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10 Jahre Euro

Was der Euro uns Deutschen gebracht hat

29.12.2011 | 18:17 Uhr
Was der Euro uns Deutschen gebracht hat
Vor zehn Jahren löste der Euro die D-Mark ab. Foto: Steffi Loos/dapd

Essen.   Euro, Teuro, Euro-Krise: 10 bewegte Jahre liegen hinter der europäischen Gemeinschaftswährung. Der Ökonom Ansgar Belke von der Uni Duisburg-Essen erklärt im Interview Vor- und Nachteile des Euro und was passieren würde, wenn wir zur D-Mark zurückkehren würden.

Vor zehn Jahren wurde die europäische Gemeinschaftswährung eingeführt. Just an ihrem runden Geburtstag steckt der Euro in seiner bislang schwersten Krise. Janet Lindgens sprach mit dem Ökonomen, Professor Ansgar Belke, von der Universität Duisburg-Essen darüber, was der Euro den Deutschen gebracht hat und was eine Rückkehr zur D-Mark bedeuten würde.

Herr Professor Belke, rechnen Sie Euro noch in D-Mark um?

Ansgar Belke: Nein, denn je weiter man von der Euro-Einführung entfernt ist, desto größer wird der Fehler.

Eine knappe Mehrheit der Deutschen wünscht sich die D-Mark zurück. Warum sind die Deutschen mit der Gemeinschaftswährung auch nach zehn Jahren noch nicht warm geworden?

Ansgar Belke: Die Euro-Krise hat vielen Menschen vor Augen geführt, dass Länder wie Griechenland oder Italien ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sind und die Politik der Regierungen immer schlechter geworden ist. Das Solidargefühl der Deutschen leidet darunter. Hinzu kommt, dass die Deutschen den Euro für Preissteigerungen verantwortlich machen.

Warum hat der Euro seinen Titel als Teuro nie verloren?

Professor Ansgar Belke.

Ansgar Belke: Es ist nicht wahr, dass der Euro alles teurer gemacht hat. Er hat sein Stabilitätsziel erfüllt. Zum einen aber machen viele Menschen den psychologischen Fehler und vergleichen immer noch mit D-Mark-Preisen. Zum anderen gab es, als der Euro eingeführt wurde, große Schwankungen bei Rohstoff- und Nahrungsmittelpreisen. Gerade das spüren die Menschen besonders im Geldbeutel. Dagegen sind langlebige Güter, wie Waschmaschinen oder Fernseher günstiger geworden. Doch das schaffen sich die Menschen seltener an. Für Probleme hat der Euro woanders gesorgt; die Deckung von Verbindlichkeiten der Banken, aber auch der Privaten durch Eigenkapital war durch eine zu expansive Geldpolitik in den ersten acht, neun Jahren viel zu gering. Die Zinsen in der Eurozone hatten sich aufeinander zu bewegt und Kredite waren in jedem Land billig. Dies hielt die Eurozone lange zusammen. Als in der Finanzkrise diese Kreditblase platzte, war klar, dass es diesen Klebestoff für den Zusammenhalt nicht mehr gab.

Welche Vorteile hat uns der Euro gebracht?

Ansgar Belke: Mit dem Euro sind Exporte billiger geworden, Transaktionskosten und Ausgaben für Währungssicherungsgeschäfte fielen weg. Der Euro hat zudem zu einer Vertiefung der europäischen Gemeinschaft geführt und Deutschland die Reintegration in die Weltpolitik gebracht. Die Eurozone hat uns letztlich auch vor den Auswirkungen der Finanzkrise geschützt. Wenn die Länder damals einzeln dagestanden hätten, wären die Wechselkursschwankungen viel höher gewesen.

Gibt es auch Nachteile, die uns der Euro gebracht hat?

Ansgar Belke: Da gibt es mehrere. Da die D-Mark stärker wäre als der Euro, könnten wir günstiger Waren importieren. Mit der Euro-Einführung haben wir zudem die eigene Geld- und Währungspolitik aufgegeben. Die Währung der Mitgliedsländer kann seither nicht mehr frei schwanken, um auf Schocks von außen zu reagieren. Das hat das Beispiel Griechenland gezeigt: Griechenland konnte in der Krise die eigene Währung nicht mehr abwerten.

