Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Pannen & Affären

Wie Verbraucher ihre Daten schützen können

02.11.2009 | 13:11 Uhr
Wie Verbraucher ihre Daten schützen können

Essen. Immer mehr Firmen mit seriösem Anstrich wie die Postbank oder staatsnahe Unternehmen wie die Bahn geraten ins Visier der Datenschützer. Was die Firmen mit den Verbraucherdaten machen, bleibt in der Regel so lange geheim, bis eine Datenpanne öffentlich wird. Machtlos sind Verbraucher nicht.

In den vergangenen Tagen haben sich die Fälle von Datenskandalen gehäuft. So gewährte die Postbank Tausenden freien Finanzberatern den Einblick in die Kontobewegungen der Kunden. Datenschützer kritisieren die Internet-Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, da potenzielle Arbeitgeber dort problemlos an sensible Bewerberdaten kommen. Und beim Online-Buchhändler Libri standen Kundenbestellungen ungesichert im Netz. Tipps des kommissarischen Landesbeauftragten für Datenschutz, Roland Schlapka.

Gibt es mehr Datenskandale als früher?

Laut Roland Schlapka hat sich die Zahl von Datenskandalen „objektiv” nicht unbedingt erhöht. Doch: „Es wird nun mehr Missbrauch aufgedeckt.” Das liege daran, dass die Menschen durch die aktuellen Datenaffären sensibilisiert seien. „Sie wenden sich jetzt schneller an uns.” Allerdings sei zu beobachten, dass mehr Firmen mit seriösem Anstrich wie die Postbank oder staatsnahe Unternehmen wie die Bahn ins Visier der Datenschützer gerieten.

Wie können Bürger erkennen, ob sie Opfer von Datenmissbrauch wurden?

„Das ist leider sehr schwierig”, sagt Schlapka. Denn: Unternehmen seien nur dann verpflichtet, die Öffentlichkeit über Datenpannen zu informieren, wenn Daten abhanden gekommen seien. Wenn sie dagegen unrechtmäßig Informationen sammelten, würden sie dies natürlich nicht offen legen. Dennoch: „Bürger können daher bei Unternehmen und Organisationen nachfragen, welche Daten von ihnen gespeichert sind und was weitergegeben wird. Die Firmen sind auch verpflichtet, darüber Auskunft zu geben.”

Was sind die Gefahren?

„Das Hauptproblem ist die Verknüpfung von Daten”, sagt Schlapka. So lasse die Bestellung eines Buches etwa über Depressionen nicht unbedingt einen Rückschluss auf den Besteller zu. „Vielleicht will sich die Person nur über die Depressionen der Großmutter informieren.” Lasse sich jedoch über soziale Netzwerke im Internet feststellen, dass der Besteller des Buches in einer Selbsthilfegruppe für Depressionskranke sei, „dann gewinnt diese Information eine neue Dimension” – auch für Arbeitgeber. Sehr problematisch seien da ebenfalls Bluttests, die etwa Daimler von Bewerbern angefordert habe.

Höchst sensibel seien zudem Kontodaten. „Das Konto legt das Leben des Bürgers offen, was er wo kauft, welche Arztrechnungen er begleicht, einfach alles”, sagt der NRW-Datenschützer. Solche vertraulichen Informationen könnten Unternehmen für – oft unerwünschte – Werbezwecke einsetzen. Das dürften sie aber nicht.

Was können Bürger tun?

Wenn Bürger nicht wollten, dass ihre Daten beispielsweise für Werbezwecke verwendet und weitergeleitet würden, sollten sie dies den Unternehmen und Banken mitteilen. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen gebe es zwar oft einen Passus, der die Unternehmen dazu ermächtige. „Dagegen kann man aber Widerspruch einlegen.”

Was können Firmen tun?

„Die Unternehmen müssen mehr in die Sicherheit ihrer Systeme investieren”, so Schlapka. Diese Sicherheitstechniken gebe es bereits. Doch auch Bürger seien aufgefordert, ihre Daten sicher und vertraulich zu übermitteln.

