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Wirbel um den "Elektro-Schocker"

22.06.2007 | 06:17 Uhr

Der Rücktritt von EnBW-Chef Utz Claassen sorgt weiter für Unruhe. In einem Geheimpapier wird er scharf kritisiert. Wer es in Umlauf brachte, ist nicht klar. Feinde aber hat der Manager sich in seiner Karriere genug gemacht

Essen. Wirklich Verwunderung hat die Rücktrittsankündigung von EnBW-Chef Utz Claassen zum 1. Mai 2008 nicht ausgelöst. Wahrscheinlich eher Erleichterung bei zahlreichen Managern des viertgrößten deutschen Energiekonzerns. Claassen, 44, machte sich seit seinem Amtsantritt 2003 wenig Freunde.

Es begann mit einem harten Sanierungskurs, dem Austausch verdienter Manager und einer Neuorientierung des Konzerns. Claassen sieht EnBW heute gut aufgestellt. Der Großaktionär Electricit?e de France (EdF) sieht das möglicherweise anders. So zitiert das Handelsblatt aus einem Papier, in dem EdF angeblich kein gutes Haar an Claassen lässt. Es heißt, Claassen habe den Konzern zu einem "baden-württembergischen Regionalversorger" herabgewirtschaftet. EdF dementierte rasch, dieses Papier je verfasst zu haben, EnBW bekräftigte, Claassen bleibe bis zum Ende seines Vertrages im Amt.

Vielleicht haben ja Claassens Widersacher das ominöse Schriftstück in Umlauf gebracht. Schließlich hat sich der Manager viele Feinde gemacht. Als Chef des Biotechnologie-Unternehmens Sartorius feuerte er 20 Führungskräfte. Später im Ländle legte er sich mit Politikern an. Schnell wurde er in den Medien mit Spitznamen betitelt, als "Elektro-Schocker", "Rambo" oder "Bulle von Baden".

Höhepunkt der Nickeligkeiten war eine Auseinandersetzung mit dem früheren Chef der Stadtwerke Düsseldorf, Hans-Otto Christiansen. Der hatte Claassen bei der Übernahme der Stadtwerke durch EnBW mit Idi Amin verglichen, "mit einem Messer zwischen den Zähnen, und das Blut läuft an den Mundwinkeln herunter". Die Auseinandersetzung ging bis vor das Oberlandesgericht.

Dies war nicht der letzte Rechtsstreit für Claassen: Vor zwei Wochen entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe, dass er sich wegen Vorteilsgewährung verantworten muss. Grund: Claassen hatte als "Weihnachtsgruß" Ende 2005 Eintrittskarten an sieben Politiker für die Fußball-WM in Deutschland verschickt. EnBW war einer der Hauptsponsoren der Weltmeisterschaft und hatte dafür ein Kartenkontingent erhalten.

Auch in einem zweiten Fußball-Fall sorgte Claassen für Schlagzeilen: Auf sein Betreiben hin wurde 2005 der Trainer Reinhold Fanz nach einer Woche beim damaligen Zweitligisten Karlsruher SC (KSC) geschasst. Mit ihm hatte der EnBW-Chef, dessen Unternehmen Sponsor beim KSC war (und noch ist), eine Rechnung offen. Während seiner Zeit als Präsident bei Hannover 96 hatte er Coach Fanz fußballerische Fähigkeiten abgesprochen. Auch hier landete Claassen vor dem Kadi. Fanz ließ sich eine Wiederholung der Aussagen untersagen.

Ein einfacher Typ ist Claassen nie gewesen, schwer einzuschätzen und eitel. Viele seiner oft farbenfrohen Hemden waren mit dem Kürzel "UC" bestickt. Er trug Goldkettchen und funkelnde Armbänder. Medienberater arbeiteten in der Folge an seiner Außendarstellung, allen voran der schillernde Klaus Kocks.

Ob Claassen nun wegen seiner Leistungen oder wegen der Strippenzieherei seiner Berater oft bei der Besetzung hochkarätiger Posten im Gespräch ist, bleibt offen. So wird sich wohl bald klären, ob der künftige RWE-Chef Jürgen Großmann tatsächlich Claassen als Manager will oder ob das einmal mehr von "interessierter Seite" lanciert wurde.

Von Wolfgang Pott und Christopher Shepherd

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