Video
Berlin/München, 28.12.11: Anfang 2002 wurde der Euro als Bargeld eingeführt und machte schnell international Karriere als Musterwährung. Nun steht die Gemeinschaftswährung in der Schuldenkrise unter Druck: 2012 wird für den Euro ein hartes Jahr.

Das aber hätte auch uns Deutschen gut getan, weil wir dann nicht so viele Rettungsschirme hätten aufspannen müssen. Ein Konstruktionsfehler des Euro besteht darin, dass wir keine politische Union mit Sanktionsmechanismen für Schuldenstaaten haben. Der Bürger badet das nun durch höhere Steuern und steigende Preise aus. Deutschland finanziert durch billige Zentralbank-Kredite die Importüberschüsse der anderen Euro-Mitgliedsländer auf Pump.

Die Inflationsangst der Deutschen ist also berechtigt?

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Rechnen Sie noch Euro-Beträge in D-Mark um?

 

Ansgar Belke: Kurzfristig sicher nicht, denn die Wirtschaft wird sich in 2012 erst einmal abkühlen. Aber ich glaube, mittel- und langfristig wird die Inflationsgefahr steigen. Mit dem nächsten Aufschwung wird die Inflation auf die Bühne zurückkehren und mit jedem Konjunkturzyklus im Trend weiter steigen. Denn die Politik wird auf Druck der US-Amerikaner einen Teil der Staatsschulden einfach weginflationieren. Auch die Leitzinsen in der Eurozone werden nächstes Jahr noch weiter fallen.

Könnten wir zur D-Mark zurückkehren? Was würde passieren?

Zehn Jahre Euro

Ansgar Belke: Die D-Mark würde massiv aufwerten. Importe würden dadurch zwar billiger, aber unsere Exporte deutlich teurer. Das würde in Deutschland einen massiven Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten. Des Weiteren müssten Unternehmen, Haushalte und Banken, die in Ländern der Eurozone investiert sind, einmalig hohe Abschreibungen vornehmen. Das würde viele in den Konkurs treiben. Zudem müsste man sich um das Verhalten der Europäischen Zentralbank in der verbliebenen Rest-Eurozone Sorgen machen. Sie würde, um eine Rezession zu vermeiden, massiv inflationieren, was den Realwert der Erträge auf deutsche Investitionen in der Eurozone erodieren könnte. Schließlich müsste Deutschland, wenn es aus dem Euro rausgeht, auch aus der EU austreten. Zölle und Handelsbeschränkungen kämen dann wieder. Der Euro dürfte nach dem Austritt seiner größten Volkswirtschaft früher oder später zusammenbrechen.

Geben Sie eine Prognose: Wird der Euro überleben?

Ansgar Belke: In den nächsten zwei, drei Jahren wird er allein deshalb überleben, weil das Übergangsszenario so katastrophal wäre. Eine mögliche Lösung sehe ich als Ultima Ratio in einer Kernwährungsunion mit Frankreich. Aber bis wir den schmerzhaften Übergang akzeptieren, muss noch Schlimmeres passieren. Bis auf Weiteres haben wir den Euro noch.

 

Janet Lindgens

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Kommentare
01.01.2012
15:24
Was der Euro uns Deutschen gebracht hat
von hein-tirol | #30

Der Herr Belke. Mit seinem fetten Ar.... viel Geld verdienend kann locker über die Schmerz-, Verlustgrenzen des Euros hinwegbilicken -gab er früher 10 DM für ein Stammessen beim Italiener, Griechen oder Jugo aus, muss er heute 10 Euro zahlen. Gerade die Gastronomie hat, nachdem die Tageseinnahmen gefühlt nur noch hälftig waren -statt 2.000 nur noch 1.000 in der Kasse, wobei man nicht zwischen DM und € unterschied-, kräftig zugelangt. Die Lieferanten zogen, nachdem sie Blut rochen, nach. Und so entstand eine Spirale, die seines Gleichen suchte. Die Gehälter und Pensionen/Renten wurden gehälftet, die Preise stiegen in der Zeit um das Doppelte. Es ist beim Normalbürger also nichts angekommen. Und das ist die Krux und Verfehlung des Helmuth Kohl. Der war ja auch fett genug und fraß sich überall kostenlos durch.

