Wie sicher ist die Deutsche Bahn wirklich?
24.07.2009 | 07:24 Uhr 2009-07-24T07:24:00+0200
Essen. Die Sicherheitsprobleme im deutschen Schienennetz sind weit gravierender als angenommen. In einigen bisher unbekannten Fällen konnten Katastrophen offenbar nur knapp vermieden werden. Für die NRW-Grünen ist die Bahn nicht mehr so sicher wie vor 20 Jahren.
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In den letzten zwei Jahren ist es zehn Mal zu Bränden in Regionaltriebwagen gekommen, bei denen teilweise Fahrgäste unmittelbar gefährdet wurden. Nachdem zwei dieser Vorfälle im Juni und Juli diesen Jahres zu Evakuierungen der Züge führten, hat das Eisenbahnbundesamt jetzt angeordnet, dass bei den im ost- und süddeutschen Raum eingesetzten Fahrzeugen Abgas-Turbolader ausgetauscht werden müssen.
Wörtlich heißt es in dieser Verfügung: Es bestehe „für sämtliche Fahrgäste, die mit den betroffenen Fahrzeugen reisen, eine hohe Gefahr für Leben und Gesundheit”. Bei einem der Brände im Juni nördlich von Berlin hätten die 30 Insassen „zufällig glücklicherweise gerettet werden können. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass dies in jedem neu auftretenden Fall gelingen würde."
Auswirkungen auf Regionalverkehr in NRW möglich
Auch die Achs-Probleme weiten sich über den bisher bekannten Ärger mit ICE und Güterwagen aus: Nach einem Radbruch an einem Doppelstock-Fahrzeug Ende letzter Woche ermittelt die Aufsichtsbehörde, ob es sich um einen Einzelfall an dem noch in der DDR hergestellten Waggon handelt. Käme es zu einer Flottenstilllegung ähnlich wie derzeit bei der Berliner S-Bahn, könnte auch der Regionalverkehr an Rhein und Ruhr davon betroffen sein.
Der Betriebsratsvorsitzende der DB Netz AG in Nordrhein-Westfalen, der Dortmunder Norbert Schilff, bedauerte die Häufung der Vorkommnisse bei der Bahn. Er sagte der WAZ: „Dies ist aber auch die Folge davon, dass die Bahn in den vergangenen zehn Jahren bei den Herstellern der Fahrzeuge viel Schrott gekauft hat. Die Qualität lässt zu wünschen übrig." Die Führung der Bahn unter dem zurückgetretenen Vorstandschef Hartmut Mehdorn habe die Industrie zu wenig unter Druck gesetzt, Spitzenprodukte zu liefern.
Kommt es wegen der Pannen jetzt zu zusätzlichen Überprüfungen, Zugsausfällen und -verspätungen, hätten dies nicht nur die Mitarbeiter in den Werkstätten auszubaden, sondern auch die Zugbegleiter, die sich mit den verärgerten Fahrgästen auseiandersetzen müssten. „In der Belegschaft gibt es großen Unmut. Die Leute stehen eigentlich sehr positiv zu ihrem Unternehmen und zur Eisenbahn. Auch die jüngeren. Sie sind jetzt aber tieftraurig über die Zustände."
Zu strenge Hierarchien bei der Bahn
Schilff kritisierte, in der Bahn gebe es derzeit zu strenge Hierarchien, die den Führungskräften vor Ort viel zu wenig Spielraum und viel zu enge Budgets ließen. „Da sind gute Leute bei. Wenn man die machen ließe, sähe manches anders aus”.
Das Eisenbahnbundesamt greift unterdessen strikt durch. Innerhalb weniger Wochen hat es in diesem Sommer wegen der aufgetretenen Sicherheitsprobleme mehrere „Allgemeinverfügungen” - das sind Sicherheitsanweisungen - erlassen, an die sich die DB AG wie auch die Privatbahnen halten müssen. Die Notbremse, die das Bonner Amt zieht, kann dabei erhebliche ökonomische Auswirkungen haben. Allein die nach dem schweren Unfall von Viareggio mit bis heute 22 Toten angeordnete Überprüfung der Güterwagenachsen würde bedeuten, dass mehrere zehntausend Fahrzeuge in die Werkstätten müssen und zum Gütertransport nicht zur Verfügung stehen. Nach WAZ-Informationen will das Amt im Herbst eine endgültige Entscheidung fällen. Für Donnerstag waren die Eigner der Güterwagen in die Bonner Amtszentrale zu einer nichtöffentlichen Anhörung bestellt. Auch die EU-Kommission sieht die Notwendigkeit zu handeln. Sie hat für September eine Krisenkonferenz einberufen.
Massive Rauchentwicklung in Frechen
Untersucht wird vom Bundesamt auch noch der Vorgang am 27. Juni in Frechen bei Köln. Dabei hatte es in einem doppelstöckigen Regionalexpress massive Rauchentwicklung gegeben, die durch die Klimaanlage noch verstärkt wurde. 18 Menschen erlitten zum Teil schwere Rauchvergiftungen, auch, weil die Türen nicht automatisch geöffnet wurden. Möglicherweise muss die Bahn jetzt ihr Notfall-Management ändern.
Die Häufung der Zwischenfälle sorgt auch für Warnungen im politischen Bereich. Der Verkehrsexperte der Grünen im NRW-Landtag, Horst Becker: „Die Vorgänge zeigen, dass die Bahn nicht mehr genau so sicher ist wie vor 20 Jahren." Er fordert den Bundesverkehrsminister auf, „endlich und kurzfristig ohne jede Rücksicht alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen."

13:50
Und es wird noch schlimmer, die Hersteller haben auch massiv Stammpersonal abgebaut. Die Arbeit machen jetzt Werkvertragler aus...........?????
