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Euro-Krise

Wie Spaniens verlorene Generation mit der Krise umgeht

19.07.2012 | 19:41 Uhr
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Lautstarker Protest: Junge Spanier machen ihrem Ärger über fehlende Zukunftschancen in Madrid bei einer Demo Luft.Foto: ap

Madrid.  Junge Spanier wie Maria Ochoa verlassen ihr Land, weil sie keine berufliche Zukunft sehen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist auf Rekordniveau, der spanische Staat steht kurz vor der Pleite. Trotzdem ist die junge Spanierin vorsichtig optimistisch.

„Vor allem die schlechte Arbeit der spanischen Regierungen ist schuld an der Krise“, sagt Maria Ochoa auf dem Campus der Universität Complutense in der spanischen Hauptstadt Madrid. „Aber auch die Banken und die Gesellschaft, die über ihre Verhältnisse gelebt hat, haben zur aktuellen Situation beigetragen.“ Die 22 Jahre alte Studentin gehört zu jener jungen, verzweifelten Generation ohne Zukunft in Spanien, die am meisten unter der Krise leidet.

Chancenlos und frustriert: Nach Lehre oder Studium einen Job zu finden, ist für Spaniens Nachwuchs fast unmöglich. Inzwischen ist jeder zweite junge Mensch unter 25 Jahren ohne Arbeit. Und wer etwas findet, kommt selten über einen Lohn von 1000 Euro. Die meisten jungen Spanier müssen daher den Traum von der eigenen Wohnung, vom eigenen Leben außerhalb des Elternhauses für lange Zeit begraben.

Aktionsprogramm gegen Jugendarbeitslosigkeit

„Von zwölf Leuten aus meinem Freundeskreis haben gerade einmal zwei eine Arbeit in Spanien gefunden“, erzählt Maria. „Der Rest ist nach England und in die USA gezogen oder studiert weiter, nur um nicht arbeitslos zu sein.“ Mit Fortbildungen versuchen viele perspektivlose Hochschulabsolventen, die Krisenzeit einigermaßen zu überbrücken.

Sieht ihre Zukunft nicht im eigenen Land: die junge Spanierin Maria Ochoa. Foto: Simon P. Balzert

In Spanien wachse eine „verlorene Generation“ heran, warnt die Internationale Organisation für Arbeit. Die EU-Kommission beobachtet ebenfalls mit Sorge die Chancenlosigkeit vieler junger Spanier, spricht von einem „Skandal“ und arbeitet an einem Aktionsprogramm gegen die horrende Jugendarbeitslosigkeit. Auch mit der Gesamtarbeitslosigkeit von fast 25 Prozent ist Spanien übrigens europäisches Schlusslicht.

WG-Zimmer bezahlen die Eltern

Maria, eine Journalistik-Studentin, kommt aus der Nähe der nordspanischen Stadt Pamplona. Ihr WG-Zimmer in Madrid bezahlen die Eltern. „Ohne das Geld wäre ich aufgeschmissen. Mit meinen Ne­benjobs als Babysitterin und bei einer Regionalzeitung könnte ich mich nicht finanzieren.“

Im Sommer 2013 will sie ihren Abschluss machen. Ihre Zukunft sieht sie jedoch im Ausland: „Ich werde für ein Erasmus-Jahr nach London ziehen und nach meinem Studium dort Arbeit suchen.“

Video
Madrid, 11.07.12: Der spanische Ministerpräsident Rajoy hat für das schuldengeplagte Euro-Land am Mittwoch ein umfassendes Spar- und Reformprogramm angekündigt. Es sieht Einsparungen von 65 Milliarden Euro für die kommenden zweieinhalb Jahre vor.

Auch ohne Wirtschaftskrise und Jugendarbeitslosigkeit wäre Maria wohl nach London gegangen, um ihr Englisch zu verbessern. „Aber mit der Idee, nach dem Austauschjahr wieder zurückzukehren“, sagt sie. „Jetzt werde ich sicher dort bleiben, weil es keinen Sinn macht, in Spanien Arbeit zu suchen.“

Politische Anreize ohne Erfolg

Wie Maria denken viele junge und gut ausgebildete Spanier darüber nach, ihrem Land den Rücken zu kehren. Für die heimische Wirtschaft birgt diese Massenflucht die Gefahr, dass der Nachwuchs fehlen könnte, wenn der Konjunkturmotor endlich wieder anspringt. Doch wann das sein wird, wagt niemand vorauszusagen. Trotzdem sieht Maria Ochoa für ihr Land eine Chance, auf die Beine zu kommen. Sie ist vorsichtig optimistisch: „Spanien wird sich schon wieder erholen“, sagt die Studentin, „aber es wird lange dauern.“