31.12.2011
06:40
Was der Euro uns Deutschen gebracht hat
von manmsv | #29

Jaja, alle sind sie am jammern wie schlecht es uns doch mit dem Euro geht.
Ein großer Fehler der Leute ist das, wenn sie in DM umrechnen alles mal 2 nehmen. Der Wechselkurs war aber 1:1,9583 (oder so etwa) also nicht das doppelte.
Ein Vorredner hat auch schon geschrieben das Sachen die heute 1,60€ kosten früher nie 3,20DM gekostet haben. Mag sein aber erstens würde die Sache "nur" 3,13DM kosten und wenn man die Inflation und die steigenden Lohn und Energiekosten der letzten Jahre auch noch drauf rechnen würden würden wir wahrscheinlich auch schon die 3,13DM zahlen.
Oder meinen alle Leute das die Energiekosten und Lohnkosten in den letzten 10Jahren ohne Euro nicht gestiegen wären???
Desweiteren, solange sich fast jeder dritte ne Wolfskin oder Wellensteyn Jacke für um die 200€ (in DM 391,66) kauft kann es uns so schlecht nicht gehen. Oder hätten Sie früher für eine Jacke knapp 400DM bezahlt??????

31.12.2011
02:18
Was der Euro uns Deutschen gebracht hat
von EbbesRache | #28

@27: Yep, allerdings nicht so langsam, sondern schon ne ganze Weile.
Das Problem ist, dass die Mehrheit der Euro-Kritiker sich eigentlich nicht über die gemeinsame Währung aufregt, sondern über deren Begleiterscheinungen.
Preistreiberei, wie in Kommentar 25&26 beschrieben hat es definitiv gegeben. Allerdings ist es hier auch der Verbraucher, der etwa Gastronomen für die 1:1-Karten abstrafen konnte. Wenn diese Preise bezahlt wurden, naja, dann haben sie sich damit eben durchgesetzt.
Und zum total sachlichen Kommentar24: sie wollen doch nicht allen Ernstes in Abrede stellen, dass der Euro der deutschen Exportbilanz nutzt und damit für unser Wirtschaftswachstum in ganz erheblichem Maße mitverantwortlich ist? In dem Falle müsste IHR Kopfballpendel nämlich eine Abrissbirne sein. Mal ganz abgesehen davon hat auch die Eurokrise mit der deutschen Einheit nichts zu tun. Sie ist aber ein Beispiel für die Vergrößerung des Exportgebietes für die deutsche Wirtschaft.
Dass dies unter enormen (vielleicht sogar unverantwortlichen) finanziellen Belastungen von Staat und damit der Steuerzahler machbar war, steht wohl auch außer Frage.
Dennoch weisen deutsche Einheit und Euro-Einführung erhebliche Parallelen auf: für beide gab es keine Blaupause und (aus deutscher Sicht) auch keine Alternative.
Wer heute noch von der D-Mark träumt und glaubt, es ginge uns mit ihr besser, der hält vermutlich auch den Käfer noch für das zuverlässigste Auto, das läuft und läuft...
Natürlich spielt in der ganzen Thematik eine Menge Emotion mit, aber man sollte doch sehen dass man DAS kritisiert, was die Krise wirklich ausgelöst hat, wie dummmberger in #23 völlig richtig geschrieben hat.
Man kann für oder gegen Rettungsschirme sein, deshalb ist man doch nicht für oder gegen den Euro...
So, genug geschrieben, muss wieder ans Kopfballpendel;-)

30.12.2011
20:23
Nöhlnation Deutschland
von el-kommentante | #27

Leute geht Euch das ständige Genöhle über den Euro nicht langsam auf den Senkel?

30.12.2011
17:05
Was der Euro uns Deutschen gebracht hat
von meinemeinungdazu | #26

Ich kann mich gut erinnern als der Euro eingeführt wurde: Der Marketingchef unseres recht großen Industrieunternehmens glänzte bei unserem Chef mit der Aussage "jetzt ist es an der Zeit, einen größeren Schluck aus der Preispulle zu nehmen". So kam es auch und nichts muss uns heute wundern.

30.12.2011
16:59
Was der Euro uns Deutschen gebracht hat
von meinemeinungdazu | #25

Viele Produkte und Dienstleistungen wurden massiv teurer, eben weil die DM einfach durch den Euro ersetzt wurde. Typisches Beispiel sind viele Restaurants und Kneipen. Heute wundern sie sich, dass die Bürger fernbleiben. Die haben nun mal immer weniger netto in der Tasche.

