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Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln

24.02.2013 | 15:14 Uhr
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
Produktion des Zafira im Opel-Werk Bochum: Am Montag startet die Woche der Wahrheit.Foto: dpa

Bochum.  Der US-Mutterkonzern General Motors fordert eine Einigung über die Zukunft des Bochumer Opel-Werks in dieser Woche. Doch so lange es keine Zusagen für Ersatzarbeitsplätze gibt, will die IG Metall nichts unterschreiben. Fakt ist: Die Auslastung der Opel-Werke ist katastrophal.

Es hat schon viele Wochen der Wahrheit gegeben bei Opel. Etwa, als vor vier Jahren die US-Mutter General Motors (GM) seine deutsche Tochter verkaufen wollte – und es dann doch nicht tat. Oder im Mai 2012, als Opel seine europäischen Werke gegeneinander aufwog und entschied, sein Brot-und-Butter-Auto Astra nicht mehr in Deutschland zu bauen.

Nun steht wieder eine Woche der Wahrheit an. GM verlangt eine Einigung mit der Arbeitnehmerseite über die deutschen Standorte. Sprich: über das Ende des Fahrzeugbaus in Bochum. Bis Ende Februar sollen Gewerkschaft und Betriebsrat das schlucken, damit der frühere VW-Manager Karl-Thomas Neumann am 1. März unbelastet den Opel-Chefposten übernehmen kann.

Bisher hat Bochum noch jede Wahrheits-Woche überlebt. Doch die Ungewissheit begleitet die Opelaner seit zwölf Jahren auf ihrem täglichen Weg ins Werk. Tausende Kollegen sind schon weg. Jahr für Jahr ging es nur darum, wie viele Stellen noch gestrichen werden oder ob das Werk ganz dicht macht. Nun haben sich die Manager in Detroit entschieden: In Bochum soll Opel keine Autos mehr bauen. Verhandeln will GM nur noch über das Wann und die Zahl der Ersatzarbeitsplätze reden.

Fieberhafte Verhandlungen

Geredet und gerungen wird dieser Tage pausenlos und auf allen Kanälen, wie zu hören ist. Nachdem die Gespräche monatelang feststeckten, will GM nun Ergebnisse – bis Donnerstag, 28. Februar. Doch die Taktik der Amerikaner will zu dieser Eile so gar nicht passen. Statt mit Angeboten hantiert das Management mit einer eigentümlichen Mischung aus Verzögerungen und Drohungen.

Bochumer Opel-Belegschaft trifft sich zu Betriebsversammlung

Im von der Stilllegung der Autoproduktion bedrohten Bochumer Opelwerk werden die Beschäftigten heute zu einer Betriebsversammlung erwartet. Die Belegschaft soll sich nach Angaben eines Unternehmenssprechers in einer öffentlich nicht zugänglichen Halle auf dem Werksgelände treffen. Während der Veranstaltung soll die Produktion ruhen. Neben Vertretern der Werksleitung wird auch der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel zu der Belegschaft sprechen.

Einen Termin am Rosenmontag sagte Opel kurzerhand ab, ließ Bochums Werksleiter Manfred Gellrich, der sonst jede Meinungsäußerung Rüsselsheim und Detroit zu überlassen hat, auf die Arbeitnehmer los. Die solle sich endlich bewegen, immerhin biete Opel eine Jobgarantie bis 2016 und den Erhalt einer vierstellige Zahl von Arbeitsplätzen in Bochum an.

Das klingt zwar ziemlich exakt nach dem, was die IG Metall selbst vorschlägt, ist aber nach Lesart der Arbeitnehmerseite nur eine leere Absichtserklärung. Weder sage Opel, was in Bochum nach dem Aus des Autobaus gefertigt werden soll, noch gebe es Investitionszusagen oder unterschriftsreife Kündigungsschutz-Verlängerungen. Das Unternehmen hält dagegen: Man habe eine Unternehmensberatung damit beauftragt zu ermitteln, welche Teile der Konzern künftig in Bochum produzieren kann.

Nachtschicht vor dem Aus

Stand jetzt sind die Jobs in Bochum nur bis 2014 sicher. Und dass Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky zuletzt mehrfach gedroht hat, das Werk notfalls bereits 2014 zu schließen, hat die Skepsis der Arbeitnehmer nur wachsen lassen. Als jüngste Zuspitzung fordert Opel die Zustimmung des Bochumer Betriebsrats, schon in diesem Sommer die Nachtschicht und damit 700 Stellen zu streichen. Andernfalls: Werks-Aus 2014.

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Opel-Manager wollen Nachtschicht in Bochum streichen

Hinter verschlossenen Türen verhandelt das Opel-Management mit dem Betriebsrat um die Zukunft des Bochumer Werkes. Dabei steht nach Darstellung des Betriebsrats die Nachtschicht zur Disposition. Dann würden kurzfristig 700 Jobs und hohe Nachtzulagen wegfallen.

