Was tun, wenn der Traumberuf zum Alptraum wird
01.09.2010 | 16:59 Uhr 2010-09-01T16:59:00+0200
Essen. Viele Lehrlinge sind mit ihrer Ausbildung unzufrieden. Jeder Fünfte bricht sogar ab. DerWesten gibt Tipps, wie man seinen Traumberuf findet und was man tun sollte, wenn es in der Lehre nicht klappt.
Der Chef oder Ausbilder nervt. Der Job ist genau das Gegenteil von dem, was man sich vorgestellt hat. Die Leistungen in der Berufsschule reichen nicht. Jeder fünfte Auszubildende wirft die Lehre hin, bevor sie beendet ist. Der häufigste Grund sind Konflikte mit dem Chef oder dem Ausbilder. Für viele hält zudem der künftige Beruf nicht das, was man sich zuvor erträumt hat. Wie unzufrieden Azubis sind, zeigt aktuell der Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
DerWesten gibt deshalb zusammen mit Ausbildungsexperten der IHK Essen Tipps, wie man seinen Traumberuf findet und was man tun sollte, wenn es in der Lehre nicht klappt:
Ich bin zwar mit meiner Berufswahl glücklich, aber die Ausbildung im Betrieb ist schlecht. Was mache ich?
Das Schlimmste wäre, die Situation so zu akzeptieren. Denn die Gefahr besteht, dass die Unzufriedenheit wächst und die Motivation abnimmt. Das kann auch kein Chef wollen. Hans Michaelsen, Geschäftsführer Berufsbildung bei der IHK Essen, rät deshalb, zuerst mit dem Geschäftsführer oder dem Ausbilder zu sprechen. Ändert sich nichts oder traut man sich nicht selbst, die Probleme anzusprechen, kann man sich auch an die Ausbildungsberater der Kammern wenden. Diese versuchen dann zu vermitteln. In 95 Prozent der Fälle, so Michaelsen, klappt das.
Muss ich als Azubis Überstunden und ausbildungsfremde Arbeiten dulden?
Ausbildungsfremde Leistungen müssen zwar nicht akzeptiert werden. Allerdings: „Wenn es im Rahmen bleibt, sollte man sich nicht dagegen sperren“, meint Michaelsen. Gleiches gilt für Überstunden. Auch hier sollte man sich flexibel zeigen. Allerdings müssen die vergütet oder mit Freizeit ausgeglichen werden. Hält sich der Chef nicht daran, sollte man zuerst das Gespräch suchen oder sich an die Kammer wenden.
Der Ausbildungsberuf ist doch nichts für mich. Durchziehen oder besser Abbrechen?
Es kommt darauf an, meint Michaelsen. Wer kurz vor Ende der Lehre steht, sollte nicht mehr abbrechen. Schließlich hat man dann zumindest einen Abschluss und kann sich danach neu orientieren. Wer schon frühzeitig merkt, die Berufswahl war falsch, sollte besser abbrechen. Lehrlinge haben nach ihrer Probezeit vier Wochen Kündigungsfrist. Allerdings sollte man sich schon überlegen, welchen Beruf man dann möchte. Wer keine Idee hat, kann bei der Berufsberatung der örtlichen Arbeitsagentur auch eine Art Eignungstest machen. Auch die Ausbildungsberater bei der IHK oder Handwerkskammer helfen weiter. Oft gibt es auch noch nach Beginn des Ausbildungsjahres viele freie Lehrstellen, die nachbesetzt werden.
Praxis, Praxis Praxis!
Meine Leistungen in der Berufsschule sind so schlecht, dass ich befürchten muss, die Prüfung nicht zu schaffen.
Zuerst sollte man zum Berufsschullehrer gehen, und mit ihm die Situation besprechen. Auch die Eltern und der Lehrbetrieb sollten in die Gespräche eingebunden werden. Wer Nachhilfe braucht, kann zur Arbeitsagentur gehen. Sie bietet so genannte ausbildungsbegleitende Hilfen an. Eine weitere Möglichkeit könnte auch sein, die Ausbildungszeit zu verlängern.
Wie finde ich überhaupt heraus, was mein Traumberuf ist?
Praxis, Praxis und noch mal Praxis. Wer sich schon während der Schulzeit um Praktika bemüht, ist klar im Vorteil. Die vorgeschriebenen zwei Wochen in der 9. Klasse reichen oft nicht aus, um festzustellen, ob der Beruf zu einem passt, weiß Sabine Keller, Ausbildungsstellenvermittlerin bei der IHK Essen. Außerdem sollte man sich dabei nicht auf einen Beruf versteifen, sondern in mehrere Jobs, die man sich vorstellen kann, hineinschnuppern.
