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Werksschließung in Bochum? - GM verliert die Geduld mit Opel

09.02.2012 | 10:37 Uhr
Werksschließung in Bochum? - GM verliert die Geduld mit Opel
General Motors erwägt angeblich, das Opel-Werk in Bochum zu schließen.

Bochum/Rüsselsheim.  Der Opel-Mutterkonzern General Motors verliert anscheinend die Geduld. Laut einem amerikanischen Medienbericht erwägt der Konzern die Schließung des Bochumer Werks. Die deutsche Opel-Zentrale will das nicht kommentieren. Der Betriebsrat ist sauer und spricht von "Geschäftsschädigung".

Was wird aus dem Bochumer Opel-Werk? Noch vor wenigen Monaten gab sich Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke mit Blick auf die nächsten Jahre optimistisch. „Wir können jetzt schon absehen, dass das Werk auch in den nächsten drei, vier Jahren gut ausgelastet sein wird“, sagte Stracke im November den Zeitungen der WAZ-Gruppe. „Bochum ist für uns ein wichtiges Werk.“

Doch nun scheint es, als seien diese Worte nur Lippenbekenntnisse. Der US-Autohersteller General Motors (GM) zieht nach einem Bericht der US-Zeitung „Wall Street Journal“ die Schließung des Opel-Werkes in Bochum in Erwägung. Unter Berufung auf einen Vertreter des Opel-Mutterkonzerns schrieb das Blatt, bei GM werde über eine Schließung des Werkes in Bochum mit 3100 Beschäftigten und des Werkes im englischen Ellesmere Port mit 2100 Mitarbeitern diskutiert.

Aus der Opel-Zentrale in Rüsselsheim wird der Bericht nicht dementiert. Auf die Frage, ob es zutreffe, dass Schließungspläne für das Bochumer Werk existieren, antwortete ein Konzern-Sprecher: „Dazu möchten wir nicht Stellung nehmen.“ Derzeit gebe es Gespräche zwischen dem Management und den Arbeitnehmervertretern über das weitere Vorgehen. „Die Euro- und Finanzkrise hat große Auswirkungen auf die Automobilindustrie in Europa. Opel muss in schwierigen Zeiten profitabel arbeiten“, betonte der Opel-Sprecher. „Management und Arbeitnehmervertreter führen Gespräche, um die Situation zu verbessern, sowohl auf der Einnahmen- als auch auf der Kostenseite.“

Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel reagierte verärgert auf die neuen Spekulationen über das Ruhrgebietswerk. „Diese Gerüchte werden immer wieder in die Welt gesetzt. Das brauchen wir nicht, wir brauchen Ruhe, um gute Autos zu bauen“, sagte Einenkel im Gespräch mit den Zeitungen der WAZ-Gruppe. „Es ist schon die Frage, wer da bewusst Geschäftsschädigung betreibt. Es gibt ganz klare Verträge mit General Motors, die alle Werke in Europa absichern. Wir erwarten, dass sich GM auch daran hält.“

Einen möglichen Hintergrund im Zusammenhang mit den derzeitigen Gehaltsverhandlungen von Opel mit der Gewerkschaft IG Metall sehe er nicht, erklärte Einenkel. „Es gibt Gespräche – und noch kein Ergebnis, also auch keinen Grund für GM, die Keule rauszuholen.“ Zudem müsste das Werk Bochum vor diesem Hintergrund eher sicherer sein, denn hier werde noch unter Tarif gezahlt.

Dennoch scheint der Opel-Mutterkonzern GM die Geduld mit seiner deutschen Tochterfirma zu verlieren. „Es gibt eine zunehmende Unzufriedenheit mit Opel und ein Gefühl, dass die Einschnitte vor zwei Jahren nicht tief genug waren“, zitierte das „Wall Street Journal“ einen namentlich nicht genannten GM-Manager. „Wenn Opel repariert wird, wird es jetzt repariert“, sagte der Manager demnach - und: „Die Einschnitte werden tief sein.“ In den ersten neuen Monaten 2011 machten Opel und seine Schwestermarke Vauxhall einen Verlust von 580 Millionen US-Dollar, umgerechnet 445 Millionen Euro. Seit dem Jahr 2000 schreibt Opel kontinuierlich rote Zahlen. Als General Motor während der Wirtschafts- und Finanzkrise in große Schwierigkeiten geriet, gab es auch bei Opel in Europa ein umfängliches Sanierungsprogramm. 8000 von 48.000 Arbeitsplätzen in Europa wurden gestrichen.

Durch die Euro-Krise gerät Opel-Chef Stracke noch stärker als bisher unter Druck. Die Gewinnziele will er trotz der stärker werdenden Zurückhaltung der Kunden halten. „Unser Ziel ist es, auch in einem schwächeren Marktumfeld profitabel zu arbeiten. Wir müssen solide Gewinne erwirtschaften. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen“, sagte der Opel-Chef unlängst.

