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Christliche Unternehmenskultur

Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten

27.02.2009 | 10:11 Uhr
Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten

Düsseldorf. Moral und Gewinnstreben müssen sich nicht ausschließen - wenn die christlichen Werte zählen. Viele Unternehmer bekennen sich dazu. Sie treffen sich in Düsseldorf zu einem Kongress.

Über der nüchternen Kongresshalle in Düsseldorf schwebt ein deutlich sichtbarer Atem. Fast jeder, der die Halle betritt, nimmt ihn war. Für die einen ist es ein Atem, der ein ganz spezielles Frommsein ausströmt. Für andere strömt er ganz spezielle Werte aus. Und von Werten, von christlichen Werten, ist sehr viel die Rede. Denn in Düsseldorf treffen sich bis Samstag 3500 christliche Führungskräfte aus der Wirtschaft zu einem Kongress.

Bibel und Bilanz – geht das überhaupt zusammen? Sind Moral und Gewinnstreben nicht Gegensätze? Darf ein christlicher Unternehmer Mitarbeiter entlassen? Michael Bommers, Geschäftsführer eines Kosmetik-Unternehmens mit 50 Mitarbeitern, lächelt. „Woran man einen christlichen Unternehmer erkennt? Er geht anders mit seinen Mitarbeitern um.” Wie anders? „Für ihn sind die Mitarbeiter immer bemerkbar. Er verhält sich christlich, wenn er nicht nur ans Geldverdienen denkt, sondern Verantwortung für die Mitarbeiter übernimmt.” Werde ein Beschäftigter krank, „dann geb ich den nicht auf, dann begleite ich ihn durch diese Phase.”

Entlassungen richtig abfedern

Und wie steht es mit Entlassungen? Der christliche Geschäftsführer lässt sich nicht aus der inneren Ruhe bringen. Wenn die Firma Absatz verliere, müsse wohl auch entlassen werden. „Da geht es dann aber um die Frage: „Wie. Ich muss es abfedern.” Und dann sagt er mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt einen Satz, der so ungewöhnlich klingt, dass er alles Selbstverständliche aus dem Rahmen holt: „Das ist wirklich wichtig: dass der Chef auch für seine Mitarbeiter betet. Das tue ich.” Er lächelt wieder, aber er sieht dabei überhaupt nicht weltabgewandt aus; im Gegenteil, dieser Unternehmer steht offensichtlich sehr fest auf dem Boden dieser Wirtschaftswelt. Aber der Boden besteht für ihn eben aus den ganz speziellen Werten.

Von Werten redet auch Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in seinem Grußwort. Er stellt fest, dass es in der Finanz- und Wirtschaftskrise meist nur darum gehe, wie sie monetär überwunden werden könne. Dies sei auch wichtig. Doch er vermisse die Frage nach Grundsätzen oder Werten in der Debatte. Dann spricht er den schwierigen Begriff der „Leitkultur” an, die es brauche. Er verstehe den Begriff nicht im Sinne einer Herrschaftskultur, gemeint sei eine Kultur „die begleitet ist aus Werten des christlich-jüdischen Abendlandes und der Aufklärung”.

Werte, mahnt später der Präses der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, hätten in der Finanzkrise eine besondere Bedeutung bekommen. Doch diese Werte ließen sich nicht produzieren „wie Instant-Kaffee – Wasser drauf und fertig. Werte müssen aus einer Lebenshaltung wachsen.” Für Thomas Müller-Kirschbaum, Leiter der Forschung beim Henkel-Konzern, sind Werte „gewonnene Erfahrung”.

„Jesus ist die Autorität”

Hinten, in der Kongresshalle, strömt immer noch der spezielle Atem. Da stellen sich die ungezählten christlichen Unternehmen vor, der Grüne Umweltfonds Murphy und Spitz zum Beispiel; Klartext, die Lautsprecheranlagen machen und Projektionen, der Verlag Down to Earth (zurück zur Erde), evangelikal angehauchte Missionswerke, das Unternehmen Biblische Reisen oder auch Contrust, eine Versicherungsmakler GmbH für Industrie, Handel und Gewerbe. Ihr Geschäftsführer, Julius Martini, antwortet auf die Frage, ob er für eine höhere Provision nicht auch mal Risiko-Bewertungen schöne. „Das können wir uns gar nicht leisten. „Unser Ziel ist ja: Die Kunden so lange wie möglich zu halten.” Und außerdem: „Wir wissen, bei dem was wir tun, dass unsere Autorität Jesus ist. Wenn wir im Betrieb zusammenstehen und reden, dann sagen wir immer: Jesus ist unser Chef.” Und da sind sie dann wieder, diese speziellen Werte, die zum Atem dieses Kongresses geworden sind.

