Wie Ölmultis den Spritpreis treiben
22.05.2011 | 20:28 Uhr 2011-05-22T20:28:00+0200
Essen. Das Bundeskartellamt hat über drei Jahre lang die Preisbewegungen an 400 Tankstellen beobachtet. Ergebnis: Fünf Benzin-Konzerne beherrschen den Markt. Aral und Shell preschen abwechselnd bei Preiserhöhungen vor.
Preisabsprachen kann das Bundeskartellamt der Mineralölwirtschaft zwar nicht nachweisen. Nach einer dreijährigen Untersuchung kommen die Wettbewerbshüter aber zu dem Schluss, dass fünf große Spritanbieter den deutschen Markt beherrschen. Weitere Fusionen will das Kartellamt deshalb nicht zulassen.
Nach Ostern hatte der Preis für den Liter Super-Kraftstoff erstmals die psychologische Hürde von 1,60 Euro überschritten. Mit Spannung wurden deshalb die Ergebnisse einer Studie des Bundeskartellamts erwartet. Über drei Jahre lang hat es die Preisentwicklungen jeweils an 100 Tankstellen in den Großräumen Hamburg, Köln, Leipzig und München genau beobachtet. Am Donnerstag will Kartellamtspräsident Andreas Mundt die Resultate präsentieren. Erste Einzelheiten, über die „Spiegel“ und „Bild am Sonntag“ berichten, sickerten aber schon am Wochenende durch.
Danach teilen sich die fünf großen Mineralölgesellschaften Aral/BP (23,5 Prozent Marktanteil), Shell (22 Prozent), Jet (zehn Prozent), Esso und Total (jeweils 7,5 Prozent) rund 70 Prozent des Kraftstoffabsatzes in Deutschland unter sich auf. Absprachen in Hinterzimmern hat dieses Oligopol gar nicht nötig. Die Wettbewerbshüter fanden laut Medienberichten in den vier untersuchten Regionen immer wieder dasselbe Schema vor: Die Marktführer Aral und Shell preschen abwechselnd bei Preiserhöhungen vor. Zumeist geschieht das am Wochenbeginn, vor Feiertagen und Ferien. Die anderen Gesellschaften schließen sich an.
Beobachtungssystem
Nach wenigen Stunden bröckelt die Preisfront aber schon wieder, weil kleinere Tankstellen-Ketten und auch Supermarkt-Anbieter versuchen, mit günstigeren Preisen die Autofahrer anzulocken. Das bleibt den Ölmultis natürlich nicht verborgen: Sie unterhalten bundesweit ein ausgeklügeltes Beobachtungssystem. Oft setzt sich der Tankwart auch selbst ins Auto, notiert sich die Spritpreise seiner Nachbar-Tankstellen und meldet seine Beobachtungen an die Zentrale.
Verlangen freie Tankstellen weniger für das Benzin, lenken in der Regel auch die Großen ein und senken die Preise. Nach einigen Tagen starten die Konzerne den nächsten Versuch. Den kleinen Tankstellen und Autofahrern, die gezielt günstigere Anbieter ansteuern, kommt in dem System also eine gewichtige Rolle zu. „Bild am Sonntag“ zitiert dazu den verkehrspolitischen Sprecher des Automobilclubs ADAC, Björn Dosch: „Die Mineralölgesellschaften schaukeln gegenseitig den Preis hoch. Erst wenn die Käufer streiken, geben die Preise auch wieder nach.“
Kritik am Kartellamt
Kartellamtschef Mundt will nun die Fusionskontrolle verschärfen. Den großen Mineralölgesellschaften soll so der weitere Zukauf freier Tankstellen erschwert werden.
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg/Essen nennt die Erkenntnisse des Kartellamts mager: „Es ist schon verwunderlich, dass unser Kartellamt so lange braucht, um herauszufinden, was jeder Führerscheinneuling weiß. Etwas mehr Substanz vom Kartellamt hätte man sich schon gewünscht“, sagte Dudenhöffer dieser Zeitung.

10:01
Das Problem ist nur, dass es keinen wirklichen Markt gibt, egal wo man nun tankt, irgendwo muss man es tun. ich gehe mal davon aus, dass die freien Tankstellen sowieso nicht die Preise von den Raffinerien bekommen, um dauerhaft deutlich günstiger anzubieten.
09:55
Alte BWL Weisheit: Die Nachfrage regelt den Preis.
Also immer brav die teuren Marken ansteuern. Dann kann ja die nächste Erhöhung kommen.
