Wie Börsenanleger von Twitter profitieren können

TweetTrader.net zeigt, was Investoren über 500 wichtige Aktien twittern. Screenshot: DerWesten
TweetTrader.net zeigt, was Investoren über 500 wichtige Aktien twittern. Screenshot: DerWesten
Wer an der Börse investiert, braucht Informationen - etwa aus Fachmedien und von Analysten. Lohnen könnte sich aber auch ein Blick auf TweetTrader.net. Die Seite zeigt, was Twitter-Nutzer über Aktien sagen. Das taugt als Stimmungsbarometer.

München/Goch.. Allmählich muss sich Timm Sprenger darüber Gedanken machen,wie er seine Doktorfeier finanziert. Ein paar Monate noch, dann will er Dr. Sprenger sein. Er kommt vom Niederrhein, promoviert an der TU München und erforscht, wie Twitter-Einträge beim Geld verdienen helfen können.

„Grundsätzlich geht es darum, die Weisheit der Massen zu nutzen“, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler. Sein Analyseverfahren betrachtet täglich mehrere tausend Einträge, in denen sich Twitter-Nutzer über Aktien äußern. Zuvor hat er in einer Studie einen dicken Block an Tweets untersucht - 250.000 Stück. Mit dem Ergebnis: Das Stimmungsprofil einer Aktie bei Twitter ähnelt deren Kursentwicklung. Oft hat Twitter dabei sogar bis zu einem Tag Vorsprung.

Kein Schlüssel zum Reichtum - aber ein Indiz

Konkret geht es um die 500 Unternehmen, die im amerikanischen Aktienindex S&P 500 enthalten sind. Schreibt jemand positiv über Goldman Sachs? Negativ über Hewlett-Packard? Auf TweetTrader.net wird aus der Stimmung der Twitter-Massen ein Indikator dafür, wie sich die Aktie möglicherweise weiter entwickelt. Wer sich von Mai bis Juni 2010 beim Investieren darauf verlassen hätte, käme auf bis zu 15 Prozent Rendite.

„Der heilige Gral, der Schlüssel zum Reichtum - das ist es nicht“, warnt Sprenger. „Eher ein weiteres Marktsignal, ähnlich wie die Einschätzungen von Analysten.“ Und dann sagt er einen Satz, bei dem man ihm den Wirtschaftswissenschaftler anhört. „Der Preis ist ja letztlich auch die aggregierte Meinung der Käufer.“ Diese Meinung soll seine Webseite sichtbar machen.

Wie verhindert man Spam und sinnlose Tweets?

Und was tut er gegen Twitterer, die keine Ahnung haben? Wie filtert man Unfug und Unwissen heraus? Sprenger vertraut zunächst einmal auf die Selbstreinigungskraft des Systems. Wer viel Ahnung habe, gewinne dadurch mehr Follower (Abonnenten bei Twitter) und könne damit rechnen, dass seine Tweets besonders oft weitergereicht werden.

Zusätzlich soll TweetTrader künftig aber auch eigene Anti-Spam-Mechanismen bekommen. Und für alle, die sich bis dahin schon einmal orientieren wollen, hat Sprenger in seinem Blog eine Liste veröffentlicht: Die zehn besten Twitter-Tippgeber für Investoren - und die zehn schlechtesten.