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Angelika Wölk

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Kommentare
27.02.2009
22:13
Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten
von pogue_mahone | #16

Edit: (Excuse my faults but...) Angesichts solch unerträglich überflüssiger Artikel kann man eigentlich nur anfangen sich dem Alkohol hinzugeben oder zu kotzen!

27.02.2009
22:08
Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten
von pogue_mahone | #15

Angesichts solch unerträglich überflüssigen Artikel kann man eigentlich nur anfangen sich dem alkohol hinzugeben oder zu kotzen!

27.02.2009
21:06
Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten
von james connolly | #14

der religiöse chef schmeißt den ganzen gewinn in die luft und betet: was gott für die armen will, möge er oben behalten, alles was runterfällt gehört mir...

27.02.2009
14:53
Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten
von kuba4711 | #13

Die sog. christlichen Unternehmer werden nur noch von den sog. christlichen Gewerkschaften in ihrer Scheinheiligkeit geschlagen.
Die Volksverarsche nimmt immer pathologischere Züge an.
Auch dies ein Zeichen des Systemzusammenbruchs.
Die Wirtschaftstheologie des Neoliberalismus ist argumentativ u. tatsächlich in der Todesagonie.
Dann betet der Homo öconomicus eben.Frei nach dem Motto:Es ist die Hoffnung ,welche zuletzt stirbt.

27.02.2009
14:26
Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten
von werneralberts | #12

Als meine Mutter in einem kath. Krankenhaus starb und die Nonnen beteten, statt einen Arzt zu holen, hats mir für mein Leben gereicht. Wenn es Gott gibt und er allwissend und gütig ist, sind Gebete überflüssig. Sie stellen nur eine Belästigung des Opas mit dem langen Bart dar. Aber seit die WAZ ja keine dpa.Berichte mehr aus aller Welt bezieht, muss sie ihren Platz eben mit derartigen Quatsch-Berichten füllen.

27.02.2009
11:49
Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten
von bernieabg | #11

Christliche Unternehmer? Stehen die nicht grundsätzlich dem Calvinismus nahe?

27.02.2009
11:46
Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten
von Boris22 | #10

Vielleicht sind ja auch Manager der Kirche in ihrer Eigenschaft als Unternehmer dabei. Es kann in diesem Land kaum etwas schlimmeres geben, als Arbeitnehmer bei einer Kirche zu sein. Wenn man mal von den Gewerkschaften absieht.

27.02.2009
09:52
Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten
von windgetriebebauer | #9

Ich habe in 14 verschiedenen Betrieben der Metallindustrie gearbeitet und zur arbeite ich in Bochum. Die verantwortungsvollen Chefs, die ich persönlich kennengelernt habe, gehen in die Kirche und beten für ihre Mitarbeiter folgendes: Lieber Gott, mach das meine lieben Mitarbeiter keine hohen Lohnforderungen stellen und Sorge dafür, das sie in den Himmel kommen, aber nicht sofort.

27.02.2009
07:51
Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten
von RS | #8

Das ist wieder ein typischer Beitrag, wo die Kommentarfunktion abgeschaltet sein sollte.
Hier werden positive Werte durch negative Kommentare mal wieder niedergemacht... :-(

27.02.2009
05:18
Wenn Chefs für ihre Mitarbeiter beten
von schaunsemal | #7

Vielleicht gibt es ja einen Unterschied zwischen christlichen Unternehmern und christlichen Unternehmen. Ich empfehle einen Blick in die christliche Krankenhauslandschaft. Keine Tarifverhandlungen, wenig Mitbestimmung, Lohndumping, Ungleichbehandlung durch Anwendung unterschiedlicher Entlohnungen, massive Leiharbeit und outcourcing.
Meist steht der Pfarrer zynisch lächelnd und die Hände gefalten an der Spitze.

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