Wo Naschen im Job ausdrücklich erwünscht ist
08.10.2009 | 18:24 Uhr 2009-10-08T18:24:00+0200
Bonn. Beim Naschen am Arbeitsplatz verstehen viele Unternehmen keinen Spaß. Im Zweifelsfall reicht ein Biss ins Frikadellenbrötchen für die Kündigung. Das sehen aber nicht alle Firmen so. Bei Haribo ist Probieren sogar erwünscht – die Mitarbeiter sind Qualitätskontrolle und Gradmesser zugleich.
Ein Biss von den Frikadelle am Firmenbüffet oder eine Kostprobe vom Brotaufstrich können Arbeitnehmer den Job kosten. Jüngst hatte der Fall einer Sekretärin für Aufsehen gesorgt, die unerlaubt ein Brötchen und eine Bulette gegessen hatte. Der Arbeitgeber hatte ihr daraufhin gekündigt. Der Fall beschäftigt zurzeit das Arbeitsgericht Dortmund. Eine fristlose Kündigung bekam vor wenigen Monaten auch der Mitarbeiter eines Bäckereiunternehmens, der an seinem Arbeitsplatz einen Brotaufstrich aus firmeneigener Produktion gegessen und nicht bezahlt hatte. In diesem Fall hatte das Landesarbeitsgericht in Hamm die Entlassung allerdings für unwirksam erklärt.
Nur Sorgen um die Figur
Die weltweit rund 6100 Mitarbeiter bei Haribo müssen sich darüber keine Gedanken machen. Sie dürfen bei den Gummibärchen, Drops und Bonbons nach Herzenslust zugreifen – und müssen sich höchstens Sorgen um ihre Figur machen. „Wir sehen das locker, schließlich sind wir ein Familienunternehmen“, erklärt Sprecher Marco Alfter. Über die Kündigungen nach Bagatelldelikten kann er nur den Kopf schütteln: „Das ist lächerlich. Und langfristig schaden sich die Firmen selbst damit, weil ihr Ruf in der Öffentlichkeit leidet.“
Bei dem Süßwarenhersteller mit Sitz in Bonn wird das Naschen nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich erlaubt. „Wir profitieren davon, denn die Mitarbeiter sind unsere Vorkoster“, erklärt Alfter. „Für uns ist das permanente Qualitätskontrolle.“ So fallen den Angestellten schnell Unterschiede in der Produktion auf – und das Unternehmen kann umgehend reagieren.
Wenn neue Süßigkeiten eingeführt werden, darf die Belegschaft mitentscheiden, ob das Produkt ankommt. „Wir haben junge Auszubildende und erwachsene Angestellte – da können wir direkt an verschiedenen Zielgruppen testen“, sagt der Sprecher. Und um die Akzeptanz bei den ganz kleinen Naschkatzen zu erproben, werden sogar die Kinder im Betriebskindergarten nach ihrer Meinung gefragt.
Und was sagen die Mitarbeiter zur Gratis-Verköstigung der Schnuckereien vom Fließband? „Besonders neue Kollegen freuen sich natürlich erstmal und schlagen sich gern den Bauch voll.“ Einen Freifahrtschein für Süßigkeiten haben die Mitarbeiter allerdings nicht. Nachdem ein Kollege die Bonbons nämlich gleich kistenweise aus der Firma geschleppt und auch noch verkauft hatte, müssen die Leckereien von nun an im Unternehmen bleiben.

23:18
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10:56
wow, Qualitäts(PR)journalismus der Spitzenklasse.
07:52
Die Gründe für die Kündigungen wegen Bagatellen sind einfach nur vorgeschoben.
Wenn mann einen Hund bewerfen will, findet man immer einen Stein.
Denn jede Firma muß - besonders bei Abfindungen - sparen!
00:26
Endlich mal ein Beitrag, der statt Fehlleistungen von Managern zu geiseln, Richtigleistungen lobt.
Die Medien sollten häufiger jene Manager, die ihre Mitarbeiter würdig und ihre Kunden fair behandeln, lobend erwähnen, damit sich andere daran ein Beispiel nehmen.
Die Menschen dürften ruhig wissen, dass es neben Abzockern und Ausbeutern auch Charakterköpfe und Menschenfreunde gibt.
00:23
#6 Die schlichte Märchenwelt war eine reale Welt, ich habe über Jahrzehnte in ihr gearbeitet und sie genau beobachtet, ich war täglich im engen Windschatten derer da oben und bekam fast alles mit, und das, was ich hörte und sah, was auch ich gebeten wurde zu erledigen, genügte schon vollauf für meine Eindrücke ...
22:58
# ayberger,
genau - die gleichen Erfahrungen habe ich ebenfalls.
Es ist schon ein großer Unterscheid, ob sich die Arbeiterschaft etwas erlaubt oder die Teppichabteilung zuschlägt. Sobald der Führungsstab sich so verhält wie die Beschäftigten ist es immer für die Belange der Firma; egal was es ist.
Schließlich erfahre ich immer noch jeden Tag diese Praxis. Das ist nun einmal ein Märchen - Quatsch .... die Wirklichkeit aus der schlichten Welt.
22:23
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20:41
@ #5
Sie leben in einer sehr einfachen und schlichten Welt. Die da oben sind alle faul, korrupt und gierig und nur zu beneiden und die da unten sind alle fleißig, ordentlich, selbstlos und bemitleidenswert.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Ich freue mich schon auf ihr nächstes Märchen aus ihrer schlichten Welt.
18:05
Der einfache Mitarbeiter einer großen Firma war Hallenfeger, unermüdlich und gewissenhaft kehrte er tagtäglich und jahrelang die riesigen Flächen und kippte den Kehricht in große Sammelbehälter, vorher sortierte er gefundene Kleinteile wie krumme Nägel, rostige U-Scheiben und deformierte Schräubchen aus, sammelte sie in einer Konservendose und, als diese gefüllt und beim Ausgang in seiner Tasche war, wurde er vom Pförtner geschnappt und anschließend fristlos entlassen. Er hätte seinen Vorgesetzten vorher fragen und um einen offiziellen Torschein bitten müssen ...
Währenddessen saßen etliche Hauptabteilungsleiter und Prokuristen in der Verwaltung in ihren Büros, ließen von ihren Sekretärinnen Privatbriefe schreiben und endlos private Fotokopien anfertigen, telefonierten stundenlang herum in privaten Angelegenheiten mit Banken, Versicherungen, Maklern, Handwerkern und Rechtsanwälten, feilten emsig an ihren Spesenabrechnungen und beschäftigten ihre Mitarbneiter mit preisgünstigen privaten Besorgungen ...
17:57
Recht so, wer unbegrenzt futtern darf, faßt die Produkte nach einer gewisen Zeit nicht mehr an, weil sie ihm schlichtweg zum Halse raushängen.