Zuletzt hatte Opel in Bochum kräftig investiert. Allein für den Start des neuen Zafira-Modells habe Opel 175 Millionen Euro in das Revier-Werk gesteckt, betonte Stracke Ende vergangenen Jahres. Zu diesem Zeitpunkt bezeichnete er das Werk in Bochum als „sehr gut“ ausgelastet. Mit Blick auf 2012 sagte der Opel-Chef: „Wir werden im kommenden Jahr in Bochum mehr Autos bauen als 2011. In diesem Jahr liegen wir bei rund 135.000 Fahrzeugen, für das nächste Jahr rechnen wir mit rund 170.000 Autos.“ Derzeit produziert Opel drei Modelle in Bochum – den Astra Classic, den Zafira Family und den neuen Zafira Tourer.

Opel Zafira vom Band

 

Ulf Meinke und Thomas Wels

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Kommentare
09.02.2012
20:02
Werksschließung in Bochum? - GM verliert die Geduld mit Opel
von Herbert57 | #10

Der Mindestlohn in Griechenland soll auf 586 Euro (brutto) im Monat gesenkt werden.
Der Tagelohn auf 26,19 Euro.
Da will GM auch hin !
Ein kleiner Vorgeschmack für Opel.Dann muß die ARGE eben "aufstocken".
Streik zwecklos.Das Werk wird sonst sofort zugemacht.
Andere Baustelle:
Daimler fährt Rekord um Rekord ein.
Die Scheere in D. geht immer schneller und immer weiter auseinander.
Opel kann nur überleben,wenn qualitativ hochwertige Autos (Familiengerecht)
für unter 10 000 Euro produziert und verkauft werden.
Wenn nicht,ist bald entgültig Schluß !

09.02.2012
17:34
Werksschließung in Bochum? - GM verliert die Geduld mit Opel
von Pinky00 | #9

Das läuft auf eine ganz miese Nummer hinaus wie damals bei Nokia. Opel hätte nie an GM gehen dürfen. Dass hier in Deutschland kaum noch Umsatz gemacht wird, liegt nicht an dem Werk oder weil die Leute, die da arbeiten zu wenig machen. Zum einen kriegt das Opel Werk Modelle, tut mir leid, die sind einfach nicht gefragt. Von daher schon eine recht bescheidene Ausgangslage. Zusätzlich kommt noch die Tatsache, dass sich immer weniger Menschen in D einen Neuwagen leisten können und wenn se sich einen leisten können... mal ehrlich: Wieviele suchen sich denn von denen den Zafira aus? Da wird dann doch eher ein BMW oder ein Benz oder ein VW gekauft, weil wenn schon, dann richtig. Das sind aber alles Fehlkalkulationen von GM, da kann das Werk in Bochum rein gar nichts dafür. Aber genau das soll darunter leiden? Bochum hätte besser niemals nach GM gehen sollen. Damit war und ist wahrscheinlich der Untergang schon besiegelt, wenn cih mir überlege, dass die dortigen Auszubildenden während der Ausbildung gesagt bekommen, dass sie nach der Ausbildung nur noch über die Firmeneigene Zeitarbeitsfirma beschäftigt werden. Top Motivation. Woher ich das weiß? Es hat speziell über die Zeitarbeit vor Jahren schon eine Doku gegeben in dessen Rahmen sich der Typ als Leiharbeitnehmer hat beschäftigen lassen. Sonst noch irgendwelche Fragen zur Politik von GM? Traurig.

1 Antwort
Werksschließung in Bochum? - GM verliert die Geduld mit Opel
von Kadett1960 | #9-1

Nur zur Information, Opel gehört bereits seit 1929 zum GM-Konzern. Das Werk in Bochum gibt es erst seit1962.

09.02.2012
12:06
Rache der Amis
von vflwilli | #8

Vor ein paar Jahren wurde im Bochumer Opelwerk massiv mit Unterstützung der Bevölkerung protestiert und auch gestreikt, aus gutem Grund und Verständnis für die Belegschaft. Das haben die Amis bis heute nicht vergessen, dass da ein gewisser Druck ihnen gegenüber aufgebaut wurde. Und ich glaube immer noch daran, dass das Opelwerk in einem Federstrich aus Übersee ausradiert wird, aus Rache, da man damals eine Schlappe erleiden musste. Wen interessiert schon in den USA Bochum, die wissen doch gar nicht wo diese Stadt überhaupt liegt, und was davon abhängt.

