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Warum Reise-Schnäppchen jetzt knapp werden

09.07.2013 | 19:57 Uhr
Warum Reise-Schnäppchen jetzt knapp werden
An den Stränden am Mittelmeer wie hier auf Mallorca droht es in diesem Sommer proppevoll zu werden.Foto: dpa

Essen.   Zehn Tage vor dem Start in die NRW-Sommerferien gestaltet sich die Suche nach einem Last-Minute-Urlaub schwierig. Die meisten Deutschen haben ihren Urlaub lange im Voraus gebucht - und die Veranstalter haben ihre Einkaufsstrategie verändert.

Wer zehn Tage vor Beginn der NRW-Sommerferien auf der Suche nach Last-Minute-Urlaub in der Sonne ist, hat in diesem Jahr nach Angaben von Branchenvertretern schlechtere Karten als in den Vorjahren. „Die Kontingente sind weitgehend ausgeschöpft, einige Länder sind ausgebucht“, sagt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reise-Verbandes. Die Deutschen würden ihren Urlaub immer frühzeitiger buchen und dabei auch immer neue Rekorde aufstellen, erläutert Schäfer. Dadurch stehen jetzt nur wenige Hotelbetten und Flugsitze zur Verfügung.

Zudem hat sich die Einkaufspolitik der Touristikkonzerne verändert. Flugkapazitäten würden flexibel an die Nachfrage angepasst, so dass es kaum noch Überkapazitäten gebe, die kurz vor Ferienbeginn zu Schleuderpreisen angeboten werden, heißt es bei Marktführer Tui in Hannover. „Es mag noch das ein oder andere Schnäppchen geben – aber darauf verlassen kann man sich nicht mehr“, so eine Sprecherin. Anders sieht Last-Minute-Spezialist L’Tur die Lage. Eine Sprecherin verweist auf ein prall gefülltes Angebot, das sogar größer sei als in den Vorjahren – „wir sind sehr zufrieden“.

In der Türkei wird's richtig knapp

Der Sprecher des Duisburger Veranstalters Alltours, Stefan Suska, verweist auf höhere Preise für kurzfristige Angebote. Derzeit gebe es eine Ferienwoche im Zwei-Sterne-Hotel auf Mallorca inklusive Flug und Halbpension für gut 400 Euro.

Tipp
Bei Online-Reisebüros auf unsaubere Tricks achten

Die Zeitschrift Computerbild warnt Internet-Nutzer vor Reiseangeboten im Netz. Verbraucher sollten genauer hinsehen: Trotz günstiger Angebote seien einige Schnäppchen bei einem Klick darauf nicht mehr verfügbar. Insgesamt wurden fünfzehn Reiseportale getestet – drei Portale erhielten ein Mangelhaft.

Während in Griechenland und auf Mallorca noch viele Plätze frei seien, werde es vor allem in der Türkei „richtig knapp“, sagt Suska. Dort würden derzeit womöglich auch einige der 50 000 Kunden des Pleite gegangenen Türkei-Spezialisten GTI nach neuen Reiseangeboten suchen.

Unisono heißt es in der Branche, dass Flexibilität mitbringen muss, wer für die Ferien jetzt noch eine Flugreise buchen möchte – und zwar hinsichtlich des Ziels, des Termins, aber auch des Abflughafens. „Es ist gut möglich, dass man von einem Bundesland aus abfliegen muss, in dem die Ferien schon vorbei sind“, sagt DRV-Sprecher Schäfer. Und bei Tui empfiehlt man „krumme Termine“ – also Urlaubslängen von neun oder zehn Tagen statt kompletter Wochen.

Die Unruhen in Ägypten und die verschärften Reisehinweise etwa für Nilkreuzfahrten seien derzeit kaum ein Thema, heißt es bei den Veranstaltern. Montagabend hatte das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite seine Informationen rund um Reisen nach Ägypten angepasst. Seit den heftigen Auseinandersetzungen in Kairo und der Absetzung von Präsident Mursi rät das Ministerium von Reisen in die Hauptstadt ab. Seit Montagabend gilt dies nun auch für die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nilkreuzfahrten). Es ist die letzte Stufe vor einer amtlichen Reisewarnung – und die gilt aktuell nur für die touristisch nicht erschlossenen Gebiete an der ägyptisch-israelischen Grenze und den Nord-Sinai.

Noch keine Probleme am Roten Meer

Ausdrücklich ausgenommen sind aber die bei Urlaubern so beliebten Gebiete am Roten Meer, sowohl auf der Festlandseite Ägyptens (zum Beispiel Hurghada) als auch auf dem Sinai im Küstenstreifen zwischen Sharm-El-Sheikh und Nuweiba.

Lesen Sie auch:
Auswärtiges Amt mahnt Ägypten-Urlauber zu Vorsicht

Die Auswirkungen auf die Touristengebiete seien nicht absehbar: Das Auswärtige Amt mahnt Ägypten-Touristen zur Vorsicht und rät von Abstechern in die Hochburgen der Proteste ab. Menschenrechtler hoffen unterdessen auf einen "echten Neuanfang", fürchten aber gleichzeitig eine "Talibanisierung".

„Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und unseren Reiseleitern vor Ort, so dass wir immer ein aktuelles Bild der Lage haben“, beruhigt Anja Braun von Deutschlands größtem Reiseveranstalter Tui. Und derzeit sei die Lage in den Touristenregionen, die rund 500 Kilometer vom Krisenherd Kairo entfernt sind, ruhig. Zu wichtig sind die Urlauber für das Land, zu abhängig viele Menschen von den Einnahmen.

Schon vor Wochen haben die Reiseveranstalter reagiert, bieten Ausflüge nach Kairo nicht mehr an. Nilkreuzfahrten habe man zwar grundsätzlich im Programm, führe sie derzeit mangels Nachfrage nicht durch, sagt Stefan Suska von Alltours. Das sei im Sommer aber nichts Ungewöhnliches – da sei es den meisten Reisenden für Trips zu den historischen Sehenswürdigkeiten schlicht zu heiß.

Eine Prognose zur weiteren Entwicklung im Ägyptentourismus wagt kein Veranstalter – letztlich hoffen aber alle, „dass Ägypten nun schnell auf den parlamentarischen Weg zurückfindet und sich die Lage stabilisiert“, so Suska. Möglichst bis zur wichtigen Wintersaison.

Thomas Rünker, Felix zur Nieden


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