So wie www.train-ing-gmbh.de (bevor jetzt wieder wild zensiert wird, ein Unternehmen, dass direkt auf Homepage Seite eins mit den Referenzen Siemens und Bombardier wirbt, sollte im Sinne einer freien Meinungsäßerung auch genannt werden dürfen)
Tja, das wird wohl ein Problem mit den Rollkuren, hat man ja beim ICE gesehen. Da werden sich die Bahnkunden aber auf was einstellen müssen.
Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft unsere Betriebsräte und Vertrauensleute unseren Politikern auf die Füße gestiegen sind. Passiert ist nichts, gar nichts.
Und was den angeblichen Schrott angeht, den die Hersteller liefern: Unsere Züge fahren europa- und weltweit zur größten Zufriedenheit der Bahnbetreiber und Bahnkunden. Auch die älteren Einheiten:
http://de.wikipedia.org/wiki/DB-Baureihe_628
Die halten aber auch alle Wartungsintervalle ein - und bauen neue Netze, wo es notwendig ist.
12:06
Wundert das irgendjemanden?
Also mir war von Anfang an klar, dass die Bahn nach der Privatisierung Gewinne machen muss, und diese auch machen wird - alles fuer die Aktionaere. Gewinne koennen nur durch Kostenersparnisse gemacht. Das bedeutet:
- entlassen von Personal
- schliessen von Betriebsstaetten
- stilllegung unrentabler Strecken
Wie dumm muss man sein, um zu nicht erkennen, dass beim Abbau von Personal die Servicequalitaet sinkt:
- weniger Personal bedeutet weniger Mitarbeiter im Verkauf und Service
- weniger Personal bedeutet weniger Qualitaetssicherung
- weniger Personal bedeutet mehr Belastung der noch vorhandenen Arbeitnehmer
- und eine hoehere Arbeitsbelastung bedeutet weniger Motivation und hoeherer Krankenstand
- ein hoeherer Krankenstand bedeutet mehr Belastung der noch arbeitenden Arbeitnehmer
Kurzum: ein Teufelskreis!
In der Welt der Unternehmen zaehlt nur eines: MEHR GEWINN!
Es ist eine Katastrophe, wenn ein Unternehmen nur noch 1,2 Mrd. US$ Gewinn macht statt 1,4 Mrd. US$.
11:19
Die Bahn ist ein Unternehmen das nicht weiss was es will. Einerseits möchten sie in der freien Wirtschaft ein aktiennotiertes Unternehmen werden. Andererseits können sie ab nicht von der Beasmtenmentalität der Vergangenheit lassen und die verkrusteten Strukturen aufbrechen.
10:00
Mit dem letzten Satz haben sie absolut recht, bezog sich auf den Kommentar von @audio001
09:24
Mit dem letzten Satz haben sie absolut recht.
Die Folgen der Privatisierung bekomme wir noch Heute zu spüren.
Das Image der Bahn ist, um es einmal gelinde auszudrücken nicht gut.
Wenn sie Eisenbahn fragen, vor allem die „Altgedienten“, dann werden
sie von vielen die Antwort bekommen: „seit der Privatisierung läuft nichts
mehr so richtig rund“ und das im wahrsten Sinne des Wortes. Kompetenzen-
gerangel aber auch Verleugnen derselben sind an der Tagesordnung. Für
viele ist Kundennähe ein Fremdwort und wenn, dann geht es nur um „Produkte“
deren Verkauf gut fürs Unternehmen sind bei geringstmöglichem Aufwand.
Viele Entscheidungsträger bei der Bahn könnten ebenso gut ein Bordell betreiben oder Pommes verkaufen, letztendlich zählen für sie nur schwarze Zahlen und die damit verbundenen persönlichen Erfolgsprämien.
09:15
Artikel derwesten vom 15.6.2009 ansehen, dann ist jede Frage beantwortet.
07:55
Auf die, die berechtigterweies vor der Privatisierung der Bahn gewarnt haben, und genau dieses Szenario beschrieben haben, hat keiner gehört!- man hat sie als diei ewig Gestrigen abgetan!
Bis heute, hat sich der Deutsche Bundestag nicht bequemt, diese fatale Privatisierungs-Entscheidung zurückzunehmen!
Und wer glaubt die Privatisierung der Bahn sei vom Tische, dem sei gesagt: Er irrt!
22:12
sorry, ....Maß wie wir es jahrzehnte hatten.
22:10
@gb
Interesse an einer kaputten Bahn hat niemand wirklich.
Aber Interesse an einer rein gewinnorientierter Bahn ist der Knackpunkt und in meinen Augen gleichzeitig eine Ursache der jetzigen Misere. Ein komplexes Verkehrs-Infrastrukturunternehmen wie die Bahn lässt sich nicht führen wie ein auf Herstellung von Produkten ausgerichtetes Unternehmen wie z.B. BMW.
Eine weitere Schwierigkeit ist das die Bahn auch weniger lukrative Strecken unterhalten und bedienen muss. Aber diese Strecken gehören nun mal auch zu einem gut ausgebauten Verkehrsnetz in unserem Staat; zu dessen Grundaufgaben es gehört, dem Bürger eine gute Infrastruktur anzubieten. Ob dabei nun aus kaufmännischer Sicht Gewinne gemacht werden, sollte im gewissen Sinne zweitrangig sein. Damit hier kein Missverständnis aufkommt, ich bin nicht für eine defizitäre Bahn, in einem Maß wir es jahrzehnte hatte. Aber ich bin erst recht nicht für eine kaputtgesparte Eisenbahn, in die man Angst haben muss einzusteigen
21:33
Neben dem Vertuschen der Bahng AG kommt noch die Jaherelange Schlafmützigkeit des Eisenbahnbundesamt hinzu.