Warum Öl derzeit beim Heizen günstiger ist als Gas

Am stärksten von den gesunkenen Heizölpreisen profitieren laut Vergleichsportal Verivox Verbraucher, die im vergangenen Dezember und Januar ihre Tanks befüllt haben.
Am stärksten von den gesunkenen Heizölpreisen profitieren laut Vergleichsportal Verivox Verbraucher, die im vergangenen Dezember und Januar ihre Tanks befüllt haben.
Foto: picture alliance / dpa
Das Vergleichsportal Verivox hat eine Bilanz der abgelaufenen Heizsaison gezogen. Dabei schneiden Ölheizungen besser ab als der Brennstoff Gas.

Hamburg.. Nach der ersten Hitzewelle dieses Sommers ist die Erinnerung an das ziemlich kühle Frühjahr schon verblasst. Die Monate von Februar bis April waren deutlich kälter als im vergangenen Jahr, ebenso wie bereits der Dezember. „Auch wenn der Winter insgesamt mild war, hat gerade das kühlere Frühjahr den Bedarf an Heizenergie wieder steigen lassen“, sagt Florian Krüger vom Internetportal Verivox. Nach den Hochrechnungen der Energie-Experten haben die Haushalte von Anfang Oktober bis Ende Mai sieben Prozent mehr Energie verbraucht als in der Heizperiode zuvor. Das ist ein Durchschnittswert für ganz Deutschland, regional kann das durchaus unterschiedlich aussehen.

Spritpreise Der höhere Energiebedarf bedeutet für die Verbraucher nicht zwangsläufig auch höhere Kosten. Knapp elf Millionen Haushalte, die mit Öl heizen, können sich im Gegenteil auf kräftige Einsparungen einstellen. Der Preis für Heizöl liegt aktuell bei rund 60 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inklusive Mehrwertsteuer) und damit um 20 Euro niedriger als vor einem Jahr. Dieser Preisrutsch setzte bereits im vergangenen Oktober ein.

„Am stärksten von den gesunkenen Heizölpreisen profitieren Verbraucher, die im vergangenen Dezember und Januar ihre Tanks befüllt haben“, sagt Krüger. Im Durchschnitt war das Heizen mit Öl trotz des gestiegenen Verbrauchs um 16 Prozent günstiger als in der Heizperiode zuvor.

„Das ist nur eine Momentaufnahme“

Ganz anders sieht es bei den 19 Millionen Haushalten aus, die mit Gas heizen. Der Gaspreis bewegte sich kaum; der von Verivox errechnete Verbraucherpreisindex für Gas steht aktuell bei 6,39 Cent je Kilowattstunde gegenüber 6,5 Cent vor einem Jahr – ein Rückgang um wenig mehr als ein Prozent. Folglich schlägt der höhere Verbrauch fast ungebremst auf die Kosten durch und verteuert das Heizen mit Gas um sechs Prozent.

Mineralölkonzern Ein Durchschnittsverbraucher (Jahresverbrauch 20.000 Kilowattstunden) mit Gasheizung musste somit in der abgelaufenen Heizperiode 1191 Euro für seinen Brennstoff bezahlen. Wer mit Öl heizte, zahlte im Schnitt 1161 Euro und damit 2,5 Prozent weniger als der Gaskunde. „Das ist aber nur eine Momentaufnahme und taugt nicht für eine strategische Investitionsentscheidung“, sagt Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID in Hamburg.

Große Preisunterschiede beim Gas

In den vergangenen Jahren war umgekehrt Gas der günstigere Brennstoff. Vielen Gaskunden steht zudem der Weg offen, durch einen Wechsel des Anbieters Kosten zu sparen. In Deutschland gibt es rund 40 Millionen Haushalte, davon heizen nach Angaben von Verivox fast die Hälfte mit Gas. Von diesen wiederum können zehn Millionen den Gasanbieter selbst wechseln.

Gaswechsel Viele Verbraucher aber sind beim Anbieterwechsel auf die Hilfe ihres Vermieters oder der Hausverwaltung angewiesen, da es in Mehrparteienhäusern oft nur ei­nen Gaszähler gibt und die Heizkosten anteilig auf die Mieter umgelegt und über die Nebenkosten abgerechnet werden. Der teuerste Anbieter (Stadtwerke Kiel) ist laut EID um rund ein Drittel teurer als der günstigste (Stadtwerke München). Gaskunden, die wechseln können, haben in Deutschland die Wahl zwischen 97 Anbietern. (dpa)