Reichen die Datengesetze?

Schlapka fordert eine „komplette Einwilligungslösung”: Nur bei Zustimmung des Kunden dürfen Daten weitergeleitet werden. Dies umfasse aber nicht die Weitergabe von Kontobewegungen. „Das gibt so viel über das Leben des Menschen preis, dass es eigentlich gar nicht einwilligungsfähig ist.” Ebenfalls dürften möglichst keine Informationen zur Gesundheit oder zur Verschuldungssituation weitergegeben werden.

Christopher Shepherd

Facebook
 
Kommentare
02.11.2009
22:29
Wie Verbraucher ihre Daten schützen können
von robby | #7

am besten die daten für das online-portal für arbeitnehmer sofort sperren oder löschen lassen.

02.11.2009
12:45
Wie Verbraucher ihre Daten schützen können
von eaott | #6

Frau Merkel wird in Sachen Datenschutz nicht eher Ruhe geben, bis sie die Transparenz erreicht hat, die in ihrer alten Heimat, der Uckermark, geherrscht hat.

02.11.2009
11:17
Wie Verbraucher ihre Daten schützen können
von Kritiker | #5

Es gibt keinen Datenschutz. Das, was man Datenschutz nennt, nenne ich Volksverar...

02.11.2009
08:51
Wie Verbraucher ihre Daten schützen können
von strubbel | #4

#2 , sicher ist nur eines bei den krankenkassen;die gehälter der manager.

02.11.2009
08:47
Wie Verbraucher ihre Daten schützen können
von Sylke | #3

Seit ich umgezogen bin, mit neuer Adresse und neuer Kontonummer ist Ruhe (bislang).
Ansonsten gilt: Wer bislang noch nicht in sozialen Netzwerken angemeldet ist und Bücher lieber in der Buchhandnlung vor Ort bestellt, sollte dabei bleiben.
Eine komplette Einwilligungslösung wirds nie geben, weil irgendwer dann laut brüllen wird, das Arbeitsplätzen (bei den Werbefirmen, Adresshändlern, Call-Centern,...) kaputtgemacht werden.

02.11.2009
08:44
Wie Verbraucher ihre Daten schützen können
von moby | #2

Warum soll dann eine elektronische Gesundheitskarte eingeführt werden, über deren elektronischem Rezept Medikamentendaten gespeichert werden, die wiederum Rückschlüsse auf Erkrankungen zulassen? Ich habe mit meiner Krankenkase diskutiert, angeblich ist das System sicher; lachhaft!

02.11.2009
08:19
Wie Verbraucher ihre Daten schützen können
von bookeaterin | #1

Ist es nicht ein bisschen zu spät für Sicherheitsmassnahmen.

Wir sind doch eh schon gläsern.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/53735/create

Umfrage
Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Das Samsung Galaxy S III
Bildgalerie
Smartphones
Die wertvollsten Marken der Welt
Bildgalerie
Markenvergleich
"Lasst Opel nicht sterben"
Bildgalerie
Opel Bochum
Aus dem Ressort
Deutsche Textilfirmen entdecken „made in Marokko“
Mode
Konzerne wie Zara oder Diesel lassen verstärkt ihre T-Shirts und Jeans in Afrika fertigen. Die Vorteile gegenüber China liegen auf der Hand: Es ist preisgünstiger – und schneller. Kritiker sorgen sich allerdings um die Näherinnen.
13.200 Schlecker-Frauen ohne Job - Verdi gibt Politik Schuld
Schlecker
Der Gläubigerausschuss beschließt die Abwicklung des insolventen Unternehmens, da keine wirtschaftliche Perspektive erkennbar sei. 13.200 Beschäftigte verlieren damit endgültig ihren Arbeitsplatz. Gleichzeitig entbrannte ein Streit, wer für die Schlecker-Pleite verantwortlich ist.
Text 46 Kommentare 46