09:06
Beliebt der Vorwurf, Steuern würden die Benzinpreiae mit hochtreiben,
Aber das gilt dann für alle Produkte.
Die Mineralölsteuer inklusive der Ökosteuer ist kein prozenzualer Aufschlag sondern es ist ein Festbetrag. Je höher der Spritpreis, desto geringer ist der prozentuale Anteil dieser Steuer.
Nur der Betrag der Mehrwertsteuer steigt absolut.
Das tut sie aber immer , wenn der Handel die Preise erhöht.
08:59
Bundeskartellamt und was feststellen???
Die haben sage und schreibe 3!!! Jahre gebraucht, um etwas festzustellen, was jeder Autofahrer eh schon wusste.
Und, das Kartellamt darf nur das feststellen, was ihnen die Politik vorgibt.
Und, solange der Staat kräftig am Sprit mitverdient, wird sich auch nichts ändern.
Also ist diese ganze Unteruchung was für den Ascheimer...
08:38
Es ist einfach umwerfend, wie hochbezahlte Beamte des Bundeskartellamts nach eingehender Studie zu der Erkenntnis gelangen, dass die Mineralölpreise zu hoch sind ... Respekt!
Aber wie wäre es, das Bundeskartellamt zu schließen und stattdessen die ehemaligen Beamtengehälter und -Pensionen zur Reduzierung der Preise verwenden würde?
08:25
Klar ist der größte Anteil beim Sprit der Steueranteil, aber auch wenn so mancher darüber meckert, das ist richtig so. man sollte aber aufhören uns weismachen zu wollen, Preisschwankungen am Ölmarkt hätten irgendwas mit den derzeitigen Preisen zu tun, insbesondere die Schwankungen von teilweise bis zu 6-8 cent an einem einzigen Tag. Unsere Gesellschaft ist derart vom Öl abhängig, dass das Ölkartell im Grunde machen kann was es will, gekauft wird das Zeug immer. Und genau deswegen müssen wir so schnell es geht vom Öl weg, ein größeres Projekt noch als der Atomausstieg, aber unabdingbar. Wenn dazu die Mineralölsteuer weiter steigen muss, meinetwegen, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Gelder auch tatsächlich an die Verbraucher zurückfließen, die sich bewusst vom Öl abwenden und auf Alternativen setzen (die natürlich erst einmal vorhanden sien müssen). Elektro, Hybrid und vor allem auf lange Sicht Wasserstoff müssen für die breite Masse verfügbar werden, ohne massive Subventionierung wird das nicht klappen.
08:08
Mein Gott, dass die Ölmultis seit Jahren die Autofahrer abzocken, ist alt wie Methusalem. Genauso ist es mit der Abschaffung der kalten Progression. Geschwafelt wird immer, aber wenn etwas dagegen getan werden soll, verläuft alles im Sande oder die Wahl ist vorbei. Vergessen werden sollte nicht, dass der Staat immer fleißig mitkassiert, damit all die Subventionen, Transfergelder und sonstigen Überweisungen an sonst wen bezahlt werden können. Volksverdummung hoch drei !
07:57
Was ist an dieser Feststellung neu ???
07:55
Würden bei Grundnahrungsmitteln ähnliche dreiste Handlungsweisen bezüglich des Preisgebarens der Hersteller vorherrschen, wäre diesem schnell ein Riegel vorgeschoben worden. Doch hier, wo der Staat bei jeder Erhöhung überdimensional an Mineralöl- u. Mehrwertsteuer mitverdient, darf der Bürger (der im Normalfall auf mindestens ein Verkehrsmittel mit Benzineinspeisung angewiesen ist) die Zeche im vollen Umfang und zu jeder Urlaubs- und Wochen- wie Tageszeit zahlen. Je nach Gusto, Verkehrsaufkommen oder meinethalben Sonnenstand werden die Preise angezogen. Das hat Diebesgilden-Mentalität.
Aber anstatt den deutschen Autoherstellern das (Serien-) 3-Liter-Auto statt des SUV ins Stammbuch zu diktieren, wird dem Autofahrer politscherseits ein sowohl technisch nicht ausgereiftes als auch umwelt- und nahrungsschädliches Benzin flächendeckend (und preissteigernd) untergejubelt.
Schlimm daran und trotz der wahrlich unglaublichen Auswertung der Karteller bleibt, dass nun kein politisch Zuständiger in Aktion tritt und dieses freche Abkassieren beendet.
07:53
Und was sagt uns das - in bestimmten Branchen versagt die Privatwirtschaft vollkommen indem sie das aushebelt was der Kapitalismus als Basis braucht - Freien Wettbewerb.