Wechsel-Hürden: Worauf sich Riester-Kunden einstellen müssen

Die private Altersvorsorge sollte regelmäßig auf den Prüfstand.
Die private Altersvorsorge sollte regelmäßig auf den Prüfstand.
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Was wir bereits wissen
Bei der Riester-Rente kann ein Anbieterwechsel gelegentlich sinnvoll sein. Verbraucher sollten dabei allerdings Probleme einkalkulieren.

Brandenburg/Havel.. Der Ruhestand steht kurz bevor und die Auszahlung der Riester-Rente an. Was tun mit dem Geld? Beim bisherigen Anbieter bleiben oder einen neuen suchen, der das über Jahre angesparte Kapital zu besseren Konditionen verrentet? Ein Wechsel zu Beginn der Auszahlungsphase ist im Riester-Renten-Gesetz verankert. Trotzdem müssen Sparer meist Hindernisse überwinden. Erst recht, wenn sie ihr Geld noch während der Ansparzeit zu einem anderen Anbieter schieben wollen.

Politik Knackpunkte sind Kosten und Verzinsung. "Anleger sollten sich unbedingt erkundigen, ob und in welcher Höhe Kosten für eine Kapitalübertragung anfallen", empfiehlt Antje Scherbarth von der in Brandenburg an der Havel ansässigen Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA). Denn vor allem Fonds- und Versicherungsanbieter verlangen Wechselgebühren. Entweder in Form einer Pauschale oder als prozentualen Anteil des bisher angesammelten Guthabens. Die genauen Konditionen stehen im Kleingedruckten der Versicherungsverträge. Die Gebühren summieren sich teilweise auf einen dreistelligen Betrag - und der muss über den neuen Vertrag erst wieder hereinkommen.

Das dürfte bei den aktuell niedrigen Zinsen schwierig sein. Deshalb wird wahrscheinlich auch die Rendite aus dem Sparanteil geringer ausfallen als in manchen älteren Verträgen. Hinzu kommt, dass die Sterbetafeln angepasst wurden. "In den neuen Verträgen wird die steigende Lebenserwartung eingerechnet. Die garantierte Riester-Rente sinkt automatisch, weil das angesparte Kapital länger halten muss", erläutert Stefan Albers, Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberater (BVVB). Der Doppeleffekt von geringerem Ertrag und höherer Lebenserwartung plus Gebühren macht nach Einschätzung von Albers "eine Kapitalübertragung von A nach B unter dem Strich unattraktiv".

Wechselgebühren vermeiden

Albers und Scherbarth zeigen einen Weg auf, um zumindest Wechselgebühren zu vermeiden: Der bestehende Vertrag wird ruhend und beitragsfrei gestellt; ein neuer mit den künftigen Beiträgen bespart. Das könnte dann zum Beispiel ein Banksparplan sein. Eventuell behält der Anbieter des alten Riester-Vertrags bei Fälligwerden der Auszahlung einen Stornoabschlag ein. Vor diesem Hintergrund sollte man abwägen, welcher Wechselschritt günstiger ist, so Scherbarth.

Rente Für die Auszahlphase steht Riester-Sparern sogar ein gesetzlich verbrieftes Wechselrecht zu. Sie können ihren Vertrag kündigen und das Kapital auf einen Versicherer übertragen, der bessere Rentenkonditionen bietet. Derzeit kämpfen Verbraucher nach Einschätzung der Stiftung Warentest dabei mit Schwierigkeiten: "Es gibt kaum Versicherer, die das Ersparte fremder Riester-Kunden in eine Rente umwandeln wollen", konstatiert Katharina Henrich von "Finanztest". Es hapere an Vergleichsangeboten, weitere Hürden seien Mindestlaufzeiten oder Altersgrenzen.

Ein Wechsel kurz vor knapp ist demnach lediglich selten drin. Henrich zufolge akzeptieren viele Gesellschaften Fremdsparer nur, wenn sie einige Jahre vor der Rentenzeit, die meist mit 60 Jahren beginnt, zu ihnen kommen. Teilweise lag das Höchstalter für eine Aufnahme jedoch bei 52 Jahren. Darüber hinaus erwarten manche Anbieter, dass die Wechselkunden ihren mitgebrachten Vertrag noch einmal einige Jahre besparen. Erst nach Ablauf dieser Mindestlaufzeit gibt es die erhoffte Rente aufs Kapital. Wer dennoch wechseln will, sollte laut "Finanztest" darauf achten, dass die Mindestlaufzeit möglichst kurz und die Höchstaltersgrenze möglichst hoch angesetzt ist.

Alternativen zum Wechsel

Es gibt Alternativen zum Wechsel. Wer zum Beispiel einen Banksparplan mit niedriger Rente erwartet, kann sich die Summe auf einen Schlag auszahlen lassen, ohne die staatliche Förderung zu riskieren. Stefan Albers erläutert die Voraussetzung: "Die monatliche Zahlung muss unter der gesetzlichen Kleinstbetragsrente bleiben." Diese liegt in Westdeutschland bei 28,35 Euro monatlich und im Osten bei 24,15 Euro. Das fällige Riester-Kapital kann dann genutzt werden, um sich einen langgehegten Wunsch zu erfüllen. Der Aufwand, lange nach einem passenden Wechselangebot oder neuen, schlechter verzinsten Anlagemöglichkeiten zu suchen, fällt weg.

Rente Eine weitere Option: Immobilienbesitzer können ihr Kapital nehmen und Schulden tilgen. Auch der altersgerechte Umbau des Wohneigentums kann finanziert werden. Noch eine Möglichkeit: 30 Prozent auszahlen lassen und den Rest in einen Bankauszahlplan bis zum 85. Lebensjahr stecken. Danach schließt sich eine lebenslange Rentenversicherung an.

Formal ist ein Anbieterwechsel bei der Riester-Rente zu Beginn der Auszahlphase einfach. Ist ein neuer gefunden, genügt es der ZfA zufolge, dem bisherigen Anbieter eine Willenserklärung zu schicken. Dabei muss die im Vertrag stehende Kündigungsfrist beachtet werden. Außerdem muss der Schritt erfolgen, bevor die Auszahlung des zu kündigenden Vertrags losgeht. Die Anbieter tauschen die Daten untereinander aus und melden die Kapitalübertragung der ZfA. (dpa/tmn)