30.12.2011
15:06
Was der Euro uns Deutschen gebracht hat
von hitchhiker05 | #24

#20 Danke für diesen völlig unsachlichen Beitrag, da hat man doch das Gefühl, jemand
hat zu viel am Kopfballpendel gearbeitet.

Das uns die deutsche Einheit an den Rand des Ruins gebracht hat, ist ja wohl nicht
zu bezweifeln; zu erinnern sei hier nur an den wahnwitzigen 1:1-Umtausch zwischen
Ost- und DM-Mark, die zahllosen Steuererhöhungen (ja, auch der Mineralölsteuer),
der Ausplünderung der westdeutschen Renten- und Krankenkassen, usw usw.

Und merkwürdig, wir haben auch mit der stabilen DM Rolltreppen in Spanien,
Portugal und Co gebaut, wie war das denn nur möglich ?

30.12.2011
14:28
Was der Euro uns Deutschen gebracht hat
von dummmberger | #23

Dass über das Thema EURO nur rein emotional diskutiert wird, liegt ja auch an der mangelnden Informationspolitik durch Politik und Medien.
So wird immer noch über die Euro-Krise gesprochen, obwohl die Shculdenkrise überhaupt kein Problem ist, das wir exklusiv haben. Die USA stehen wieder, wie jedes JAhr vor der Zahlungsunfähigkeit, Großbritannien ist ohne Euro genauso verschuldet wie wir, von Ländern wie Japan etc gar nicht zu reden.

Trotzdem wird immer so getan, als ob es nur ein Problem des Euro wäre.

Es wird auch kaum kommuniziert, dass wir ja mit oder ohne Euro von unseren Nachbarstaaten abhängig sind. Die Wirtschaftsbeziehungen sind so vielfältig, dass wir uns auch ohne Währungsunion nicht leisten könnten, dass mit uns verbundene Staaten in die Insolvenz gehen.

Statt sachlicher Informationen wird dann von einer Friedenswährung gefaselt, als ob beim Scheitern des Euro in Europa Krieg ausbrechen würde.

Der Normalbürger fühlt sich verarscht und das mit Recht.

Da muss man sich über die Euro-Skepsis nicht wundern.
Vor allem, wenn Politiker, die diese Skepsis teilen, nicht mit Argumenten überzeugt, sondern mit disziplinarischen Mitteln zur Zustimmung gedrängt werden.

2 Antworten
Was der Euro uns Deutschen gebracht hat
von AntonC | #23-1

Es gibt durchaus genug an Informationen durch Politik und Medien. Der Durchschnittsdeutsche schaut aber lieber eine Castingshow, als eine politische Informationssendung.

Was der Euro uns Deutschen gebracht hat
von dummmberger | #23-2

Das ist Unsinn.

Die Info-Häppchen, die uns von den Politikern und den Medien geboten werden, reichen bei weitem nicht aus, um auch nur halbwegs einen Überblick zu bekommen.

Dass Sie die Infos ausrecihend finden, wundert mich nicht, denn Sie diskutieren ja ähnlcih, wenn ich mir Ihren Unsinn mit "Stammesverbänden, die sich untereinander bekriegend am Rand des römischen Imperiums tummelten." so durchlese.
Sie beschränken sich darauf, die anderen Kommentatoren als dumm und unwissend hinzustellen. Aber wo sind Ihre überzeugenden Argumente?

30.12.2011
13:36
Was der Euro uns Deutschen gebracht hat
von DerNachdenker | #22

@ donfernando
Bullshit! Trotz Rettungsschirm bekommen wir (v.a. Privatleute und Unternehmen) Geld aus den Pleiteländern. Wo investieren die denn ihr weltweit geliehenes Geld? In deutschen Exportgütern.

30.12.2011
12:50
Was der Euro uns Deutschen gebracht hat?
von donfernando | #21

Rettungsschirme! Viele schöne bunte Rettungsschirme. Wie damals die Papier-Schirmchen auf den Eisportionen. Deutschland ist dank Euro zu einer großen Eisdiele geworden, die riesige Portionen in ganz Europa verschenkt. Sozusagen als Gratis-Beitrag gegen die Erderwärmung. Also wenn das nix ist, dann weiß ich es nicht.

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