Was der Finanzinvestor Cevian für Thyssen-Krupp plant

Der Finanzinvestor Cevian ist als Großaktionär mit mehr als 15 Prozent an Thyssen-Krupp beteiligt. Im Bild: Deutschlandchef Jens Tischendorf.
Der Finanzinvestor Cevian ist als Großaktionär mit mehr als 15 Prozent an Thyssen-Krupp beteiligt. Im Bild: Deutschlandchef Jens Tischendorf.
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Was wir bereits wissen
Der Einfluss des Finanzinvestors Cevian bei Thyssen-Krupp wächst. Welche Pläne Cevian verfolgt, sagt Deutschlandchef Jens Tischendorf im Interview.

Essen.. Der Einfluss des schwedischen Finanzinvestors Cevian beim Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp wächst: Bei der Hauptversammlung am Freitag (30. Januar) in Bochum soll der Cevian-Vertreter Jens Tischendorf (41) in den Aufsichtsrat gewählt werden. Gleichzeitig gibt die traditionsreiche Krupp-Stiftung einen von bislang drei Sitzen in dem Kontrollgremium ab.

Mit Spannung wird erwartet, ob Cevian Druck auf das Thyssen-Krupp-Management um Vorstandschef Heinrich Hiesinger ausüben wird. Immerhin ist Cevian als Großaktionär mit mehr als 15 Prozent am Essener Konzern beteiligt. Das „Manager Magazin“ berichtet, Tischendorf habe Vorbehalte gegen Hiesingers Verbundkonzept, demzufolge der Konzern vor allem durch die Vernetzung der einzelnen Konzernsparten Aufzüge, Anlagenbau, Autozulieferer, Stahl und Werkstoffhandel besser werden soll. Eine Alternative wäre für das Unternehmen, sich auf Bereiche zu konzentrieren, in denen Thyssen-Krupp Weltspitze sein könnte, heißt es.

Im Interview sagt Cevian-Deutschlandchef Tischendorf, welche Strategie er verfolgt und was er von Aufsichtsräten hält, die zu Vorstandsplänen immer nur Ja und Amen sagen. Die Fragen stellte Ulf Meinke.

Herr Tischendorf, aller Voraussicht nach sind Sie bald Aufsichtsratsmitglied von Thyssen-Krupp. Was haben Sie sich für diese Aufgabe vorgenommen?

Jens Tischendorf: Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe. Ich muss sagen, dass der Austausch des Vorstands mit seinen Aktionären, zu denen wir ja bereits seit längerem gehören, sehr konstruktiv ist. Wir bei Cevian Capital sehen uns als langfristigen Eigentümer, und wir wollen Verantwortung übernehmen. Wir sind fest überzeugt, dass Thyssen-Krupp im Kern ein erfolgreiches Unternehmen ist, und einige der Weichenstellungen von Herrn Hiesinger und seinem Team schlagen sich ja bereits in besseren Ergebnissen wieder. Wenn ich jetzt stellvertretend für die langfristig orientierten Investoren von Cevian ins Aufsichtsgremium des Unternehmens gewählt werde, dann will ich unsere industrielle Erfahrung einbringen um Thyssen-Krupp auf diesem Weg weiter zu begleiten.

Ihr Arbeitgeber Cevian gilt als aktiver Investor. Richtig?

Schienenkartell Tischendorf: Wir arbeiten aus der Position des Eigentümers, der am langfristigen Erfolg des Unternehmens interessiert ist. Deshalb sind wir in vielen Fällen Ankeraktionär. Wo wir investieren, wollen wir dazu beitragen, dass Wettbewerbsfähigkeit und damit auch der Unternehmenswert langfristig steigt – nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Ideen. Unsere Arbeit beruht auf einem konstruktiven und auf Fakten basierenden Dialog. Im Gegensatz zu Hedgefonds und Private Equity Fonds investieren wir ausschließlich Eigenkapital, arbeiten also ohne Hedges oder Fremdkapital.

Cevian soll einen Platz im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp bekommen. Die traditionsreiche Krupp-Stiftung gibt einen von bislang drei Sitzen auf. Hat ein Finanzinvestor grundsätzlich andere Interessen als eine Stiftung?

Tischendorf: Das glaube ich nicht. Beide haben doch dasselbe Ziel: Thyssen-Krupp soll langfristig wettbewerbsfähiger und damit zukunftssicher werden.

Finanzinvestoren stehen in dem Ruf, Unternehmen – wenn sich die Chance bietet – zerlegen zu wollen, um kurzfristig Kasse zu machen. Gehört die Zerschlagung von Konzernen auch zum Geschäftsmodell von Cevian?

Tischendorf: Nein. Bevor wir investieren, analysieren wir monatelang die Geschäfte der Unternehmen die wir für unterbewertet halten, und messen sie mit den jeweiligen besten Konkurrenten. Dann suchen wir nach Wegen, wie unser Zielunternehmen ebenso gut und erfolgreich werden kann. Sobald wir investiert haben, bringen wir diese Vorschläge auf den Tisch und diskutieren sie mit der Unternehmensleitung. Genauso haben wir es auch bei Thyssen-Krupp gemacht, und wir sind überzeugt, dass mit den richtigen Entscheidungen viel Potenzial gehoben werden kann.

Gibt es Grundsätze dafür, wie lange sich Cevian in Unternehmen engagiert?

Thyssen-Krupp Tischendorf: Wir engagieren uns in Unternehmen in der Regel für fünf bis sieben Jahre und durchaus auch länger. In dieser Zeit wollen wir die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens steigern, und dies spiegelt sich dann auch irgendwann im Aktienkurs wider. Wir unterscheiden uns in diesem Ansatz deutlich von vielen anderen professionellen Anlegern, für die der Aktienkurs eines Unternehmens nach drei bis sechs Monaten das ausschlaggebende Argument für eine Investition ist.

Neben Thyssen-Krupp gehört bekanntlich auch Bilfinger zu den Cevian-Beteiligungen. Haben Sie vor, bei weiteren deutschen Konzernen einzusteigen? Wie viel Geld hat Cevian dafür in der Kasse?

Tischendorf: Zurzeit sind wir bei gut einem Dutzend Unternehmen engagiert. Unsere Funds, insgesamt zehn Milliarden Euro, sind stets voll investiert. Wenn wir aussteigen, wird wieder Geld frei für neue Investments. Deswegen analysieren wir laufend auch deutsche Unternehmen und prüfen, wo sich ein Einstieg lohnt.

Was halten Sie von Aufsichtsräten, die zu Vorstandsplänen immer nur Ja und Amen sagen?

Tischendorf: Aufsichtsräte haben eine große Verantwortung, die sie wahrnehmen müssen. Dies wird von den Aktionären zurecht erwartet. Die deutsche Gesetzgebung sieht umfangreiche Möglichkeiten vor, sich als Aufsichtsrat beratend, aber auch natürlich kontrollierend einzubringen. Dort, wo das vernachlässigt wird, hat das mitunter nicht nur negative Folgen für die Aktionäre, sondern auch für Mitarbeiter und Kunden.