Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Wirtschaft

"Wir haben immer noch nur 24 Stunden pro Tag"

10.08.2012 | 08:05 Uhr
Foto: /dapd/Mark Keppler

Immer sofort verfügbar, keine Verpflichtung und vor allem ohne Anstrengung - die Beliebtheit von Computerspielen lässt sich für den Zeitforscher Hartmut Rosa leicht erklären. "Man muss nicht viel Zeit, Vorwissen oder Energie investierten, um etwas herauszubekommen", sagte der Soziologieprofessor von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wenige Tage vor Beginn der Computerspiele-Messe Gamescom.

Jena (dapd-nrw). Immer sofort verfügbar, keine Verpflichtung und vor allem ohne Anstrengung - die Beliebtheit von Computerspielen lässt sich für den Zeitforscher Hartmut Rosa leicht erklären. "Man muss nicht viel Zeit, Vorwissen oder Energie investierten, um etwas herauszubekommen", sagte der Soziologieprofessor von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wenige Tage vor Beginn der Computerspiele-Messe Gamescom im dapd-Interview. "Ich habe sofort was davon, ohne Vorinvestition."

Zugleich empfänden Menschen heute aber auch ein Bergdorf, abgeschnitten von Flughäfen und Bahnhöfen oder Handys, Internet und Fernsehen, als reizvoll. "Das hätten wir früher als Inbegriff äußerster Rückständigkeit gedeutet, jetzt leisten wir es uns von Zeit zu Zeit, um uns einmal etwas Gutes zu tun", erklärte Rosa. "Tatsächlich ist es so, dass wir heute als großen Luxus betrachten, was wir vor wenigen Jahrzehnten noch als einen Zustand von Armut und Deprivation verstanden hätten."

Heute seien solche Orte ein Gegenentwurf zu einer schnelllebigen Zeit, in der immer mehr Menschen über Stress und Zeitmangel klagen. "Man hat am Ende des Tages so gut wie nie all das geschafft, was man hätte schaffen wollen und sollen", sagte Rosa. Das Problem sei, "dass wir zwar alle möglichen Dinge steigern und vermehren können, nicht aber die Zeitressourcen."

Die Zahl der Güter sei ebenso gewachsen wie die der Handlungsoptionen und Kontakte, erklärte der Forscher. "Aber wir haben immer noch nur 24 Stunden pro Tag, um sie auf die vielen Optionen zu verteilen, das heißt, pro Ding, Option oder Kontakt steht uns immer weniger Zeit zur Verfügung."

Gerade in diesem Zusammenhang sieht Rosa Computerspiele kritisch. "In empirischen Studien geben viele Befragte notorisch an, sie hätten nie Zeit für das, was ihnen wirklich wichtig ist, für das, was sie eigentlich tun wollten - dabei sehen sie vier Stunden am Tag fern oder spielen viele Stunden Computer." Dabei könne das Zocken zum echten Problem werden: Das Spielen könne "durchaus suchtförmigen Charakter annehmen, ganz ähnlich wie das Fernsehen".

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

 
Aus dem Ressort
Niemand will mit Barbie spielen - Umsatzrückgang bei Mattel
Kult-Puppe
Jahrzehntelang waren Barbie und Ken aus Kinderzimmer der Mädchen weltweit nicht wegzudenken. Aber jetzt schwächelt der Umsatz von Hersteller Mattel: Die Verkäufe der Puppen-Ikone fielen im ersten Quartal um 14 Prozent. Schuld sind wohl Smartphones und Konsolen.
Taxifahrten und Gemüse könnten mit Mindestlohn teurer werden
Arbeitsmarkt
Mit der Einführung des Mindestlohns könnten Taxifahrten und Saisongemüse deutlich teurer werden. Das fürchten zumindest die Branchenverbände. So müsste eine durchschnittliche Taxifahrt um 15 Prozent teurer werden, heißt es. Auch für Spargel müssten Verbraucher mehr zahlen.
Flughafen BER wird laut einem Experten nicht vor 2017 fertig
Großprojekt
Wann werden am neuen Hauptstadtflughafen Passagiere abgefertigt? Ein Verkehrsexperte aus dem Bundestag hat angeblich Erkenntnisse dafür, dass es noch länger dauert als bisher gedacht. Der Betreiber widerspricht: "Nein, das entspricht nicht dem Sachstand der Flughafengesellschaft."
Zulieferer Continental könnte in GM-Skandal hereinrutschen
Massen-Rückruf
Der deutsche Automobil-Zulieferer Continental könnte in den Skandal um General Motors rutschen. In den USA wird eine Conti-Tochter verklagt, weil von ihr produzierte Airbags für den amerikanischen Konzern nicht funktioniert haben sollen.
Amazon-Mitarbeiter streiken mitten im Ostergeschäft
Streiks
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi macht weiter Druck auf den Online-Versandhändler Amazon. Am Donnerstag, unmittelbar vor Ostern, legten erneut Beschäftigte im Leipziger und in den beiden hessischen Verteilzentren in Bad Hersfeld die Arbeit nieder. Etwa 900 Mitarbeiter nehmen an dem Streik teil.