Die IG Metall fordert ein Diesel-Motorenwerk, den Erhalt des Getriebewerks plus Warenlager und Jobgarantie bis 2016. Das Management habe gesagt, für Details noch Monate zu brauchen, ließ Bochums Betriebsratschef Rainer Einenkel wissen. Das lässt nur den Schluss zu, dass GM das Produktions-Aus jetzt abgesegnet wissen, die Ersatzarbeitsplätze aber erst später festzurren will. Dazu ist das Arbeitnehmerlager nicht bereit. „Kein Betriebsrat und keine IG Metall kann in einer solchen Situation und vor diesem Erfahrungshintergrund einen Blankoscheck unterschreiben“, sagte Knut Giesler, IG-Metall-Chef in NRW.

Katastrophale Auslastung

Wie in dieser Gemengelage eine schnelle Einigung gelingen soll, erscheint schleierhaft. Einenkel spricht von Erpressung. Ob er übertreibt? Opel schweigt sich öffentlich aus, überlässt damit der Arbeitnehmerseite die Deutungshoheit. Kein Dementi und auch kein Versuch, die katastrophale Außenwirkung dieses Gezerres zu mildern.

Kommentar
Garantien sind bei Opel Makulatur - von Frank Meßing

Wie diese GM- und Opel-Manager die gute Tradition der Sozialpartnerschaft und vor allem den menschlichen Anstand mit Füßen treten, sucht seinesgleichen. Mit immer neuen Tricks versuchen sie, Betriebsrat und Arbeitnehmer einzuschüchtern.

Dabei hat das Management gute Gründe für eine Sanierung. Die Werke in Europa haben eine Kapazität für 1,6 Millionen Autos im Jahr, gebaut wurden 2012 aber nur 927 000, Tendenz sinkend. Folge war ein Verlust von 1,3 Milliarden Euro. Dass die Auslastung dramatisch steigen muss, steht außer Frage. Nur wie? GM will Werke schließen, die Gewerkschaft zum Beispiel eine Öffnung der Märkte in Fernost. Doch in den Verhandlungen geht es nicht um Wachstum, sondern um Schrumpfung.

Dazu passt auch die Meldung vom Sonntag: Opel beabsichtigt, die zentrale Fertigungsplanung, den Werkzeugbau und den Prototypenbau in Rüsselsheim aufzugeben. Die Arbeiten sollen Fremdfirmen übernehmen. Betroffen davon wären 700 Arbeitsplätze.

Stefan Schulte



Kommentare
26.02.2013
23:58
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von Karl-Napp | #17

Den Opelmüll, der in den letzten Jahren in Bochum produziert wurde ist nicht mal die Hälfte des Verkaufspreises wert. Von daher bin ich froh, wenn endlich der Opelmüll vom Markt genommen wird.

26.02.2013
15:32
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von Ruhrdream1963 | #16

Blicke ich auf die Preisliste des Astra Kombi, werden dort Summen von 18.000-32.000 aufgerufen (mit Luft nach oben). Keine Rede also vom Brot- und Butterauto. Durch die Verlegung von Produktionsstätten habe ich als Verbraucher keinen Vorteil. Auch der Zusatz "Made in Bulgaria" würde am Preisniveau nichts ändern. War ein Kadett Kombi mal erschwinglich, wird es in Zukunft ein Kleinwagenkombi sein. Nicht die Fahrzeugklasse, sondern das Käuferbudget entscheidet.Am Ende wird die Stammbelegschaft Abfindungen in Millionenhöhe bekommen. Das Schicksal der armen Teufel, die in ihren LKW leben müssen (Just in time sei Dank) bleibt ungewiss...

25.02.2013
14:48
wkah | #12-1
von Wickederin | #15

Eigene Erfahrungswerte können trügen. Aber schauen sie sich mal die Absatzzahlen von VW und Opel an.

Opel 1,3 Millionen
VW 9 Millionen.

Der Verkauf von Opel in Deutschland ist 2012 um 13 % eingebrochen

3 Antworten
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von opelaner63 | #15-1

Haben sie keine anderen Probleme, als hier Ihren Senf abzugeben.... Wo andere um ihren Arbeitsplatz kämpfen müsen. Ich mache Ihnen Ihren Arbeitsplatz doch auch nicht streitig , was soll denn das? Es geht hier um tausende von Arbeitsplätzen , und nicht ob mir Opel gefällt oder nicht. Da sind sie hier völlig falsch am Platz!

Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von opelaner63 | #15-2

Arbeiten sie bei VW??? das Sie sich so reinsteigern........... ist ja furchbar, wie manche Leute beim Thema Opel Bochum durchdrehen. Sie sind doch davon gar nicht betroffen, regen sich aber auf , .. sie bekommen ja bald einen Herzinfakt.

Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von wkah | #15-3

Verkauf von Vw in Deutschland um 7,2% eingebrochen

Machen wir die jetzt auch zu.

25.02.2013
14:41
Wkah
von Wickederin | #14

VW hat Zb. Werke in China, Indien, Südafrika, Nordamerika, Südamerika., . Da braucht man keine Wagen hin transportieren. VW hat außerhalb von Europa 11 Werke. VW verkauft am zweit meisten Autos weltweit.

