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Warum sich City-Märkte für Dortmunder Rewe nur selten rechnen

25.03.2013 | 17:44 Uhr
Warum sich City-Märkte für Dortmunder Rewe nur selten rechnen
Trotz der großen und bunten Produktpalette stagniert der Lebensmittelmarkt.Foto: dpa

Dortmund.  Seit 100 Jahren ist die Dortmunder Genossenschaft Rewe im Lebensmittelgeschäft aktiv. Rewe-Chef Heinz-Bert Zander spricht im Interview über die Konkurrenz durch die Discounter, den stagnierenden Lebensmittelmarkt und die schwachen Umsätze von City-Supermärkten.

Im 100. Jahr ihres Bestehens kann Rewe, die Dortmunder Genossenschaft selbstständiger Lebensmittelhändler, die besten Zahlen der Unternehmensgeschichte vorlegen. Im Großhandelsumsatz übersprang Rewe 2012 erstmals die Marke von zwei Milliarden Euro. Ein Gespräch mit Rewe-Chef Heinz-Bert Zander.

540 Märkte zwischen Niederrhein und Siegerland, davon 300 inhabergeführte Rewe-Läden, Zentrallager und Fleischerei in Dortmund und Wesel. Dazu die Verflechtungen mit der europaweit tätigen Kölner Rewe Group: Wie führen Sie ein derart kompliziertes Gebilde?

Heinz-Bert Zander: Die Genossenschaft ist einfach eine geniale Konstruktion. Es gibt keine Aktionäre, die Geld aus dem Unternehmen ziehen. Wir haben eine andere Philosophie als Aktiengesellschaften. Der überwiegende Teil unserer Märkte wird von selbstständigen Einzelhändlern betrieben, die sich in ihrem Markt auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einstellen. Und: Unsere Überschüsse fließen als Rückvergütung zurück an diese Kaufleute.

Dennoch haben Discounter wie Aldi und Lidl klassischen Supermärkten die Butter vom Brot nehmen können. Wie entwickelt sich der Wettbewerb?

Zander: Die Discounter waren lange die Gewinner der Branche. Inzwischen haben sie einen Marktanteil von über 40 Prozent. Doch in den vergangenen beiden Jahren konnten die Supermärkte mit ihrem Vollsortiment wieder Boden gut machen.

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Der Einzelhändler Rewe will seine Preisattraktivität verbessern. Konzernchef Alain Caparros zog am Donnerstag eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. Sorgen machen ihm allerdings die Discount-Tochter Penny und ProMarkt. Die Elektronikkette leidet unter der Online-Konkurrenz.

Die Kunden haben wohl erkannt, dass man bei uns ebenfalls günstig einkaufen kann, wir aber darüber hinaus im Bedienungsbereich und beim Service punkten können. Ich glaube aber nicht, dass Aldi oder Lidl sich das tatenlos anschauen werden. Der Wettbewerb wird wohl eher härter werden.

Dabei dürfte der Markt doch ziemlich gesättigt sein?

Zander: Trotz aller Wachstumsgläubigkeit in der Wirtschaftswelt: Ja, wir haben einen stagnierenden Markt. Die Menschen können nun mal nicht mehr Lebensmittel kaufen, als sie essen können.

Trotzdem erwarten Sie steigende Lebensmittelpreise. Auf was muss sich der Kunde einstellen?

Zander: Wir haben auch im Lebensmittelbereich längst einen globalen Markt. Das gilt sogar für Milch. Die Nachfrage steigt weltweit, die Produktionskapazitäten können nicht mithalten. Ich rechne mit dauerhaft steigenden Preisen.

Die Deutschen knausern bei den Ausgaben für Lebensmittel. Wie kommt das?

Zander: Deutschland hat nicht die Tradition wie Frankreich, ein Land der Feinschmecker zu sein. Hierzulande ging es in preußischer Genügsamkeit wohl eher darum, die Menschen in erster Linie satt zu kriegen. Aber das ändert sich ja. Sehen Sie den Trend zum guten Kochen.

In diesem Jahr wollen Sie 18 weitere Rewe-Läden eröffnen, auch in Randlagen. Wann kehrt der Supermarkt in die Mitte der City zurück?

Zander: Über Lebensmittelmärkte in der City wird viel geredet, dafür wird dort umso weniger gekauft. Die Rewe-Märkte in den großen Einkaufscentern Limbecker Platz in Essen und Thier-Galerie in Dortmund haben zwar einen enormen Kundendurchlauf, doch der Umsatz ist nur gering.

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Pferdefleischskandal, der Streit ums Bio-Ei: Die Lebensmittelbranche kommt kaum aus den Schlagzeilen. Das Vertrauen der Verbraucher schwindet aber offenbar nicht überall gleich: Eine der größten Supermarktketten der Region - die Rewe Dortmund - kann im Gegenteil einen Rekordumsatz vermelden.

Für den Großeinkauf geht man dort eben nicht hin. Supermärkte unter 600 Quadratmetern Verkaufsfläche rechnen sich meist nicht. Unsere Märkte sind im Schnitt 1800 Quadratmeter groß. Der größte steht in Bochum und hat 3500 Quadratmeter.

Die Kette von Lebensmittelskandalen reißt nicht ab. Zurück bleiben verunsicherte Verbraucher.

Zander: Auch wir finden schlimm, was sich hier in letzter Zeit abspielt. Lebensmittel sind Mittel zum Leben. Die müssen in Ordnung sein, egal wie billig oder teuer sie sind. Beim Pferdefleischskandal waren ganz klar Kriminelle am Werk, die aus reiner Profitgier betrogen haben. Hier fordern wir harte Bestrafung. Trotz allem: Gerade kriminelles Handeln wird immer wieder vorkommen und zu Skandalen führen.

