Zins- und Ölpreistief: BP Europa rutscht in die roten Zahlen

BP Europa investierte in die Raffinerie Gelsenkirchen-Scholven.
BP Europa investierte in die Raffinerie Gelsenkirchen-Scholven.
Foto: Martin Möller
Was wir bereits wissen
Hohe Pensionsrückstellungen und der niedrige Ölpreis belasten den Mineralölkonzern BP Europa aus Bochum. Dabei wuchsen das operative Geschäft sowie die Investitionen in Raffinerien und Aral-Tankstellen.

Düsseldorf/Bochum.. Der gesunkene Ölpreis und hohe Pensionsrückstellungen trieben den in Bochum ansässigen Mineralölkonzern BP Europa im vergangenen Jahr in die roten Zahlen. Dabei entwickelte sich 2014 das operative Geschäft mit Sprit, Heizöl und Schmierstoffen positiv.

864 Millionen Euro groß ist der Fehlbetrag, mit dem die BP Europa das Geschäftsjahr 2014 abschloss. 2013 machte der Konzern mit seinen 10.500 Mitarbeitern noch 67 Millionen Euro Gewinn. Der Umsatz sank um fast zwei Milliarden auf 62,367 Milliarden Euro. Knapp 51 Milliarden Euro entfielen auf Deutschland. Vorstandschef Michael Schmidt gab sich am Mittwoch bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf alle Mühe, keine Krisenstimmung zu verbreiten: „Trotz dieses Fehlbetrags sind wir mit dem Verlauf des Geschäftsjahres mit Blick auf unser operatives Ergebnis zufrieden“, sagte er.

Die Last niedriger Zinsen

Die gesamtwirtschaftliche Großwetterlage traf die BP Europa 2014 gleich doppelt: Das historisch niedrige Zinsniveau zwang das Unternehmen dazu, weit höhere Rückstellungen für seine rund 14.000 Pensionäre zu bilden. Nach Angaben von BP-Finanzchef Wolfgang Langhoff wurden die Rücklagen 2013 noch mit 3,75 Prozent verzinst. 2014 seien es dann nur noch zwei Prozent gewesen. Je weiter der Zinssatz fällt, desto höhere Rückstellungen müssen die Firmen bilden, um ihre Pensionäre zu bezahlen.

Ölpreis Mit voller Wucht traf die BP Europa aber auch der seit Sommer 2014 drastisch gefallene Rohölpreis, der erst im Frühjahr 2015 wieder angestiegen ist. Kostete ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent im Juni 2014 noch 112 US-Dollar, waren es im Dezember nur noch 62 Dollar. Zu diesem Niedrigpreis-Zeitpunkt musste die BP Europa aber ihre gewaltigen Vorräte in den Raffinerien und Tanklagern bewerten. „Wir mussten die Bestände um fast eine Milliarde Euro abwerten“, sagte Finanzchef Langhoff.

Autofahrer tanken häufiger

Die BP, die unter der Marke Aral deutscher Branchenführer auf dem Tankstellenmarkt ist, konnte aber auch vom niedrigen Ölpreis profitieren – nicht nur, weil die Einkaufspreise für das Sprit- und Raffineriegeschäft sanken. „Die niedrigen Kraftstoffpreise führten zum Beispiel zu einer höheren Nachfrage und in diesem Zuge zu einem deutlich Absatzplus im vierten Quartal“, so Schmidt.

Das Ölpreistief stimulierte auch das Geschäft der BP-Raffinerien in Gelsenkirchen und Lingen. Im vierten Quartal erreichten die Margen ein Fünfjahreshoch. Der BP-Europa-Chef führt das verbesserte Geschäft auch auf die Investitionen zurück. In ihre Raffinerien und Tankstellen steckte die BP 434 Millionen Euro. Davon profitierte auch die Raffinerie Gelsenkirchen, wo der Nachfrage folgend weniger Ottokraftstoffe, dafür aber mehr Flugbenzin und Destillate produziert werden.

Die Rahmenbedingungen für die Branche sieht Schmidt durch den gesunkenen Ölpreis aber nicht nachhaltig verbessert. Auch wenn zuletzt mehr getankt wurde, sinkt der Absatz von Mineralölprodukten in Deutschland nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle von Jahr zu Jahr. BP verlor hierzulande 2014 mit 5,5 Prozent sogar mehr als der Markttrend. Auch durch den Schiefergasboom in den USA leiden die Raffinerien weltweit unter Überkapazitäten.