Aber ich glaube kaum das es sich Zb. lohnt Opel PKW von Deutschland nach China zu transportieren, weil die Autos die hier gebaut werden wegen der höheren Lohnkosten teurer sind, und durch den Transport verteuert werden.

Und innerhalb von Europa werden ja Opel-Fahrzeuge verkauft

2 Antworten
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von wkah | #14-1

VW verkauft Autos, in Deutschland gebaut, im Ausland bis zu 41 % billiger

Na lohnt sich?

Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von wkah | #14-2

im ausser-europäischen Ausland natürlich

25.02.2013
14:26
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von Faltengesicht | #13

Die Fehler der Vergangenheit rächen sich jetzt . Opel hat mit der Produktionseinstellung der oberen Mittelklasse ,KAD ,Rekord , Commodore ,Senator und Monza ,dem VAG-Konzern freiwillig das Feld überlassen. Die reiben sich jetzt die Hände ,weil die Kunden ,welche sich diese Autos haben leisten können ,jetzt Autos des VAG-Konzern fahren . Mit Butter und Brot-Autos in den unteren Klassen kann man keinen Blumenpott mehr gewinnen,besonders wenn die so unattraktiv gestilt sind wie zur Zeit gebauten Autos von Opel .

1 Antwort
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von opelaner63 | #13-1

hahahahaha ,lachen sie nicht selbst dadrüber???

25.02.2013
12:49
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von Trebusch | #12

Wer einen Opel mit einem Volkswagen vergleichen will ,glaubt auch daran ,mit einem Esel das Springreitturnier in Aachen zu gewinnen .Habe selbst mal Opel gefahren und Opelfreaks im Freundeskreis .Im Vergleich gegen Golf oder Passat würde ich eigentlich den vorher zitierten Esel noch beleidigen .

1 Antwort
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von wkah | #12-1

Das sind aber ihre eigenen Erfahrungswerte.
Genau wie es Leute gibt - die würden Keinen VW kaufen

25.02.2013
12:08
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von WattNuh | #11

Das ist nun nicht viel mehr als eine reine Formalie. Für Bochum und NRW ist das eine Katastrophe, da nicht nur die Arbeitsplätze im Werk Bochum entfallen sondern tausende, die als Dienstleister für Opel gearbeitet haben nicht mehr benötigt werden und tausende, die als Zulieferer bisher benötigt wurden. Dazu kommen die vielen Arbeitsplätze in Dienstleistung und Handel, die wegbrechen werden, wenn die Kaufkraft in der Region zwangsläufig zurückgehen wird.

25.02.2013
11:29
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von schlimm | #10

Ein Betriebsrat kann betriebsbedingten Kündigungen nicht zustimmen. GM/Opel kann aber ohne die Zustimmung des Betriebsrates einige Abteilungen/Werke schließen und die anfallenden Arbeiten fremd vergeben. Das hat das Unternehmen Ericsson in Deutschland schon 2006 durchgezogen. Sie forderten von ihren Mitarbeitern weiteren Lohnabbau, Mehrarbeit ohne Lohnausgleich und einiges mehr. Die kampferprobten Mitarbeiter lehnten in einer Betriebsversammlung alle ausgehandelten Ergebnisse (zum Nachteil der Mitarbeiter) zwischen Betriebsrat/IGM und Arbeitgeber ab. Daraufhin schloss Ericsson die ganze Abteilung (Networks).Trotz der Kündigungen waren die Mitarbeiter stolz, dass sie nicht eingeknickt waren und zum A...kriecher geworden sind. Die Monteure,Techniker und Ingenieure fanden aufgrund ihrer spezialisierten Ausbildung deutschlandweit einen neuen Arbeitgeber.

25.02.2013
11:19
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von wkah | #9

Klug99
Das war nichts
VW baut kaum noch in Deutschland - ist schlichtweg Blödsinn
Mega-Tarife bei Opel - verdienen die Leute bei Vw,BMW,usw schlechter ?
Also auch Blödsinn

2 Antworten
VW baut kaum noch in Deutschland
von Klug99 | #9-1

Man sollte nicht nur WAZ und Gewerkschaftsblätter lesen! Und bevor man anderen Leuten Blödsinn vorwirft, sollte man erst einmal den eigenen Wirtschaftssinn stärken!

Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von wkah | #9-2

Richtig - man sollte FAZ, Wirtschaftsmagazin , usw. lesen

Dann wird der Blödsinn ihrer aussage klar.

25.02.2013
11:16
Woche der Wahrheit - Opel will Aus für Bochum besiegeln
von Klug99 | #8

VW baut kaum noch in Deutschland! Aufgrund der teuren Tarife wird mehr und mehr Produktion ins Ausland verlagert!
Und wenn die Opel-Herrschaften nicht mit ihren Mega-Tarifen runtergehen, werden die bald vom Arbeitsamt bezahlt!
Wie kann man nur sehenden Auges in die ******* laufen?

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