Auch der Lebensmittelhandel kommt an Neuerung nicht vorbei. Welche Trends werden Sie den Kunden demnächst auftischen?

Zander: Innovationen gibt es auch auf dem Lebensmittelmarkt. Wir haben ja gerade eine Riesendiskussion über Fleischverzehr. Vegetarier sind daher klar im Kommen. Dem tragen wir in unseren Märkten Rechnung. Bei veganen Lebensmitteln, also solchen ganz ohne tierische Anteile, sehe ich dagegen nicht den großen Trend. Gefragt sind dagegen mehr und mehr regionale Produkte.

Wie sieht es bei Rewe mit dem viel beschworenen Fachkräftemangel aus?

Zander: Zurzeit können wir unsere Ausbildungsplätze noch gut besetzen. Auch in diesem Jahr wird es wegen der Wirkung des Doppelabiturjahrgangs keine Probleme geben. Es ist aber absehbar, dass sich immer weniger junge Menschen für einen Beruf in der Lebensmittelbranche interessieren. Schon heute gibt es Nachwuchsprobleme an den Fleischtheken.

Michael Kohlstadt


Kommentare
28.03.2013
09:59
Warum sich City-Märkte für Dortmunder Rewe nur selten rechnen
von mansgruf | #4

Die Regaleinräumer sind bestimmt zu teuer!

26.03.2013
19:22
Warum sich City-Märkte für Dortmunder Rewe nur selten rechnen
von bb | #3

Inhabergeführte Märkte können auch zum Problem werden, wenn die Inhaber zu wenig investieren, um gegen die Konkurrenz von Edeka auf der einen Seite und Aldi auf der anderen Seite bestehen zu können. Das bezieht sich auf die Einrichtung, aber auch auf die Schulung des Personals.
Die von mir gelegentlich besuchten Rewe Märkte in Rellinghausen und Bergerhausen, bis zur Schließung auch in Saarn, sind kleiner und irgendwie abweisender/unordentlicher gestaltet als zum Beispiel Edeka in Stadtwald oder Haarzopf. Das Personal ist stoffeliger. Besonders auffallend ist die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Personals bei Aldi Süd in Mülheim, Aldi Nord in Essen fällt dagegen deutlich ab. Dort ist noch die alte Discounter Mentalität spürbar, auch wenn es langsam besser wird.
Von Lidl und Netto rede ich hier lieber nicht, die sind noch ein paar Stufen mieser als Rewe.

26.03.2013
16:41
Fleisch ist ein Stück Lebenskraft!
von metzelkater | #2

Rewe ist eigentlich ziemlich teuer, aber sie haben dort immer wieder günstige Angebote für leckere Braten, darum gehe ich manchmal trotzdem dort vorbei. Ich finde es auch gut das es Veganer und Vegetarier gibt, die essen mir wenigstens kein Fleisch weg. Grünzeug ist und bleibt für mich das, was es ist: Eine Beilage zum Hauptgericht.

Was Rewe betrifft: Der neueste Trend sind weder die reinen Discounter, noch die klassischen Supermärkte, sondern eine sinvolle Kombination aus beiden Geschäftsmodellen.

Rewe setzt für mich viel zu sehr auf Ware, die aufwendig beworben wird. Solche Produkte kaufe ich nur in Ausnahmefällen, wenn ich kein vergleichbares Produkt einer Hausmarke finde.

Zwar hat Rewe natürlich auch eine No Name Produktschiene, diese kann aber zumindest optisch nicht mit den sympathischen Eigenmarken der Mitbewerber mithalten.

1 Antwort
Warum sich City-Märkte für Dortmunder Rewe nur selten rechnen
von mith | #2-1

Hausmarken sind sicherlich eine Alternative, jedoch muss man auch festhalten, dass diese i.d.R. nicht wirklich Top Qualität bieten. Aber hier muss jeder seine Prioritäten selbst setzen: Preis oder Qualität. Und was die No Names angeht: die sind identisch, egal ob Discount oder Rewe und Aldi, häufig der selbe Artikel nur mit anderem Namen.
In Summe bieten mir die richtigen Märkte wie Rewe oder Edeka einfach die größere Auswahl - wobei Edeka die teuersten sind.

26.03.2013
07:58
Vegan ist das neue Bio
von www.schnitzel-ist-out.de | #1

"Zander: Innovationen gibt es auch auf dem Lebensmittelmarkt. Wir haben ja gerade eine Riesendiskussion über Fleischverzehr. Vegetarier sind daher klar im Kommen. Dem tragen wir in unseren Märkten Rechnung. Bei veganen Lebensmitteln, also solchen ganz ohne tierische Anteile, sehe ich dagegen nicht den großen Trend. Gefragt sind dagegen mehr und mehr regionale Produkte."

Also ich würde vegane LM kaufen, aber wenn keine bei Rewe angeboten werden, muss ich halt online bestellen oder in einen Bioladen gehen.

1 Antwort
Warum sich City-Märkte für Dortmunder Rewe nur selten rechnen
von mavodo | #1-1

es macht eben keinen Sinn, Lebensmitteil für eine Randgruppe ständig parat zu halten. Bleiben Sie lieber Online oder in ihrem Bioladen, dann bleiben normalen Konsumenten auch von merkwürdigen Ansichten und Randbemerkungen naserümpfender Veganer verschont, und Sie befinden sich zudem unter Gleichgesinnten.

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