Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Zinsen

Worauf Sparer nach der Zinssenkung der EZB achten sollten

08.07.2012 | 17:42 Uhr
Worauf Sparer nach der Zinssenkung der EZB achten sollten
So niedrig waren die Zinsen seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 noch nie.Foto: Getty

Berlin.   So niedrig waren die Zinsen seit Einführung des Euro im Jahr 1999 noch nie. Die Zinssenkung der EZB hat nicht nur Auswirkungen auf Unternehmen und Banken, sondern auch auf Verbraucher. Finanzexperten rechnen noch mit Bewegungen bei den Zinssätzen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt im Krisenmodus. Am vergangenen Donnerstag senkte sie den wichtigsten Leitzins für die Eurozone auf nur noch 0,75 Prozent. So niedrig waren die Zinsen seit Einführung des Euro im Jahr 1999 noch nie. Der historische Zinsschritt hat nicht nur Auswirkungen auf Unternehmen und Banken, sondern auch auf Verbraucher.

Wichtig ist zunächst der Blick auf die Inflationsrate. Viele Menschen sorgen sich, dass die Geldschwemme die Preisstabilität gefährdet. Einstweilen ist das jedoch nicht zu befürchten. Solange die Wirtschaft in Europa nicht richtig in Fahrt kommt, bleiben die Gefahren für einen Preisauftrieb gering. Denn nur im Boom können Unternehmen Preiserhöhungen durchsetzen. Im Übrigen reichen die Banken das billige Geld von der EZB bislang kaum als Kredite an die Unternehmen weiter. Die umlaufende Geldmenge steigt deshalb nicht. Auch das spricht dafür, dass die Preisrisiken vorerst beherrschbar bleiben. Horst Biallo vom Finanzportal Biallo.de sieht aktuell jedenfalls noch keine Inflationsgefahren.

Der Finanzexperte rechnet jedoch mit Bewegungen bei den Zinssätzen. So könnten Baugeld und Ratenkredite noch billiger werden. Denn der Wettbewerb zwischen den Banken sei gerade bei Hypothekendarlehen hoch, sagt Biallo. Aktuell kostet Baugeld mit zehn Jahren Zinsbindung im Schnitt 2,71 Prozent. Das ist bereits außergewöhnlich günstig – die Zinssätze könnten aber nach dem EZB-Entscheid weiter sinken. Ähnliches gilt für Ratenkredite. Ein Ratenkredit mit 36 Monaten Laufzeit kostet derzeit laut Biallo-Index im Schnitt 6,6 Prozent. Günstige Ratenkredite gibt es bereits für knapp fünf Prozent. Auch hier ist nach der Zinssenkung Spielraum nach unten.

Hohe Kosten für Dispokredit

Anders sieht es hingegen bei den Dispozinsen aus. „Die Banken werden sie aller Erfahrung nach nicht senken, weil sie damit viel Geld verdienen“, sagt Biallo. Verbraucher müssen sich wohl darauf einstellen, dass die Kosten für die Überziehung des Kontos mit Zinsen jenseits der Zehn-Prozent-Marke weiterhin sehr hoch bleiben. Trotz der historisch niedrigen Leitzinsen kostet ein Dispositionskredit derzeit im Schnitt noch immer 11,66 Prozent. Allerdings kann man auch günstigere Angebote oder Alternativen wie so genannte Abrufkredite nutzen.

Die Zinssätze dürften für Tages- und Festgelder dürften nach Einschätzung der Finanzberatung immerhin konstant bleiben. Denn auf dem deutschen Markt sind viele ausländische Institute unterwegs, sie heizen den Wettbewerb an. Dennoch sind die Zinsen alles andere als üppig. Aktuell werden Tagesgelder im Schnitt mit nur noch 1,12 Prozent verzinst. Bankkunden sollten die Angebote genau vergleichen – denn die Unterschiede sind enorm. Und mit den bescheidenen Zinssätzen ist es nur schwer möglich, nach Abzug der Inflation den realen Wert der Ersparnisse zu erhalten.

Peter Hahne



Kommentare
Aus dem Ressort
Heißen soll Energie-Pilotquartier fürs Ruhrgebiet werden
Stadtentwicklung
Mülheim-Heißen soll Energie-Pilotquartier für das Ruhrgebiet werden. Die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr will im Viertel zwischen Bahnlinie und Hingbergstraße Erkenntnisse gewinnen, wie energetische Gebäudesanierungen vorangetrieben werden können. Das Vorhaben ist auf vier Monate angesetzt.
Lufthansa weiter vom Kurs ab - Prognose erneut kassiert
Luftfahrtunternehmen
Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die Lufthansa ihr Gewinnziel für 2015 gekappt. Ob der Plan wenigstens für dieses Jahr aufgeht, hängt an den streikfreudigen Piloten. Deren zahlreiche Ausstände dieses Jahr hätten bisher rund 170 Millionen Euro gekostet.
Wut in der GDL - Weselsky "will nur sein Ego befriedigen"
Streik
Nicht alle Mitglieder der Lokführer-Gewerkschaft GDL wollen der harten Linie ihres Chefs Claus Weselsky folgen. In der Gewerkschaft herrsche ein Klima der Angst, sagen sie und fordern den streitbaren Gewerkschaftsboss auf, von seiner kompromisslosen Haltung im Tarifkonflikt mit der Bahn abzurücken.
Herbstaufschwung lässt Arbeitslosenzahl weiter sinken
Quoten
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober um 75.000 auf 2.733.000 gesunken. Das sind 68.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 6,3 Prozent.
IBM und Twitter werden Partner in der Datenanalyse
Analyse-Software
IBM und Twitter punkteten zuletzt eher selten mit Erfolgsmeldungen. Das Computer-Urgestein tut sich schwer, sein Geschäftsmodell zu modernisieren, und der Kurznachrichtendienst kämpft damit, Geld zu verdienen. Jetzt tun sie sich mit einem Firmen-Angebot zusammen.
Umfrage
Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet . Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?

Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet. Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?