09.02.2012
11:58
Wo sind die Warnstreiks?
von cwkl | #7

Bei der erst "gestern" aufgeflammten Thyssen-Krupp Hysterie akm es sofort zu Warnstreiks. Wo sind die hier bei Opel? Oder ist es inzwischen zu kalt für unbegründete Arbeitsniederlegungen geworden?

09.02.2012
11:24
Werksschließung in Bochum? - GM verliert die Geduld mit Opel
von Kadett1960 | #6

Opel schafft es doch noch nicht einmal in Deutschland und Europa nennenswerte Zuwächse zu erzielen. Unter diesen Voraussetzungen den Blick auf die Märkte in Übersee und Asien zu richten ist doch lächerlich. Opel produziert ausschliesslich Massenware, die Aufgrund der hohen Produktionskosten in Deutschland dort keinen Abastz finden würden. VW, BMW, Audi und Mercedes verdienen auf diesen Märkten mit ihren Premium-Produkten ihr Geld.

08.02.2012
17:45
Opel-Chef meidet klares Dementi zur Schließung des Bochumer Werkes
von karnevalsprinz | #5

Die bittere Wahrheit ist:
GM benötigt zwar dringend das Know-How aus Deutschland, aber nach eigener Auffassung nicht die Marke Opel. Ohne die Möglichkeit, auf deutsche Ingenieurskunst und Patente zuzugreifen, wäre GM mal gerade vom Vergaser auf Einspritzung umgestiegen. Bis heute haben in den USA entwickelte und gefertigte Fahrzeuge Karosseriefugen, bei denen man sich sorgen muss, dass keine Vögel darin nisten.
Dazu kommt, dass Opel seitens GM immer daran gehindert wurde, seine Fahrzeuge auf dem internationalen Markt anzubieten. Dass auf dem begrenzten deutschen Markt kein unbegrenztes Wachstum ist, leuchtet ein. Alle deutschen Mitbewerber fahren ihre Gewinne mittlerweile in den USA und Südostasien ein, Märkte, auf denen Opel nicht vertreten sein darf. Da GM den wichtigen deutschen Markt garantiert nicht aufgeben wird, darf man gespannt sein, welche umgelabelten Modelle man uns demnächst andrehen will. Dass das selbst unter der noch vorhandenen Marke Opel nicht funktioniert, hat schon der Antara gezeigt - billigste Dreckstechnik zum anspruchsvollen Preis, das hat fast jeder potentielle Käufer durchschaut.

08.02.2012
17:40
Opel-Chef meidet klares Dementi zur Schließung des Bochumer Werkes
von schlimm | #4

Nächste Woche werden die Finanzergebnisse von Opel bekanntgegeben. Die heutigen Schreiben an die Belegschaft von Herrn Stracke und GBR Schäfer-Klug sind nur Beruhigungsschreiben an die Bochumer Belegschaft. Warum wurde der neue Zafira einschließlich Lackierung probeweise in Rüsselsheim gebaut? Nach der Bekanntgabe der Finanzergebnisse, wissen die beiden Herren mehr?

08.02.2012
15:18
Werksschließung in Bochum? - GM verliert die Geduld mit Opel
von clarissimus | #3

Wieder so ein Klug_s-c-h-e-i-s-s-er99

1.)Sollte man sich Fragen warum Opel Minus macht.
2.)Sind über Jahre Managementfehler gemacht worden,die seid Jahren schon von Opel Mitarbeiter Weltweit durch immer weniger Geld ausgebügelt werden mußten.
2.)Sollte man sich Fragen,ob man unter Tarif arbeiten würde
3.)Sollte man wenn man keine Ahnung hat einfach mal die Klappe halten.

1 Antwort
Werksschließung in Bochum? - GM verliert die Geduld mit Opel
von buntspecht2 | #3-1

#3Gebe ihnen völlich recht

08.02.2012
13:28
#1
von Klug99 | #2

Das ist die Folge der gewerkschaftlichen überzogenen Tarife! Allerdings ist die Entwicklung seit Jahren zu beobachten! Und ich kann nicht glauben, daß diese Entwicklung in den gewerkschaftlichen Chefetagen unbekannt ist! Nur wenn man die Wahrheit anpackt, wackelt der Stuhl!

1 Antwort
Werksschließung in Bochum? - GM verliert die Geduld mit Opel
von Notschrei | #2-1

dummes Geschwätz

08.02.2012
12:36
Werksschließung in Bochum? - GM verliert die Geduld mit Opel
von karlosdallos | #1

400 Mio Verlust bei 40 000 Mann und 9 Monaten,

= 12 500 pro Kopf und Jahr

Da würde ich als Arbeitgeber auch die Notbremse ziehen.

Aber wie?
Den Zeitarbeitern kann man ja kaum 1 000 Euro im Monat wegnehmen !

Da muessen dann die festangestellten mit 1250 monatlich dran glauben.


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