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Eurokrise

Wie die EU das "System Sparkasse" bedroht

08.08.2012 | 19:17 Uhr
Wie die EU das "System Sparkasse" bedroht
Dortmunds Sparkassenchef Uwe Samulewicz (links) und Verbandspräsident Fahrenschon sehen das System Sparkasse durch Brüssel bedroht.

Dortmund.   Der neue Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, will die 423 Sparkassen in der Republik und die Einlagen der Sparer davor schützen, in der Eurokrise in Haftung genommen zu werden.

Der neu gewählte Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) ist nicht einmal 100 Tage im Amt. Von Schonfrist hält der ehemalige bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) aber weder für sich noch für andere etwas.

Auf seiner Antrittsreise zu den Sparkassen quer durch die Republik, verteidigt er die bodenständigen Kreditinstitute gleich einmal mit Klauen und Zähnen: „Die Sparkassen werden durch Himmel und Hölle gejagt und die Großbanken und Headgefonds machen sich einen schlanken Fuß“, wetterte der 44-jährige ehemalige Bundestagsabgeordnete gestern beim Besuch der Sparkasse Dortmund – noch ganz im Stile eines Berufspolitikers. Es gehe ihm darum, die Einlagen des kleinen Sparers davor zu schützen, im Zuge der Eurokrise mühsam erspartes Vermögen zu verlieren.

INFO
Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes

Der Münchner Georg Fahrenschon (44) ist Betriebs- und Volkswirt.

Von 2002 bis 2007 Mitglied des Bundestages für die CSU.

Ab 2007 bis 2008 Staatssekretär im Bayerischen Finanzministerium; von 2008 bis 2011 Bayerischer Finanzminister.

Seit Mai 2012 Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes mit Sitz in Berlin. Der Verband vertritt die Interessen von 423 Sparkassen und 7 Landesbanken und entwickelt für sie Marktstrategien.

„Unsere Sparer dürfen nicht ein zweites Mal zur Kasse gebeten werden“, stimmte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Dortmund, Uwe Samulewicz, ein – mit Blick auf die im EU-Vergleich höhere Belastung und niedrigere Lohnentwicklung der Deutschen in den letzten zehn Jahren.

Ausweitung des Einlagensicherungsfonds lehnt Fahrenschon ab

Eine Ausweitung des deutschen Einlagensicherungsfonds auf den gesamten Euroraum lehnt Fahrenschon ab. Ebenso wie die Vergemeinschaftung der Schulden aller Euroländern. Samulewicz sprach sich dafür aus, die Vermögenden in den Krisenstaaten angemessen zur Kasse zu bitten. Das sei bislang nicht angemessen geschehen, obwohl „etwa in Italien erhebliches Privatvermögen vorhanden ist.“

Fahrenschon werde „in Brüssel dafür werben, dass die richtigen Konsequenzen aus den Fehlern der letzten zwei Jahrzehnte in der Bankenindustrie gezogen werden.“ Aus seiner Sicht gehört dazu eine Restrukturierung der spanischen Banken nach deutschem Sparkassenmodell. In Bezug auf die Staatshaushalte empfiehlt er einen strikten Sparkurs und Strukturreformen, „die nicht über neue Schulden finanziert werden“. Die aktuelle Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Mario Draghi kritisiert er schonungslos: „Ich warne davor, dass sich die EZB von der deutschen Stabilitätskultur entfernt.“ Für diese Kultur steht nicht zuletzt das System der Sparkassen.

Jens Helmecke

Kommentare
07.09.2012
00:02
Wie die EU das
von buerger99 | #11

Will die EU nun auch den Geld-Schatz der Sparkassen heben und hier auch an deutsches Geld kommen ?
Man sieht doch das die EZB zur Zeit alles macht....
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2012-08-08 19:17
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