Wie ein Hagener Unternehmen Sonnenkraft im Keller einlagert

Strahlen angesichts der Marktperspektiven mit der Sonne um die Wette: Markus Vetter, Marketing-Leiter bei Kostal (li.) und Klaus Kellmann, Leiter Qualitätssicherung, an der firmeneigenen Photovoltaik-Anlage.
Strahlen angesichts der Marktperspektiven mit der Sonne um die Wette: Markus Vetter, Marketing-Leiter bei Kostal (li.) und Klaus Kellmann, Leiter Qualitätssicherung, an der firmeneigenen Photovoltaik-Anlage.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Das Hagener Unternehmen Kostal Industrie Elektrik glaubt an den Markt mit Solarstrom und bringt ein neues Speichersystem auf den Markt.

Hagen.. Mit einem neu entwickelten Speicher für Strom aus Sonnenenergie setzt Kostal Industrie Elektrik auf exakt den Marktbereich mit Solarstrom, der wohl die größten Wachstumschancen bietet – und nimmt die Länder Türkei und China als Absatzmärkte in den Blick.

Der Markt mit Solarstrom hat in Deutschland in den letzten Jahren einen dramatischen Wandel durchlaufen: Während die Kosten für Photovoltaik-Anlagen teils bis zu 70 Prozent gesunken sind – und damit auch die Margen für deren Hersteller –, ist auch die Einspeisevergütung zurückgegangen, aber der Preis für Strom flächendeckend gestiegen.

Wirtschaft Für Privathaushalte wie für gewerbliche Kunden. Gestiegen ist ebenso die Nachfrage nach Speichersystemen, mit denen sich der aus der Sonnenkraft produzierte Strom auf Abruf „lagern“ lässt. Mit ihren Wechselrichtern und Speichersystemen der Piko-Reihe will die Kostal Industrie Elektrik dieser Entwicklung Rechnung tragen.

Die Piko Battery Li ist ein schwarzer Kasten in der Größe einer Waschmaschine. Etwas höher vielleicht, aber kaum breiter. Die silbernen Einschübe sehen aus wie Schubladen. Sie sind die eigentlichen Stromspeicher, ganz ähnlich wie wiederaufladbare Batterien. Zum System gehört noch ein Wechselrichter, der aus dem Gleichstrom der Photovoltaik-Anlage Wechselstrom macht.

Die Piko-Systeme baut Kostal Industrie Elektrik in seinem Werk unmittelbar neben der A 45 in Höhe des Hagener Kreuzes. Vom Bestücken der Leiterplatten, dem Gehirn des Photovoltaik-Systems, über den Zusammenbau der Einzelteile und der Endkontrolle – inklusive einem knapp dreistündigen Härtetest – bis hin zur versandfertigen Verpackung für den Großhandel.

Kostal wirft den Blick rund um die Welt

Das neue Speichersystem „arbeitet auf einer Lithium-Ionen-Basis und ergänzt das Vorgängermodell, das mit einer Blei-Gel-Technologie ausgerüstet war“, erklärt Markus Vetter, Diplom-Ökonom bei Kostal.

Der Fortschritt zeigt sich auch rein äußerlich: Der neue Piko-Speicher ist rund Eindrittel kleiner geworden. Und trägt neben dem Kostal-Schriftzug das Sony-Logo als Zeichen für den neuem Kooperationspartner; der Vorgänger war eine Koproduktion mit den Briloner Batteriespezialisten Hoppecke.

„Während der Markt für die Photovoltaik-Anlagen selbst rückläufig ist, wächst die Nachfrage nach Speichersystemen enorm“, beschreibt Vetter die Aussichten. Und liefert Zahlen dazu: Alleine in Deutschland steigt die Zahl der Speichersysteme von unter 2000 im Jahr 2012 auf prognostizierte 19.000 im nächsten Jahr.

Kostal wirft aber den Blick rund um die Welt: In China etwa solle die Leistung aus Photovoltaik-Anlagen bis zum Jahr 2019 120 Gigawatt (GW) betragen; die Türkei wolle bis zum Jahr 2023 bis zu drei GW aus Sonnenenergie gewinnen. Zum Vergleich: Die Kohle-Blöcke des Enervie-Kraftwerks in Werdohl-Elverlingsen hatten zusammen eine Leistung von 700 Megawatt (MW).

Für den Markt in Deutschland wirbt Kostal mit der Solarstromproduktion weniger für die Einspeisung ins öffentliche Netz – sondern für den Eigenverbrauch. Das mache Investitionen in Solaranlagen auch in Zukunft attraktiv: Während der Strom unvermindert weiter teurer werde, werden Photovoltaik-Anlagen günstiger. Wer den selbst erzeugten Solarstrom speichert und selbst verbraucht, senke seine Energiekosten, weil er weniger Strom aus dem öffentlichen Netz verbrauche. Deshalb auch die Wechselrichter: Die Solarmodule erzeugen aus dem Sonnenlicht Gleichstrom, der als solcher im Haushalt nicht nutzbar ist; elektrische Geräte brauchen in aller Regel Wechselstrom. Diese Umwandlung übernimmt der Wechselrichter.

Eigene Anlage vor der Fabrikhalle

Bei der Nutzung der Solarenergie macht Kostal selbst mit: „Rund 3,5 Prozent des Energiebedarfs am Standort Hagen decken wir selbst mit einer eigenen Photovoltaikanlage, die mit Wechselrichtern aus unserem Hause ausgestattet ist“, berichtet Klaus Kellmann: Das reiche immerhin aus, um den Standort mit Strom zu versorgen – allerdings ohne die energieintensive Produktion. Und: Die Anlage liefert Daten für eine künftige Weiterentwicklung.