Wiege der Spitzentechnik

Hagen/Iserlohn..  Es ist ein Gradmesser für die Innovationskraft und wohl auch für die Zukunftsfähigkeit: Die Region Iserlohn-Lüdenscheid-Hagen-Witten verfügt über ein besonders dichtes Netz kleiner Spitzentechnik-Unternehmen und Entwicklungsschmieden. Das geht aus dem jüngsten Hightech-Atlas für Deutschland hervor, den die Plattform Spotfolio aus Grafschaft bei Bad Neuenahr aufgelegt hat.

370 dieser Unternehmen mit zehn bis maximal 50 Mitarbeitern zählt Spotfolio im Gebiet der Städte und Gemeinden, deren Postleitzahl mit 58 beginnt. Für Westfalen sei das, neben dem Raum Bielefeld/Paderborn, die höchste Zahl. Von diesen Firmen gehen „viele volkswirtschaftlich bedeutende Impulse aus“, stellt Spotfolio fest. „Kandidaten für den Global Player von morgen“, nennt Christoph Heer, Geschäftsführer von Spotfolio, die Unternehmen.

Berlin als Beispiel

Dabei sind etliche der 370 schon gut auf dem Weltmarkt unterwegs, denn: „36 der Unternehmen haben eigene Patente, zwei sogar mehr als zehn“, erklärt Heer. Für die Region ergebe sich daraus ein unschätzbarer Wert, urteilt der Spotfolio-Mann – und lenkt den Blick auf Berlin.

Die Hauptstadt sei derzeit die Boom-Town für kleine Hightech-Unternehmen; ein „Start-up-Biotop, durchaus auf einer Höhe mit London“. Daraus leitet Heer ab: „Was Berlin macht und ist, kann die Region Hagen-Iserlohn im Kleinen nachmachen!“ Seine Stichworte: Cluster-Bildung (Netzwerke) und Crowdfunding (Schwarmfinanzierungs)-Plattformen, damit die jungen und kleinen Unternehmen zu Geld kommen. Heer: „Der Fantasie sind da eigentlich keine Grenzen gesetzt.“ Ein schnelles Wachstum der Betriebe sei nicht ungewöhnlich; „gute Renditen“ gäben Anreize für Investoren. Und: „Es können überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze entstehen.“

Die Bezeichnung Hightech-Unternehmen gilt in der Definition von Spotfolio nicht etwa allein für Firmen der IT-Branche; die Plattform hat nach Branchenkennziffern die Basisdaten des Bundesanzeigers abgefragt. Zu Hightech-Unternehmen zählen demnach auch Betriebe in den Sparten Autozulieferer, Maschinenbau oder Metallbearbeitung und -verarbeitung. Grundlage für die Zuordnung zum Hightech-Sektor ist laut Spotfolio ein Verfahren des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW); danach erfolge die Aufgliederung nach Spitzentechnik und hochwertiger Technik in der Industrie, in technologieintensiven Dienstleistungen und Software. In der Klassifizierung Spitzentechnik müssen die Unternehmen eine „durchschnittliche Forschungs- und Entwicklungsintensität“ von über sieben Prozent aufweisen, bei der hochwertigen Technik muss sie bei 2,5 bis sieben Prozent liegen.

Keine Überraschung

Für Dirk Hackenberg von der südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) in Hagen ist das Ergebnis des Hightech-Atlas keine Überraschung, sondern eine Bestätigung: Der Fachmann für Innovation und Regionalmarketing spricht von einer „Branchenkonzentration“ im Bereich Hagen-Iserlohn-Lüdenscheid.

„Viele Unternehmen arbeiten mit der Fachhochschule Südwestfalen und deren Instituten zusammen“, verweist er auf die kurzen Wege zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, die seit dem Strukturförder- und Veranstaltungsprogramm „Regionale 2013“ noch kürzer geworden sind: mit dem Projekt Transferverbund. „Technologie-Scouts fragen in Unternehmen Problemstellungen ab und suchen nach Lösungen an der Fachhochschule“, erläutert Hackenberg das Prinzip des Austauschs. Partner bei der Finanzierung des Verbunds sind die Fachhochschule selbst, die Handelskammern in Hagen und Arnsberg und die Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Kreise Soest, Hochsauerland und Märkischer Kreis. Das Geld scheint gut angelegt: in die Zukunftsfähigkeit der Region.