Was Staatspleite und Grexit für Touristen bedeuten können

In diesen Tagen ist es eine Reise mit Unwägbarkeiten: Touristen auf der Akropolis in Athen.
In diesen Tagen ist es eine Reise mit Unwägbarkeiten: Touristen auf der Akropolis in Athen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Griechenland droht die Staatspleite. Soll man noch hinfahren? Wie kommt man dort an Geld? Und was ist, wenn man nicht mehr will? Ein paar Antworten.

Berlin/Essen.. Die Reisezeit beginnt - und gleichzeitig spitzt sich die Griechenland-Krise dramatisch zu. Auch den deutschen Urlaubern auf Rhodos oder Chalkidiki könnte es also passieren, dass sie von Staatspleite und Austritt aus der Eurozone überrascht würden. Und was dann?

Pauschaltouristen sind fein raus

Beides hätte für Pauschaltouristen zunächst wohl wenig Auswirkungen. Reisende, die bei einem Veranstalter gebucht haben, hätten bei einem Euro-Austritt ("Grexit") keine Konsequenzen zu fürchten, sagte der Tourismusexperte Prof. Volker Böttcher von der Hochschule Harz der Deutschen Presse-Agentur. "Urlaubern entsteht dadurch kein Nachteil." Denn Flüge und Hotels seien bereits in Euro abgerechnet.

[kein Linktext vorhanden] "Wir garantieren, dass die gebuchten Leistungen erbracht werden", sagt auch der Sprecher des Düsseldorfer Reiseunternehmens Alltours, Stefan Suska unserer Redaktion. Bei einer Pauschalreise sei alles schon vier Wochen im Voraus bezahlt, die einzelnen Reisebausteine seien durch Sicherungsscheine abgesichert, die Euro-Preise aus dem Katalog behielten auf alle Fälle ihre Gültigkeit. Das gelte im übrigen auch für Spätentschlossene, die jetzt noch eine Reise aus dem aktuellen Katalog buchen wollen. Ähnlich äußerten sich Tui und Thomas Cook.

Mit größeren Ungewissheiten müssen wie immer Individualtouristen leben, die Flüge und Hotels eigenhändig gebucht haben. Müssen sie eine Übernachtung auf einmal mit Drachmen bezahlen? "Was genau passieren wird, weiß keiner", sagt Tourismusexperte Böttcher. Er rechnet aber damit, dass es im Fall der Fälle eine Übergangsregelung geben wird, bei der Euro und Drachme parallel akzeptiert werden. "Es ist unrealistisch, dass Urlauber mit ihren Euros plötzlich nichts mehr bezahlen können."

Grexit Möglicherweise wären die Urlauber sogar die ersten, die von einem Euro-Austritt profitieren würden. "Auch wenn Griechenland aus dem Euro-Raum ausscheiden würde, bliebe der Euro sicher Zahlungsmittel im Land", sagte Thomas Schlüter, Sprecher des Deutschen Bankenverbandes unserer Redaktion. Und er vermutet, dass der Euro in diesem Falle auch stark im Wert steigen würde - und mit ihm die Kaufkraft der Urlauber, die Euro in der Tasche haben.

Probleme könnte allerdings die Versorgung mit Bargeld machen. Prof. Roland Döhrn vom RWI in Essen glaubt zwar nicht an die schnelle Einführung einer Ersatzwährung ("Ein riesiger Aufwand"). Er hält es aber für ein realistisches Szenario, dass die griechische Regierung es ähnlich macht wie Zypern im März 2013 - und für ein paar Tage die Banken schließt, um den Abfluss von weiterem Kapital aus dem Land zu stoppen. "Auch Obergrenzen für Abhebungen sind denkbar", so Döhrn.

Der Bankenverband rät Touristen daher, auf alle Fälle "unbare Zahlungsmittel" mitzunehmen, also Girocard und Kreditkarte. Beide seien in Griechenland weithin akzeptiert. "Sollte sich die Krise weiter zuspitzen, dann wäre es auch sinnvoll, etwas mehr Bargeld mitzunehmen als gewöhnlich", sagte Bankenverbands-Sprecher Schlüter am Dienstag. Bisher sehe er dazu aber noch keine Veranlassung.

Tourismus Und was ist mit Touristen, die wegen der Griechenland-Krise ihre Lust am Urlaub verlieren? Sie haben bislang jedenfalls keinen Anspruch auf kostenlose Stornierung. Das gebe es nur in Fällen, wo das Auswärtige Amt für ein Land eine scharfe Reisewarnung herausgebe, sagt Alltours-Sprecher Stefan Suska. "Und das haben wir das letzte Mal bei den Unruhen in Ägypten erlebt."

Im Falle Griechenlands hingegegen sind die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes derzeit entschieden gelassen. Zwar gibt es dort den als permanente Einrichtung einen Link zu einer Seite, die aktuell über das Streikgeschehen im Land gibt. Doch hätten, so das Auswärtige Amt, unter der neuen Regierung "Protestkundgebungen und Behinderungen durch Arbeitsniederlegungen stark nachgelassen." Nur vereinzelt komme es zu gewalttätigen Ausschreitungen, die Reisende meiden sollten.