Simon P. Balzert

Kommentare
22.07.2012
12:42
Wie Spaniens verlorene Generation mit der Krise umgeht
von fogfog | #6

und über allem schwebt das demokratieunternehmen eu-kommission und verdient samt allen eu-beamten weiterhin richtig kohle während alle anderen sparen müssen.
brüssel braucht mehr macht da,it die beamten noch mehr abstauben können oder sind da schon irgendwelche sparmassnahmen angekommen??nein die bekommen weiterhin ihre freiflüge, langen wochenenden und 3 tage anreise für ihren urlaub usw.
lasst brüssel sterben, in den verchuldeten ländern ist das geld besser aufgehoben.

21.07.2012
16:54
Wie Spaniens verlorene Generation mit der Krise umgeht
von Hugo60 | #5

"Auch ohne Wirtschaftskrise und Jugendarbeitslosigkeit wäre Maria wohl nach London gegangen, um ihr Englisch zu verbessern. „Aber mit der Idee, nach dem Austauschjahr wieder zurückzukehren“, sagt sie. „Jetzt werde ich sicher dort bleiben, weil es keinen Sinn macht, in Spanien Arbeit zu suchen."

Viel Spaß in Großbritannien. Dort ist es nicht besser!

21.07.2012
00:28
Wie Spaniens verlorene Generation mit der Krise umgeht
von Biker72 | #4

Ja so sieht es aus..Einzelne EU Staaten gehen pleite. Zufall? Die Arbeitslosigkeit wächst innerhalb der Staaten. Zufall? Gleichzeitig sehen wir zunehmend Fusionen oder Insolvenzen. Ich hab es eigentlich schon mehrmals geschrieben, aber das ist eine Folge von Weichenstellungen... Soas wie mich nennt man "verschwörungstheoretiker", aber leider äußert sich das System bereits für jeden ersichtlich. Europa wird finanziell gegen die Wand gefahren! Aufstände sind zu befürchten, sowas gab es hier schon in den 20ern, was danach kam, weiß jeder. Der Nahe Osten wird zunehmend durch "westliche Demokratie" besetzt, den Russen stellt man evtl. noch ein Raketenabwehrschild vor die Tür, denen man keine Beteiligung daran geben will. Jeder der hier ein bisschen kombinieren kann, wird wissen, in welche Richtung das führen kann. Es gibt da leider Größen, die gar nicht wollen, dass man aus der Vergangenheit gelernt haben könnte. E shandelt sich dabei um extrem einflussreiche, machtparanoide Gestalten....

1 Antwort
Wie Spaniens verlorene Generation mit der Krise umgeht
von Biker72 | #4-1

die imstande sind, viel Elend über sehr weite Landstriche zu bringen. Sollte sich der fortlaufende Gedanke weiterhin bestätigen, wird man an 1945 anknüpfen.

20.07.2012
21:25
Wie Spaniens verlorene Generation mit der Krise umgeht
von sak1 | #3

wenn die nichtskönner der eu so weiter sparen, werden wir noch bürgerkriege bekommen, die sich gewaschen haben!

20.07.2012
16:28
Wie Spaniens verlorene Generation mit der Krise umgeht
von stefan48 | #2

BIN DOCH VERWUNDERT DAS DER WESTEN ALLE KOMMIS DIE ZU DIESEN BERICHT SCHON DA WAREN GELÖSCHT HAT

1 Antwort
Wie Spaniens verlorene Generation mit der Krise umgeht
von Biker72 | #2-1

was meinst du wohl was für Infos den westlichen Staaten erst gar nicht zugänglich gemacht werden?! Das wirkt auch hier ansteckend...hatte das gleiche auch schon ;-)

20.07.2012
16:13
Wie Spaniens verlorene Generation mit der Krise umgeht
von Hugo60 | #1

"Für die heimische Wirtschaft birgt diese Massenflucht die Gefahr, dass der Nachwuchs fehlen könnte, wenn der Konjunkturmotor endlich wieder anspringt"

Wie soll das denn gehen???????????????????


Ich empfehle Herrn Balzert die Lektüre des folengend Aufsatzes:

http://www.gew-osnabrueck.de/PAUKOS/1-2012/Grunert_Spanien.pdf

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2012-07-19 19:41
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