaten ganz sicher nur eine Frage der Zeit, bis die Schulden aus dem Ruder laufen", sagte er. Dann müssten die Staaten ständig zusätzliche Schulden machen, nur um ihre Zinsen zu zahlen.

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