Wenn ich einen Ausbildungsbetrieb gefunden habe, sollte ich den Vertrag blind unterschreiben?
Viele Fragen kann man schon im Vorstellungsgespräch klären. Doch ob die künftigen Kollegen nett sind und man in das Team passt, kann man nur im Praxistest herausfinden. Deshalb rät Sabine Keller, vorher in dem Betrieb ein Praktikum zu machen. Viele Unternehmen bieten dies ohnehin schon vor Vertragsabschluss an. Das hilft beiden Seiten zu testen, ob man miteinander „kann“. Daraus folgt natürlich, dass man möglichst mehrere „Pferde im Rennen“ also noch andere Angebote haben sollte - in der momentanen Ausbildungssituation sicher nicht leicht. Deshalb sollte man auch frühzeitig mit der Lehrstellensuche beginnen - etwa ein Jahr vorher.
Weitere Informationen gibt es auf folgenden Seiten:
Die Ausbildungsseite der IHK Essen
Zum Talentcheck der Arbeitsagenturen
Weitere Informationen und Links gibt´ auch beim NRW-Arbeitsministerium
Einen Überblick über Berufe und Informationen liefert auch das Portal Azubot

11:57
# 1
War in meiner Lehrzeit auch nicht viel anders .
Kommt aber immer darauf an , was der Stift selbst daraus macht !
Interesse am Beruf,Engagement und Grundfertigkeiten wie Lesen,Schreiben , Rechnen sind da klar von Vorteil. Daran hat es bei Einigen meiner Zunft schon damals stark gehapert,entsprechend hoch war die Durchfallquote bei der Gesellenprüfung.Meine Gesellen haben jedenfalls gern mit mir gearbeitet und ich mit ihnen,da ich mir viel von ihnen abschauen konnte und auf Fragen auch immer eine richtige Antwort bekam.Die eine oder andere Stunde Mehrarbeit außerhalb des Tarifvertrages konnte ich mir immer zurückholen.Wie heißt noch der alte Spruch ? Lehrjahre = keine Herrenjahre .
Gilt heute irgendwie immer noch.
10:44
Die Ausbildung steht und fällt mit dem Ausbildungsbetrieb und der Qualität der Berufsschule. Ich habe meine Ausbildung in einer Firma angefangen , die bereits in den roten Zahlen stand.
Gut wer in einem vorbildlichen Betrieb wie Bosch in Stuttgart unterkommen kann, die Anforderungen sind aber auch hoch.
Ich würde vielen Schulabgänger ab 10- Klasse Gymnasium die Wirtschaftsschule/HöHa empfehlen, es sei denn die wollen partout die abstrakten Themen in den MINT Fächern, um dies an einer FH/UNI zu studieren. Vektorenrechnung ist für eine Ausbildung einfach zu hoch angesiedelt, in der Regel braucht man dort Dreisatz, Prozentrechnen und vielleicht Kurvendiskussion.
02:50
Höhö, IKH-Ausbildungsberater fragen... selten so gelacht. Das einzige, was die Jungs können, ist, einen zum Ausbildungsende mit realitätsfernen Prüfungen zu beglücken...
23:23
Meines Erachtens nach ist die berufvorbereitende Vorbereitung, im Ansatz, also in Schulen und Berufsinformationszentren bereits mangelhaft. Praktika werden nasenpauschal verteilt und nicht nach dem am ehesten möglichen Entwicklungsweg jedes Einzelnen. Der Schüler rückt dabei oft nichtsahnend in den Hintergrund. Woher soll das Wissen auch kommen?
Ist einmal ein Ausbildungsplatz gefunden, fehlen wiederum innerbetriebliche Mentorenprogramme, also geeignete erfahrene Bezugspersonen die ein sicheres Auge für die Joungsters haben. Oftmals sind die Durchhänger und Abbrecher einfach desorientiert, was sie stark verunsichert.
Sicherlich werden Ausbildungen sehr oft vorschnell abgebrochen, was nicht unbedingt eine vorweg falsche Berufswahl begründet.
22:53
Das ist ja leider mittlerweile die Realität, das Azubis ausgenutzt und dumm gehalten werden. Einer meiner Freunde macht eine Ausbildung im Handwerk, Berufskleidung= Selbst kaufen,Werkzeug=Selbst kaufen, 42Std Woche statt 37,5 wie im Vertrag, Urlaubs und Weihnachtsgeld stehen im Vertrag, werden aber nicht gezahlt, oft wird von morgens 7.00 bis abends 19 oder 20 Uhr gearbeitet, Anleitung oder Unterstützung durch Gesellen= Fehlanzeige.
Aber für 3 dicke Mercedes und nen Coupe für das Töchterlein ist Geld da.
Ich drück ihm die Daumen, das er durchhält.
22:44
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