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Arbeitszeit Wochenende - Trend zum "Service rund um die Uhr"

18.02.2013 | 18:10 Uhr

Berlin.   Jeder vierte Beschäftigte arbeitet auch am Wochenende. In zehn Jahren ist die Zahl der Menschen, die samstags und sonntags arbeiten, um 33 Prozent auf knapp neun Millionen gestiegen. Auch Nacht- und Schichtarbeit weiteten sich nach Angaben der Bundesregierung in letzten zehn Jahren aus. Die Entwicklung gehe in allen Ländern zum „Rund-um-die Uhr-Malocher“, sagt Arbeitsmarktexperte Werner Eichhorst.

Wochenend-, Nacht- und Schichtarbeit nehmen stark zu. Der Trend gehe zum „Service rund um die Uhr“, sagte Werner Eichhorst, Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) unserer Zeitung. Die Linke forderte eine Anti-Stress-Verordnung, um die „atypischen Arbeitszeiten“ einzugrenzen, so die Abgeordnete Jutta Krellmann. Zuvor hatte die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken erklärt, dass 2011 jeder vierte Beschäftigte – das sind 8,9 Millionen Menschen – „ständig oder regelmäßig am Wochenende“ arbeitete. Die Zahl war in zehn Jahren um 33 Prozent gestiegen: 2001 waren es 6,7 Millionen.

Die Abend- und Nachtarbeit nahm in dieser Zeit um 46 Prozent und die Schichtarbeit um 24 Prozent zu. Die Linke spricht von „Auswüchsen“ und führt darauf auch zurück, dass immer mehr Menschen wegen psychischer Probleme krankgeschrieben werden. 2010 waren es 53,5 Millionen Tage, ein Jahr später bereits 59,2 Millionen. Aus der Antwort der Regierung geht auch hervor, dass die Zahl der von staatlichen Arbeitszeit-Kontrolleuren registrierten Verstöße seit 2007 um fast ein Drittel zunahm.

Zu jeder Tag- und Nachtszeit bestellen

Die Entwicklung zum Rund-um-die-Uhr-Malocher zeichnet sich für Arbeitsforscher Eichhorst seit Jahren weltweit ab. „Das ist ein struktureller Wandel, der dazu führt, dass wir mehr Dienstleistungen nachfragen“, sagte er. Beispiele dafür sind der Verkehr und die Gastronomie. Im Einzelhandel ist der Samstag längst zum normalen Werktag geworden. Weitere Treiber der Entwicklung sind der Pflege- und Gesundheitssektor sowie der Online- und Versandhandel. Die Konsumenten hätten sich daran gewöhnt, an jedem Ort und zu jeder Tageszeit zu bestellen. Das habe Folgen für die Arbeitsorganisation. Hinzu käme, dass auch die Zahl der Arbeitsplätze in der Industrie angestiegen ist.

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Die größten gesundheitlichen Risiken sieht Eichhorst im Schicht- und Nachtdienst, zumal parallel die Lebensarbeitszeit steigt. Da seien die Unternehmen gehalten, Bedingungen dafür zu schaffen, dass ihre ohnehin immer älter werdenden Belegschaften fit bleiben können. Ausdrücklich stellt die Bundesregierung fest, dass für Schichtarbeiter das Risiko von psychischen Belastungen steige. Doch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schiebt eine Anti-Stress-Verordnung vor sich her. Sie will das Thema „ständige Erreichbarkeit“ zunächst stärker wissenschaftlich aufarbeiten lassen.

Ende des bekannten Arbeits- und Freizeitmodells

Bei der Arbeit am Wochenende sei das Hauptmanko, „dass viele Familien nicht länger gemeinsam Freizeit haben“, so Eichhorst. Auch in Vereinen, Parteien und bei Ehrenämtern werde es schwerer, gemeinsame Termine festzulegen: „Die Freizeit wird durchlöchert.“ Das Arbeits- und Freizeitmodell der Nachkriegszeit löse sich auf. Das könne man in allen Ländern beobachten.

Miguel Sanches

Kommentare
19.02.2013
13:50
Arbeitszeit Wochenende - Trend zum
von Klug99 | #4

Auch früher hat bereits mein Vater nachts und am Wochenende gearbeitet und sogar noch in Nebenjobs, nur um die Familie zu ernähren allerdings bei...
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2013-02-18 18:10
Wirtschaft